03/2022_Ger, de, Script

Charakter

Inhalt

  1. Einleitung. 3
  2. Leben mit Vision. 5

2.1 Wozu um alles in der Welt lebe ich?. 6

2.1.1 Reflexion. 6

2.2 Dein Leben ist kein Zufall 6

2.2.1 Reflexion. 7

2.3 Was treibt dein Leben an? Was treibt dich an?. 7

2.4 Du bist geschaffen für die Ewigkeit. 8

2.4.1 Reflexion. 8

2.5 Das Leben aus Gottes Perspektive. 8

2.5.1 Herausforderung. 9

2.5.2 Leihgabe. 10

2.5.3 Zeitlich begrenzte Aufgabe. 10

2.6 Der Grund für alles. 11

2.6.1 Reflexion: 11

2.7 Anwendung. 11

  1. Erstes Lebensziel: Du wurdest zur Freude Gottes erschaffen. 12

3.1 Was bringt Gott zum Lächeln?. 12

3.1.1 Reflexion. 13

3.2 Hingabe ist das Herz der Anbetung. 13

3.3 Werde Gottes bester Freund. 14

3.3.1 Reflexion. 14

3.4 Wenn Gott weit entfernt scheint. 15

3.5 Anwendung. 16

  1. Zweites Lebensziel: Du wurdest als Teil von Gottes Familie erschaffen. 16

4.1 Was wirklich zählt. 16

4.1.1 Das größte Zeichen von Liebe ist Zeit. 17

4.1.2 Reflexion. 17

4.2 Ein Ort, an dem man dazugehört. 17

4.2.1 Die Ortsgemeinde. 18

4.2.2 Gründe, warum wir eine Gemeindefamilie brauchen: 18

4.2.3 Reflexion. 19

4.2.4 Gemeinsam leben. 19

4.3 Zerbrochene Beziehungen heilen. 20

4.3.1 Reflexion. 20

4.4 Schütze deine Gemeinde. 20

4.5 Anwendung. 21

5       Drittes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, Jesus ähnlicher zu werden. 21

5.1 Jesus ähnlicher werden. 21

5.1.1 Reflexion. 22

5.2 Wie wir wachsen. 22

5.2.1 Gottes Beitrag und dein Beitrag. 22

5.3 Verändert durch Probleme. 23

5.3.1 Reflexion. 24

5.4 Wachsen durch Versuchungen. 24

5.4.1 Wie kannst du nun reagieren, wenn dich Versuchung trifft?. 24

5.4.2 Versuchung bestehen. 25

5.5 Charakterentwicklung braucht Zeit. 25

5.5.1 Reflexion. 26

5.6 Anwendung. 26

6       Viertes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, um Gott zu dienen. 26

6.1 Dein persönliches Profil 27

6.1.1 Gaben. 27

6.1.2 Andersartigkeit/Persönlichkeit. 27

6.1.3 Besondere Fähigkeiten. 27

6.1.4 Erfahrungen. 28

6.1.5 Neigungen. 28

6.1.6 Reflexion. 28

6.2 Gott verdient dein Bestes. 28

6.2.1 Reflexion. 29

6.3 Der Dienst beginnt im Kopf. 29

6.4 Anwendung. 30

7       Fünftes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, um einen Auftrag zu erfüllen. 30

7.1 Wie lautet die Botschaft deines Lebens?. 31

7.1.1 Reflexion. 32

7.2 Anwendung. 32

8 Leben mit Vision. 32

8.1 Reflexion. 32

8.2 Anwendung. 33

8.3 Weiterführende Literatur. 33

Literatur. 34

 

 

 

Charakter und Identität

Michaela Wesely

 

Rick Warren: Leben mit Vision

 

1.    Einleitung

 

Unser Charakter ist ein großes komplexes System, das auf völlig unterschiedliche Weise betrachtet werden kann.

Psychologisch:

Charakter: Merkmal, ursprünglich gleichbedeutend mit einem eingeprägten Zeichen, dann Kennzeichen, Merkmal, an dem etwas erkannt wird. Umgangssprachlich ist Charakter gleichbedeutend mit Persönlichkeit, oft im Kontext einer moralischen Bewertung („guter/schlechter Charakter“). In der Psychoanalyse gleichbedeutend mit Persönlichkeit. (Dorsch)

Der Charakter ist die Summe aller Eigenschaften des Menschen, zum einen von Geburt an vorhanden, teilweise anerzogen oder mit der Zeit entwickelt und weiter ausgeprägt. Der Charakter beschreibt das, was einen Menschen zu der Person macht, die er ist. Charakter entsteht durch die Programmierung von uns selbst und durch die Programmierung, die von unseren primären Betreuern (Eltern, Lehrer, etc.) kommt – und wird durch wiederholte Handlungen gebildet, die in jungen Jahren beginnen, bis diese Verhaltensweisen zu Gewohnheiten werden. Diese Gewohnheiten prägen die Art und Weise, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen. Der Charakter besteht aus Tugenden, positiven Eigenschaften, und Lastern, negativen Eigenschaften.

Der Charakter aus psychologischer Sicht ist recht statisch. D.h. die Charaktereigenschaften, die du hast, sind psychologisch gesehen kaum veränderbar. Es braucht eine enorme Anstrengung und Disziplin, an dem eigenen Charakter zu arbeiten. Aus entwicklungspsychologischer Sicht kann man lernen, mit den Charaktereigenschaften, die aus deiner Kindheit entstanden sind, zu leben. Für eine Veränderung braucht es jahrelange Therapie, die oft nicht erfolgversprechend ist.

 

Geistlich:

Aus christlicher Sicht ist der Charakter jedoch ganz anders zu sehen. In der Bibel lesen wir nirgendwo, dass Jesus einmal zu einem Menschen sagte: „Tut mir leid, dein Charakter ist so, wie er ist, da kann man nichts machen, du bist verloren.“ Paulus beschreibt den Charakter eher so:

Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon „neue Schöpfung“. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. (2. Korinther 5, 17)

Das Paradigma des sich entwickelnden Charakters, der zum Zeitpunkt x nahezu unveränderlich so ist, wie er ist, kann so also nicht bestehen bleiben. Biblisch gesehen gibt es einen großen Unterschied zum humanistischen Bild des Charakters, und diesen Unterschied bewirkt der Heilige Geist. Im Kolosserbrief des Apostel Paulus beschäftigt sich ein ganzes Kapitel mit dem Charakter des Christen.

Wenn ihr nun mit Christus auferweckt seid, dann orientiert euch nach oben, wo Christus ist! Gott hat ihm den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gegeben. Richtet also eure Gedanken nach oben und nicht auf die irdischen Dinge! Ihr seid doch gestorben, und euer Leben ist mit Christus bei Gott verborgen. Wenn einmal Christus, euer Leben, allen sichtbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm zusammen in der ganzen Herrlichkeit sichtbar werden, die euch jetzt schon geschenkt ist. Darum tötet alles, was an euch noch irdisch ist: Unzucht, Ausschweifung, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht. Habsucht ist so viel wie Götzendienst. Wegen dieser Dinge kommt das Gericht Gottes. Auch ihr habt früher entsprechend gelebt, als ihr noch ganz dem Irdischen verhaftet wart. Aber jetzt müsst ihr das alles ablegen, auch Zorn und Aufbrausen, Boshaftigkeit, Beleidigung und Verleumdung. Belügt einander nicht mehr! Ihr habt doch den alten Menschen mit seinen Gewohnheiten ausgezogen und habt den neuen Menschen angezogen: den Menschen, der in der Weise erneuert ist, dass er nun Gott erkennt und weiß, was Gott will – der erneuert ist nach dem Bild dessen, der ihn am Anfang nach seinem Bild geschaffen hat! Wo diese Erneuerung geschehen ist, da zählt es nicht mehr, ob jemand zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist oder unbeschnitten, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört oder gar zu einem Stamm von Wilden, ob jemand im Sklavenstand ist oder frei. Was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles wirkt.

Ihr seid von Gott erwählt, der euch liebt und zu seinem heiligen Volk gemacht hat. Darum zieht nun wie eine neue Bekleidung alles an, was den neuen Menschen ausmacht: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Milde, Geduld. Ertragt einander! Seid nicht nachtragend, wenn euch jemand Unrecht getan hat, sondern vergebt einander, so wie der Herr euch vergeben hat. Und über das alles zieht die Liebe an, die alles andere in sich umfasst. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt. Der Frieden, den Christus schenkt, muss euer ganzes Denken und Tun bestimmen. In diesen Frieden hat Gott euch alle miteinander gerufen; ihr seid ja durch Christus ein Leib. Werdet dankbar! Gebt dem Wort Raum, in dem Christus bei euch gegenwärtig ist. Lasst es seinen ganzen Reichtum unter euch entfalten. Unterweist und ermahnt einander mit aller Weisheit. Singt Gott von ganzem Herzen Psalmen, Hymnen, Loblieder, wie seine Gnade sie schenkt und sein Geist sie euch eingibt. Alles, was ihr tut und was ihr sagt, soll zu erkennen geben, dass ihr Jesus, dem Herrn, gehört. Euer ganzes Leben soll ein einziger Dank sein, den ihr Gott, dem Vater, durch Jesus Christus darbringt.

(…) Alles, was ihr tut, tut von Herzen, als etwas, das ihr für den Herrn tut und nicht für Menschen. Seid euch bewusst, dass ihr dafür vom Herrn das ewige Leben als Lohn bekommt. Dient mit eurem Tun Christus, dem Herrn! Denn wer Unrecht tut, wird dafür die volle Strafe erhalten. Gott ist ein unparteiischer Richter. (Kolosser 3)

 

 

 

 

 

2.    Leben mit Vision

 

Das meistverkaufte Sachbuch der Welt und das Buch, das nach der Bibel in die meisten Sprachen übersetzt wurde, ist Rick Warrens „Leben mit Vision“. Der englische Titel „Purpose Driven Life“ beschreibt den Sinn des Buches und seinen Erfolg jedoch deutlicher.

Purpose meint Absicht, Ziel, Zweck, Sinn, Bestimmung, Intension.

Unser Leben hat eine Bestimmung, einen Sinn. Wir sind nicht zufällig auf der Welt. Wir sind auch nicht versehentlich in die Rolle geschlüpft, in der wir uns befinden. Wir sind kein Unfall, egal wie die Umstände unserer Empfängnis und Geburt waren.

Wir sind mit voller Absicht und für ein Ziel erschaffen worden!

Im Gegensatz zu dem, was uns Medien und Gesellschaft vermitteln, steht im Zentrum unseres Daseins nicht unser „Selbst“. Wenn dir auf großen Plakatwänden entgegenspringt: „Weil du es dir verdient hast!“ dann ist das nicht kompatibel mit dem, was in der Bibel über den Menschen steht. Zwar ist der Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen, jedoch kann er vor Gott nicht als gerecht bestehen. In Römer 3 zitiert Paulus verschiedene Stellen aus dem Alten Testament, dass jeder Mensch, ohne Ausnahme, den rechten Weg verlassen hat.

So heißt es auch in den Heiligen Schriften: „Kein Mensch kann vor Gott als gerecht bestehen; kein Mensch hat Einsicht und fragt nach Gottes Willen. Alle haben den rechten Weg verlassen; verdorben sind sie alle, ausnahmslos. Niemand ist da, der Gutes tut, nicht einer. […] Niemand kann sich also herausreden. Die ganze Menschheit ist vor Gott schuldig. (Römer 3, 10-12 und 19)

Weiter im 3. Kapitel beschreibt Paulus dann, dass wir aus reiner Gnade und durch den Tod Jesu einen neuen Weg eröffnet bekommen haben. Wir haben damit also den Zugang zum ewigen Leben, jedoch nicht aus eigenem Tun. Sondern, weil Gott es uns ermöglicht.

Damit sind wir nicht mehr für uns selbst da, sondern für den, der uns freigekauft hat! Nur in Gott finden wir unsere Wurzeln und unsere Identität. Natürlich sind wir trotzdem als Individuen gedacht, keiner von uns ist zweimal auf dieser Welt. Und genau das ist die göttliche Berufung des Menschen: Du bist einzigartig, geliebt und freigekauft, und du hast eine einzigartige Bestimmung!

Rick Warren beschreibt in seinem Buch die 5 Lebensziele des Menschen.

  1. Du bist zur Freude Gottes erschaffen
  2. Du wurdest als Teil von Gottes Familie erschaffen
  3. Du wurdest erschaffen, um Christus ähnlicher zu werden
  4. Du wurdest erschaffen, um Gott zu dienen
  5. Du wurdest erschaffen, um einen Auftrag zu erfüllen

Wenn wir an diesen 5 Lebenszielen arbeiten, wenn wir uns dieser 5 Lebensziele bewusstwerden, wird unser Charakter umgestaltet und wir treten genau in die Bestimmung unseres Lebens, die Gott für uns vorgesehen hat!

 

 

2.1 Wozu um alles in der Welt lebe ich?

 

„It’s not about you!“

Es gibt wohl kaum einen schwerwiegenderen Satz als diesen! Es geht nicht um dich!

Als ich ihn das erste Mal las, war ich gerade für ein paar Monate in den USA. Ich wollte mich erholen von meiner Arbeit in der Gemeinde, von 10 Jahren Pionierarbeit und ewigen Kämpfen in der Kirche, drei kleinen Kinder und keiner Nacht mehr durchschlafen. Es sollte um mich gehen! Jesus sollte sich um mich kümmern! Die Gemeinde sollte mich ehren für meinen Job. Mein Mann sollte mich auf Händen tragen für meine alltäglichen Opfer für die Familie. Ich hatte hunderte Selbsthilfebücher gelesen, mich mit mir und meinem Charakter beschäftigt, meine Identität gesucht, meine Ziele formuliert, meine Träume aufgeschrieben!

It’s not about you! Mein Herz hat, glaub ich, tatsächlich kurz aufgehört zu schlagen. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Ja, es geht nicht um mich! Es geht nicht um mich! Plötzlich kam eine Freiheit in mein Herz, die war unbeschreiblich! Es geht nicht um mich. Alles dreht sich um Gott!

 

Selbst als Christen leben wir tagtäglich ein selbstzentriertes Leben. Auch wenn wir versuchen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen, ihm alle Dinge unseres Lebens unterzuordnen und unsere Entscheidungen mit Gebet zu treffen, werden wir bei genauerer Betrachtung feststellen, dass wir nicht wirklich dem wichtigsten Gebot gehorchen:

Jesus: „Das wichtigste Gebot ist dieses: ›Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner. Darum liebt ihn von ganzem Herzen und mit ganzem Willen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft.‹“ (Markus 12, 29-30)

Wie oft ist das, was wir wollen und was wir tun dem untergeordnet, was unsere eigenen Ziele sind? Was soll ich aus meinem Leben machen? Wie sehen meine Ziele, meine Träume, meine Vorstellungen von der Zukunft aus?

 

2.1.1 Reflexion

Der erste Satz des Buches „Leben mit Vision“ ist schockierend. Schau ihn dir nochmals genauer an. „Es geht nicht um dich!“

  • Wie geht es dir, wenn du ihn liest?
  • Was fällt dir spontan ein?
  • Was glaubst du, solltest du als erstes verändern?

 

2.2 Dein Leben ist kein Zufall

Du existierst, weil Gott will, dass du existierst! Du wurdest von Gott erschaffen und du wurdest für Gott erschaffen. Leben bedeutet, dass du dich von Gott für seine Ziele gebrauchen lässt, und nicht, dass du Gott für deine Ziele gebrauchst.

Beim Thema „Charakter und Identität“ geht es darum, zu dem Menschen zu werden, als der du ursprünglich von Gott erschaffen wurdest.

Wir können 3 Punkte aus Epheser 1 herauslesen:

  1. Du findest deine Identität und deinen Sinn durch deine Beziehung zu Jesus.
  2. Gott hat über dich nachgedacht, lange bevor du geboren wurdest. Du kannst entscheiden, wen du heiratest, welchen Beruf du wählst und was deine Hobbys sind. Aber den Sinn deines Lebens hat Gott für dich festgelegt.
  3. Der Sinn deines Lebens steht in einem großen Zusammenhang, den Gott für die Ewigkeit vorgesehen hat.

 

Albert Einstein hat mal gesagt: „Gott würfelt nicht!“ Das ist für uns oft nicht wirklich verständlich. Vieles erscheint uns manchmal zufällig und ohne klare Absicht, aber Gott würfelt nicht.

Egal wie kompliziert dein Leben bisher war, egal wie schwierig deine Kindheit, was auch immer deine Eltern angestellt haben oder andere Menschen in deiner Vergangenheit, für Gott bist du der Mensch, nach dem er sich gesehnt hat, damit er ihn lieben kann.

Ich, der Herr, dein Schöpfer, der dich im Mutterleib gebildet hat und dir seitdem beisteht… (Jesaja 44, 2)

 

2.2.1 Reflexion

Gibt es Dinge in meinem Leben, in meiner Persönlichkeit oder meiner Familie, die mir schwerfallen zu akzeptieren, obwohl ich Gottes einzigartige Schöpfung bin?

 

2.3 Was treibt dein Leben an? Was treibt dich an?

 

Jeder Mensch wird von etwas angetrieben, in eine Richtung gesteuert. Was ist es bei dir?

  1. Schuld

Manche verbringen ihr gesamtes Leben damit, Dinge zu bedauern. Sie schämen sich für etwas, was sie selbst oder andere an ihnen getan haben. Allerdings erlaubst du damit, dass dich deine Vergangenheit kontrolliert.

Die ganz Großen in der Bibel waren alle nicht frei davon. Abraham hat seine eigene Frau mehrfach verleugnet, um sich selbst zu schützen. Mose hat jemanden getötet, ebenso David, der Liebling Gottes. Wir sind alle Produkte unserer Vergangenheit, doch egal was passiert ist, dadurch wird Gottes Plan nicht verhindert.

 

  1. Wut und Bitterkeit

Vor einigen Jahren hatten wir eine herbe Krise in unserer Gemeinde. Enge Freunde kündigten uns die Freundschaft. Eine meiner besten Freundinnen sagte mir, dass sie nie meine Freundin war. Nun war es an mir, mich zu entscheiden: Werde ich die Bitterkeit in mir Wurzeln schlagen lassen oder nicht? Es waren harte 3 Jahre, aber ich habe immer wieder Vergebung ausgesprochen. Ich denke, ich kann sagen, dass Bitterkeit nicht mein Herz zerfressen hat. Letztlich bindet dich deine Wut und Bitterkeit nur selbst, dem anderen ist sie völlig egal.

 

  1. Angst

Menschen, die sich von Angst beherrschen lassen, sperren sich selbst in ein Gefängnis ein. Ein grausames Beispiel dafür sind die Menschen, die sich seit 3 Jahren zuhause einschließen aus Angst vor Covid. In meiner eigenen Familie gibt es ein Ehepaar, das dies tut. Sie hoffen immer darauf, dass es irgendwann alles wieder besser wird, aber in Wirklichkeit haben sie der Angst erlaubt, sie einzusperren. Sie können gar nicht mehr Gottes Auftrag für ihr Leben leben.

 

  1. Materielle Wünsche

Oft denken wir, wenn wir wirtschaftlich besser dastehen, ein eigenes Haus haben, ein schönes Auto, keine finanziellen Sorgen, dann wären wir wirklich glücklich. Allerdings ist diese Annahme völlig falsch. Natürlich bringt es ein gewisses Glücksgefühl mit sich, wenn wir Dinge besitzen. Doch dieses Glückgefühl ist nur vorübergehend. Auch schenkt Geld nicht wirklich Sicherheit, echte Sicherheit kann nur Gott schenken.

 

  1. Bedürfnis nach Anerkennung

Wenn dir Anerkennung sehr wichtig ist, dann erlaubst du deinen Eltern, deinen Freunden, deinen Lehrern oder deinen Kindern dein Leben zu kontrollieren. Es gibt eine ganze Reihe Erwachsener, die immer noch versuchen, ihren Eltern zu gefallen. Wenn man es aber anderen Recht machen will, dann findet man niemals seinen eigenen Weg und verliert sich selbst und den Plan Gottes für sein Leben. Wie in Matthäus 6, 24 steht, man kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

 

2.4 Du bist geschaffen für die Ewigkeit

Wir werden am Ende unseres irdischen Lebens nicht einfach so ins Grab fallen. Das wars. Die Erde ist sozusagen die Vorschule der Ewigkeit, das Training fürs eigentliche Spiel. Wir gehen hier durch, um anschließend das wahre Leben zu erlangen.

Der Wunsch nach Unsterblichkeit, der in Hollywood-Filmen immer wieder auftaucht, ob in „Herr der Ringe“ oder bei „Twillight“ ist ein Zeichen dafür, dass dieser Ewigkeitsgedanke tief in unserer Seele schlummert. Wir sind dazu geschaffen, in Ewigkeit zu leben. Und während wir hier auf der Erde entscheiden dürfen, wo und wie wir unser Leben verbringen, gibt es in der Ewigkeit nur noch 2 Alternativen: Himmel und Hölle. Die Entscheidung trifft der Mensch während seines Lebens.

Wenn du in dem Bewusstsein lebst, dass du für die Ewigkeit gemacht bist, dann wirst du dein Leben anders verbringen, als wenn du glaubst, diese 80 Jahre hier auf der Erde sind alles, was dich erwartet. Die Sache ist die: Dein Handeln in dieser Welt bestimmt dein Schicksal im ewigen Leben.

Oder wie der Bibelausleger Henry gesagt hat: „Es sollte der Sinn jeden Tages sein, uns auf unseren letzten Tag vorzubereiten.“

 

2.4.1 Reflexion

Wenn alles Handeln für die Ewigkeit Folgen hat, womit solltest du dann aufhören und was solltest du heute beginnen?

 

 

2.5 Das Leben aus Gottes Perspektive

 

Wenn du dich wirklich kennenlernen willst, dann stelle dir selbst einmal folgende Fragen:

Wie siehst du dich und dein Leben? Welches Bild kommt dir in den Sinn, wenn du an dein Leben denkst?

Manche antworten hier: ihr Leben sei wie ein Berg, den sie mit Mühe jeden Tag weiter erklimmen. Andere sehen ihr Leben als Karussell, oder Achterbahn, oder Minenfeld. Oder als Tanz, Symphonie, Reise. Dieses Bild kann man als deine Lebensmetapher bezeichnen. Die Lebensmetapher bestimmt deine Erwartungen, deine Werte, deine Beziehungen.

Wenn du dein Leben als Berg siehst, dann wird immer alles für dich schwierig sein. Dann empfindest du jede Beziehung anstrengend, du mühst dich ab in deinem Job, du siehst Probleme über Probleme. Ist dein Leben eher ein Tanz, dann nimmst du alles nicht so schwer, bist positiv und kontaktfreudig, dann ist im Zentrum deines Lebens, Spaß zu haben. Ist dein Leben ein Marathon, dann geht es dir um Ausdauer. Ist es ein Wettkampf, dann geht es ums gewinnen.

Aus der Perspektive Gottes sind all diese Lebensmetaphern extrem weltlich. Sie entsprechen nicht dem Bild dessen, was Gottes Ziel für dein Leben und deinen Charakter ist.

Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist. (Römer 12, 2)

Gottes Lebensmetapher für unser Leben sieht ganz anders aus:

  • Herausforderung
  • Leihgabe
  • Zeitlich begrenzte Aufgabe

 

2.5.1 Herausforderung

Worte wie Prüfung, Probe Versuchung kommen durch die gesamte Bibel ständig vor. Angefangen bei Adam und Eva, dann Abraham, David… Wertet man die bestandenen Prüfungen der einzelnen Herausforderungen, so muss man feststellen, dass viele an ihren Prüfungen gescheitert sind. David beging Ehebruch und ließ seinen Konkurrenten auch noch töten. Adam und Eva haben mit ihrem Versagen die ganze Welt in Sünde gestürzt. Doch gibt es auch viele andere Beispiele, wie Josef, Ruth, Daniel.

Der Charakter eines Menschen zeigt sich darin, wie wir mit Herausforderungen, Prüfungen und Problemen umgehen. Wir werden ständig auf die Probe gestellt. Wie gehen wir mit Menschen um? Vor allem mit Menschen, die wir nicht mögen. Wie reagieren wir auf Krankheit oder Enttäuschungen? Wie verhalten wir uns, wenn keiner zusieht. Dem Wunsch nach einem sorgenfreien Leben wird in dieser Welt nicht nachgekommen.

Bei Führerschein-Prüfung ist es so, dass man manchmal an einer Kreuzung mehrfach vorbeifahren muss. Dies bedeutet für gewöhnlich, hier wurde ein Fehler gemacht und du hast eine neue Chance, beim zweiten Vorbeifahren alles richtig zu machen. Genauso kann man sich die Herausforderungen Gottes vorstellen. Wenn das Problem immer wieder auftaucht, habe ich offenbar die Probe nicht bestanden.

Die 3 große Herausforderungen des Lebens, die auch der Satan nutzt, um uns von Gottes Weg abzubringen, sind Geld, Macht und Sex. Hier müssen wir ständig durch eine Charakterschule. Wenn wir uns dessen bewusst sind, identifizieren wir die Versuchung schneller und haben eine reele Chance darauf, die Prüfung mit Gottes Hilfe zu bestehen.

Die Proben, auf die euer Glaube bisher gestellt worden ist, sind über das gewöhnliche Maß noch nicht hinausgegangen. Aber Gott ist treu und wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht. Wenn er euch auf die Probe stellt, sorgt er auch dafür, dass ihr sie bestehen könnt.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Charakterbildung für Gott das Zentrum unseres Lebens darstellt, wir sind hier – wie schon erwähnt – in der Vorschule. Doch unsere Reaktion auf die Prüfungen wird darüber entscheiden, wie wir die Ewigkeit verbringen.

 

2.5.1.1 Reflexion

  • Wie gehst du mit den 3 großen Herausforderungen um?
  • Welche ist dein Schwachpunkt?
  • Was hast du erlebt, was du im Nachhinein als Bewährungsprobe einordnen würdest?

 

2.5.2 Leihgabe

Im Psalm 24 schreibt David, dass die ganze Welt Gott gehört und auch all das, was in ihr lebt. Das schließt uns mit ein. Unser Leben ist eine Leihgabe. Auch was wir hier in unserer Zeit auf Erden besitzen, gehört nicht wirklich uns. Wir sind Verwalter, der Besitzer ist Gott.

Wenn du von einem Freund das Auto überlassen bekommst, dann wirst du besonders vorsichtig fahren. Oder wenn du im Haus deines Freundes Urlaub machst, dann passt du auf, dass die Kinder nicht die Wände bemalen.

Ebenso sollten wir mit dem Leben hier auf Erden umgehen. Nichts davon gehört dir, alles ist eine Leihgabe Gottes. Wie gehst du damit um? Bist du ein guter Verwalter? Bist du dir dessen bewusst, dass dein Geld dir nicht gehört? Das die Menschen in deinem Leben dir nicht gehören? Dass deine Gesundheit, dein Wohlstand, deine Sicherheit, deine Karriere nur Leihgaben sind? Du hast kein Anrecht darauf!

Die drei verschiedenen Verwalter im Gleichnis von Jesus (Lukas 19) gehen sehr unterschiedlich mit der Leihgabe des Königs um. Zwei von ihnen erwirtschaften einen Gewinn. Sie machen aus dem, was ihnen anvertraut ist, etwas. Der dritte aber versteckt sich hinter seiner Furcht und vergräbt das Geld. An Ende macht dem König sogar Vorwürfe und gibt ihm die Schuld.

Faktisch benutzt Gott all die Leihgaben, um unseren Charakter zu schulen. Geld zum Beispiel ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Leihgabe, um unser Vertrauen in Gott wachsen zu lassen. In Lukas 16 sagt Jesus:

Wenn ihr also im Umgang mit dem leidigen Geld nicht zuverlässig seid, wird euch niemand das wirklich Wertvolle anvertrauen. (Lukas 16, 11)

 

2.5.2.1 Reflexion

  • Wenn dein Umgang mit Geld darüber entscheidet, ob du die wirklich großen und wertvollen Dinge anvertraut bekommst, was solltest du heute ändern?
  • Was sind die größten Leihgaben, die Gott dir anvertraut hat?

 

2.5.3 Zeitlich begrenzte Aufgabe

Es gibt ein hervorragendes Bild für das Verhältnis von unserem Leben auf der Erde zu dem Leben in der Ewigkeit. Nimm ein Wollknäul in die Hand und miss ein paar Zentimeter ab. Das ist dein rund 80-jähriger Aufenthalt auf der Erde. Gib es jemandem zum Festhalten. Nun wickelst du das Knäul ab. Das ist die Ewigkeit. Im Psalm 19, 19 steht:

Diese Welt wird nicht für immer meine Heimat sein. (Psalm 119, 19)

Die Erde ist nicht unser Zuhause, wir sind für etwas Besseres geschaffen. Die Freundschaft mit dieser Welt wird von Jakobus als Feindschaft mit Gott bezeichnet (Jakobus 4, 4). Aber wir haben hier eine Aufgabe. Martin Luther hat es im 2. Korintherbrief beschrieben als „Botschafter an Christi statt“.

Wenn wir in der Geschichte der Menschheit zurückgehen, fällt auf, dass es niemals eine solche Zeit wie heute gegeben hat. Nicht nur materiell und aus hedonistischer Perspektive, sondern auch aufgrund der Einstellung der Menschen. Beides geht wahrscheinlich Hand in Hand. Doch waren die Menschen im Mittelalter gar nicht versessen darauf, möglichst lange auf der Erde zu verweilen, sie hatten eine Ewigkeitsperspektive. Dadurch war ihnen auch mehr bewusst, dass jeder einzelne Tag über diese Ewigkeit entscheidet. Du wirst noch keine 2 Sekunden im Himmel sein und dich fragen, warum du nur so viel Wert auf das Vergängliche gelegt hast!

 

2.5.3.1 Reflexion

  • Was ist die zeitlich begrenzte Aufgabe für dich auf dieser Welt?
  • Wie verändert dieser Standpunkt dein Leben?

 

2.6 Der Grund für alles

It’s not about you! Es dreht sich alles um ihn!

Gott hat alles zu seiner Ehre geschaffen. Alles, was er geschaffen hat, spiegelt seine Herrlichkeit wider. Wir können dieser Herrlichkeit weder etwas hinzufügen, noch sie mindern. Gottes Herrlichkeit ist so immens, dass es in der Ewigkeit keine Sonne geben wird, sondern sein Licht ausreicht, um die ganze Stadt zu erhellen! (Offenbarung 21, 23)

Gottes Wesen ist Herrlichkeit. In der Schöpfung gibt es nur zwei Geschöpfe, die Gott nicht die Ehre geben. Das sind die gefallenen Engel und wir Menschen. Jeder Vogel gibt Gott die Ehre, in dem er das tun, wozu er bestimmt ist, nämlich fliegen. Jede Ameise, in dem sie einfach Ameise ist.

Die Bestimmung des Menschen ist ebenfalls, Gott zu ehren durch sein Leben. Aber wie sieht das praktisch aus? Wie kann unser Charakter so umgewandelt werden, dass wir Gott mit unserem Sein die Ehre geben? Wie kann unser Tun aussehen, dass es zur Ehre Gottes ist?

In den fünf Lebenszielen ist dies zusammengefasst:

  1. Wir ehren Gott, indem wir ihn anbeten
  2. Wir ehren Gott, indem wir die Menschen lieben, die Teil von Gottes Familie sind
  3. Wir ehren Gott, indem wir Jesus ähnlicher werden
  4. Wir ehren Gott, indem wir ihm und anderen dienen
  5. Wir ehren Gott, indem wir anderen von ihm erzählen

 

2.6.1 Reflexion:

  • Wie kann dein ganz gewöhnlicher Alltag Gott die Ehre geben?

 

2.7 Anwendung

Kleingruppe:

  • Diskutiert den Satz: Es geht nicht um mich!
  • Sollte sich die Gemeinde/Kirche verändern, wenn sich wirklich alles um Jesus dreht?
  • Wie kannst du als Pastor dafür sorgen, dass das wichtigste Gebot : Du sollst Gott lieben …. (Markus 12, 29) in deiner Gemeinde widergespiegelt wird

 

 

3.    Erstes Lebensziel: Du wurdest zur Freude Gottes erschaffen

 

Du wurdest dazu erschaffen, Gott Freude zu machen. Stell dir vor, Gott legt so viel Wert auf dich und deine Gesellschaft, dass er die Ewigkeit mit dir verbringen will. Und das hat er teuer bezahlt! Welche größere Bedeutung könntest du erlangen?

Gott Freude machen nennt Anbetung, oder Worship. Allerdings ist in diesem Kontext weit mehr als nur das reine „Worship machen“, Anbetung durch Gottesdienste, Musik etc.

Anbetung ist ein Lebensstil!

Alles, was du tust und was Gott Freude macht, ist Anbetung! Anbetung sollte nicht ein Teil deines Lebens sein, sondern es sollte dein Leben sein. So wie David es ausdrückte: Ich will den Herrn allezeit preisen. (Psalm 34, 2), egal ob ich bei der Arbeit bin, auf Reisen, bei einer Party, beim Essen. Paulus lobte Gott im Gefängnis, und bewirkte damit nicht nur seine eigene Freiheit sondern auch die Lebensübergabe des Wärters und seiner Familie.

Anthropologen haben festgestellt, dass der Mensch innerlich einen Drang hat zur Anbetung. D.h. jeder Mensch sucht eine Anbindung an Gott. Wenn wir Gott nicht anbeten, suchen wir uns einen Ersatz, notfalls beten wir uns selbst an.

In Johannes 4 erklärt Jesus, dass Gott gerne angebetet wird. Er möchte unsere Anbetung.

Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden! (Johannes 4, 23)

Anbetung ist nicht für dich gedacht, sie soll nicht dir etwas bringen. Häufig hört man nach dem Gottesdienst: „Heute hat mir die Lobpreiszeit wirklich viel gebracht!“ oder „Heute hat mir die Lobpreiszeit gar nichts gebracht!“ Aber das ist nicht der Sinn von Anbetung.

Wenn wir Gott anbeten, dann sollte diese Anbetung Gott Freude machen, nicht uns. Und dies kann letztlich alles sein, was du tagtäglich tust. Tue alles so, dass es für Gott eine Freude ist.

 

3.1 Was bringt Gott zum Lächeln?

 

  1. Gott lächelt, wenn wir ihn mehr lieben als alles andere der Welt

Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot, antwortete Jesus: Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Verstand. Gott will keine halben Sachen. Er will immer die Nr. 1 im Leben von uns Menschen sein.

  1. Gott lächelt, wenn wir ihm ganz und gar vertrauen

Die Vorstellung, der einzige zu sein, der Gott vertraut, kann einem ziemlich Angst machen. Noah war nicht nur der einzige, der Gott vertraute, er baute auf Gottes Geheiß hin 120 Jahre lang ein Boot, obwohl weit und breit kein Meer war. Welches Vertrauen musste Noah wohl haben? Vertraust du ihm, wenn es schwierig wird?

  1. Gott lächelt, wenn wir ihm gehorchen

Wenn es um den Zehnten geht, gibt es immer viele Diskussionen. Einfach 10 % deines Einkommens an deine Gemeinde überweisen ist eigentlich nicht kompliziert. Aber es gehört einiges an Mut dazu. Wir suchen uns oft die Gebote aus, die uns gelegen sind. Aber die Aussage Jesus in Johannes 14, 15: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen!“ ist eindeutig.

  1. Gott lächelt, wenn wir ihn loben und ihm danken

Es gibt wohl nichts Schöneres, als von seinen Kindern zum Geburtstag eine Karte zu bekommen, in der die Kinder dich als die beste und tollste Mami der Welt bezeichnen. Jesus findet das genauso toll, wenn seine Kinder ihn als das sehen, was er ist: Der großartigste Gott, dem wir alles zu verdanken haben.

  1. Gott lächelt, wenn wir unsere Gaben und Talente einsetzen

Alles, was wir tun – außer natürlich Sünde – kann Gott Freude bereiten. Ob du unterrichtest, predigst, lernst, ein Auto reparierst, ein Lied schreibst… Wenn du deine Gaben versteckst, machst du Gott keine Ehre. Er hat dich so gemacht mit all deinen Talenten.

In Jesaja 45, 9 steht: Wehe dem, der seinen Schöpfer anklagt! Er ist doch in Gottes Augen nicht mehr als ein Tonkrug unter vielen anderen. Fragt denn ein Tonklumpen den Töpfer: »Was tust du da mit mir?«

Jedes Mal, wenn du etwas mit Freude tust, freut es auch Gott.

 

3.1.1 Reflexion

  • In welchen Bereichen deines Lebens solltest du Gott mehr vertrauen?
  • In welchen Bereichen gehorchst du Gott nicht?

 

3.2 Hingabe ist das Herz der Anbetung

In unserer Kultur ist das Wort Hingabe äußerst belastet. Demut und Hingabe bedeuten, dass du ein Verlierer bist, kein Sieger. Gewinnen ist alles, demnach ist Hingabe nichts. Persönliche Hingabe nennt man auch Heiligung, das Kernthema der Charakterentwicklung. Für Gott ist es nicht genug, wenn wir uns mit 95% Hingabe zufriedengeben. Er will uns 100%.

Hingabe an Gott wird durch 3 Faktoren blockiert: Angst, Stolz, Missverständnisse

 

Angst: Kann ich Gott wirklich vertrauen? Nur die Liebe kann die Angst vertreiben. Er ist für dich gestorben, warum sollte er nicht alles andere für dich tun?

Wie sehr Gott uns liebt, beweist er uns damit, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. (Römer 5, 8)

 

Stolz: Uns Menschen fällt es äußerst schwer zuzugeben, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben. A.W. Tozer hat es gut auf den Punkt gebracht:

„Der Grund, warum einige immer noch kämpfen, immer noch suchen, immer noch nicht wirklich vorwärtskommen, liegt darin, dass sie noch nicht an das Ende ihrer Möglichkeiten gekommen sind. Wir versuchen immer noch, Befehle zu geben und Gott ins Handwerk zu fuschen.“ (Tozer)

Letztlich glauben wir Menschen, dass wir es besser wüssten als Gott. Und damit erheben wir uns über ihn.

 

Missverständnisse: Hingabe ist keine Ausrede für Resignation oder Faulheit. Hingabe bedeutet, sich mit seinem ganzen Leben Gott zu unterstellen. Daher ist Hingabe nichts für Feiglinge oder Fußabtreter. Hingabe bedeutet auch nicht, seine eigene Persönlichkeit aufzugeben. CS Lewis sagte: „Je mehr wir uns Gott hingeben, desto mehr finden wir zu uns selbst“.

Hingabe an Gott bedeutet, ihm zu gehorchen, auch wenn wir es nicht verstehen. Nicht jede Situation zu unserem eigenen Vorteil zu nutzen oder sich zu verteidigen, wenn wir kritisiert werden.

Jesus betete nicht: Herr, lass das mit den Kreuzigungsplänen. Er betete: Wenn es dein Wille ist, ändere den Plan – aber dein Wille geschehe.

 

 

3.3 Werde Gottes bester Freund

 

Im Garten Eden gab es keine Veranstaltungen. Adam und Eva hatten einfach eine freundschaftliche Beziehung zu Gott. Sie unterhielten sich mit ihm, wenn er vorbei kam und verbrachten Zeit mit ihm. Das ist Gottes Idealbild von Beziehung. David wird als der Mann nach dem Herzen Gottes beschrieben. Er verbrachte viel Zeit damit, sich mit Gott zu unterhalten, während er seine Schafe hütete. Sein Vertrauen in seinen Freund war so groß, dass er ohne Schutz auf einen 3-Meter-Mann losging, bewaffnet mit einer Steinschleuder.

Oft denken wir, wir müssten uns eine Auszeit nehmen, um mit Gott ins Gespräch zu kommen. Natürlich spricht nichts gegen eine Auszeit, aber eigentlich sollten wir lernen, den ganzen Tag über mit Gott zu reden. In der Tradition der katholischen Kirche gibt es das Stundengebet, das die Priester daran erinnert, ständig im Kontakt mit Gott zu bleiben. Die modernere Variante sind Armbänder, die man so einstellen kann, dass die einen alle 10 min oder alle Stunde daran erinnern, Gott zu danken.

Es ist unmöglich, Gottes Freund zu sein, wenn du dich nicht mit ihm unterhältst. Und dabei sollte die Unterhaltung nicht einseitig sein. Denk mal darüber nach, wie oft du schon Jesus gefragt hast, wie er sich fühlt? Oder wie er mit einer Krise umgeht? Oder ob du ihm zuhören könntest? Meist machen wir das gar nicht. Freunde aber schon!

Alle, die den Herrn ernst nehmen, zieht er ins Vertrauen und enthüllt ihnen das Geheimnis seines Bundes. (Psalm 25, 14)

 

3.3.1 Reflexion

  • Wie kann ich mich selbst erinnern, während des Tages mehr mit Gott zu reden?
  • Was hält mich von wahrer Hingabe ab? Stolz, Angst, Missverständnisse?

 

Hier ein paar Tipps:

  1. Entscheide dich, Gott gegenüber ehrlich zu sein

Auch was deine innersten Gefühle betrifft, solltest du Gott gegenüber keine Geheimnisse haben. Sprich über alles mit ihm, egal was du fühlst.

  1. Entscheide dich, Gott zu gehorchen

Wenn er ein Gott der Liebe ist, dann dürfte uns das nicht schwerfallen.

  1. Wertschätze das, was Gott wertschätzt

Bill Willson, der Gründer und langjähriger Leiter der Metro Church in New York, sagte in seinen Vorträgen immer: Bittet Gott um folgendes: „Herr, lass mein Herz brechen mit den Dingen, die dein Herz brechen!“

Nichts ist wichtiger, als deine Beziehung zu Gott.

Es gibt 9 verschiedene Wege, wie wir Gott am stärksten erleben. Finde heraus, welcher Weg der deine ist

  1. Der Naturtyp
  2. Der Traditionalist
  3. Der Asket
  4. Der Aktivist
  5. Der Fürsorgliche
  6. Der Enthusiast
  7. Der Kontemplative
  8. Der Intellektuelle

 

3.4 Wenn Gott weit entfernt scheint

 

Gott ist immer da, egal wie du dich fühlst. Mutter Theresa beschreibt in ihrem Buch „Komm, sei mein Licht“ die schwierige Zeit, als sie nichts mehr von Gott hörte. Diese Wüstenzeit dauerte Jahrzehntelang. Trotzdem blieb sie Jesus immer treu.

Die höchste Stufe der Beziehung zu Gott erreichst du, wenn du auch noch in schwierigen Situationen und Leid ihn ehrlich anbeten kannst.

Jeder Christ macht solche Phasen durch. Hiob wird immer als das Paradebeispiel der Bibel angeführt.

Ich kann nach Osten gehn, dort ist Gott nicht; und auch im Westen ist er nicht zu finden. Ist er im Norden tätig, seh ich’s nicht; versteckt er sich im Süden, weiß ich’s nicht. Doch mein Weg ist ihm lange schon bekannt; wenn er mich prüft, dann bin ich rein wie Gold. (Hiob 28, 8-10)

Wenn Gott weit entfernt scheint, dann fragen wir uns oft, ob es unsere Schuld ist. Haben wir etwas verbrochen? Eine schwere Sünde begangen? Meist ist dies nicht der Fall. Meist ist dies eine Prüfung für unseren Glauben. Und wir müssen sie bestehen. Vertrauen und lieben wir ihn, auch wenn wir ihn nicht hören, spüren und auch kein Zeichen dafür entdecken, dass er am Werk ist?

 

Sag Gott, was du fühlst. Sprich mit ihm, auch wenn er nicht antwortet. Lade deine Gefühle bei ihm ab. Jakob war auf dem Weg zurück zu seinem Stamm und seinem Bruder Esau, als er dem Engel des Herrn begegnete. Er kämpfte mit ihm und ließ nicht los bis der Engel ihn segnete. Wenn du in einer schweren Zeit steckst, dich mit großem Leid rumschlägst, dann darfst du als Freund Gottes auch mit ihm streiten. Sag ihm, wie es dir geht. Sprich auch über deine Enttäuschungen, nur so kannst du eine ehrlich Beziehung zu Gott führen.

 

Vertraue ihm, dass er unveränderlich ist. Sammle die Dinge, die du selbst bereits schon erlebt hast mit ihm und die Dinge, die die Menschen der Bibel erlebt haben. Scheibe sie dir auf und vergewissere dich, dass du sie nicht vergisst.

Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen. (Hebräer 13, 5)

 

3.5 Anwendung

 

Inwiefern beeinflussen die verschiedenen Typen die Arbeit in der Gemeinde?

Lese dazu Christian A. Schwarz: Die 3 Farben der Spiritualität

 

 

4.    Zweites Lebensziel: Du wurdest als Teil von Gottes Familie erschaffen

 

Gemeinsam bilden wir alle den Leib von Christus, und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen. (Römer 12, 5)

Wir sind dazu gedacht, ein Teil von Gottes Familie zu sein. Für Gott sind Beziehungen sehr wichtig, er braucht keine Familie, er wünscht sich eine. Daher hat er beim Volk Gottes gewohnt und später durch die Jünger die Gemeinde gegründet. Die Christen sind durch die Zugehörigkeit zu Gott, dem Vater, zu Brüdern und Schwestern geworden. Wir sind eine geistliche Familie.

Durch die biologische Geburt wirst du Kind deiner Familie, durch die geistliche Geburt wird zu Kind Gottes. Und dadurch bist du, so wie auch im weltlichen Sinne, Erbe. So beschreibt es Paulus im Galaterbrief: Und als Kinder Gottes seid ihr auch seine Erben, denen alles gehört, was Gott versprochen hat“ (Galater 4, 7).

Was bedeutet dieses Erbe genau? Erstens werden wir die Ewigkeit mit Gott verbringen. Zweitens werden wir Jesus ähnlicher werden. Drittens werden wir von Tod, Leid, Schmerz befreit. Viertens werden wir belohnt und in verschiedene Positionen eingesetzt werden. Fünftens werden wir die Herrlichkeit Gottes mit ihm teilen.

 

4.1 Was wirklich zählt

Paulus schreibt im Korintherbrief: „Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für meinen Glauben das Leben opfere, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir gar nichts.“ (1. Korinther 13, 3) Wir müssen voraussetzen, dass Paulus Recht hat. Somit ist alles noch so Heilige und Aufopfernde in unserem Leben nichts wert, wenn nicht die Liebe darüber steht. Damit wird die Liebe zum bedeutendsten Aspekt unseres ganzen Lebens.

In den 10 Geboten beschäftigen sich 6 mit Beziehungen. Das, laut Jesus, wichtigste Gebot beschäftigt sich zu 100% mit Beziehungen. Und am Kreuz sprach Jesus ebenfalls nur noch über Beziehungen.

Ein Leben ohne Liebe ist wertlos.

Spiegelt unser Terminkalender das wider? Wie steht es mit einem Besuch bei Oma? Oder bei der alleinstehenden Tante? Wieviel „Einfach-Nur-So-Zeit“ verbringen wir mit unseren Kindern oder Eltern? Nehmen wir uns Zeit für unsere Freunde? Und nehmen wir uns Zeit für Menschen, die niemanden haben, der sie liebt?

Liebe hinterlässt ein Vermächtnis. Unser Umgang mit Menschen wird einen größeren Eindruck hinterlassen als unser besitz oder unsere Leistungen. Mutter Theresa traf es auf den Punkt: „Es kommt nicht darauf an, was du tust, sondern mit wieviel Liebe du es tust!“ Kein einziger Mensch auf seinem Sterbebett fragt nach seinen Diplomen oder den Aktienportfolios. Sie wollen Menschen sehen. Menschen, die sie lieben. In diesem Moment verstehen wir, was wirklich zählt.

Wenn wir unseren Lebensweg auf der Erde beendet haben, werden wir vor dem Thron Gottes stehen und es wird uns niemand nach Karriereerfolgen, Kontoumsätzen, Besitztümern oder Social Media Followern fragen. Es wird einzig und allein um unseren „Liebespegel“ gehen.

Wo Menschen mit Jesus Christus verbunden sind, zählt […] nur der vertrauende Glaube, der sich in tätiger Liebe auswirkt. (Galater 5, 6)

 

4.1.1 Das größte Zeichen von Liebe ist Zeit

Wenn du wissen willst, was einem Menschen wirklich wichtig ist, dann schaue dir an, womit er seine Zeit verbringt. Beziehungen kosten Zeit und Mühe!

Zeit ist dein wertvollstes Geschenk, denn das hast du nur begrenzt zur Verfügung. Du kannst zwar mehr Geld verdienen, aber nicht mehr Zeit.

Wann immer du etwas von deiner Zeit gibst, gibst du ein Opfer, und genau darum geht es bei Liebe. Du kannst geben, ohne zu lieben, aber du kannst nicht lieben, ohne zu geben.

Und bei der Frage, wie und wann du das machen sollst, Zeit schenken, bedenke: Du weißt nicht, ob es dir morgen noch möglich ist. Menschen sterben, Kinder werden erwachsen. Nutze die Zeit, um Liebe zu schenken! Du solltest nicht enden wie Millionen von Menschen, die es im Alter bereuen, keine Zeit für ihre Liebsten und für Freunde gehabt zu haben.

 

4.1.2 Reflexion

  • Haben Beziehungen für mich oberste Priorität?
  • Womit verbringe ich die Zeit? Womit verbringe ich meine Freizeit?

 

4.2 Ein Ort, an dem man dazugehört

Im Epheserbrief schreibt Paulus, dass wir nun nicht mehr Fremde sind, sondern Bürger im Volk Gottes, und damit Teil seiner Familie (vgl. Epheser 2, 19). Wir sind für die Gemeinschaft mit anderen berufen. Bereits im 2. Kapitel der Bibel sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (1. Mose, 2, 18) Und auch wenn es in der Geschichte immer wieder Projekte von Einsiedlern gab, als Einzelkämpfer können wir nicht bestehen. Selbst die Einsiedler in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Israel haben sich immer schnell zu größeren „Siedlungen von Einsiedlern“ zusammengeschlossen.

C.S. Lewis sagt, dass das Wort Mitglied eigentlich aus dem christlichen Kontext entrissen wurde. Und zwar aus dem Zusammenhang, dass wir alle Glieder im Leib Christi sind. Mitglieder sind vielleicht in einem Fußballclub oder Fitnesscenter, oder sie bekommen Rabatte bei Zalando. Aber die Glieder im Leib Christi sind Teil des Körpers der gemeinde Gottes. Sie sind fest verbunden mit dem Leib.

Wenn du keiner Gemeinde angehörst und dort kein „lebendiges Glied am Leib“ bist, dann kannst du den Auftrag Gottes nicht wirklich umsetzen.

Bill Hybels hat es so formuliert: Die Gemeinde ist die Hoffnung für die Welt! (Hybels)

Auch wenn es immer wieder Probleme in der Gemeinde Gottes gibt, und auch wenn ich viele Menschen kennen, die von der Gemeinde enttäuscht sind, es bleibt dabei: Die Gemeinde ist die Hoffnung für die Welt.

Was passiert, wenn ein Körperteil vom Körper getrennt wird? Es stirbt, und zwar ziemlich schnell. Gott hat nicht umsonst dieses Bild von der Gemeinde gezeichnet, das war auch kein Versehen. Er wollte uns klar machen, dass wir ohne eine feste Gemeinde nicht existieren können als Christ.

Ein erstes Symptom ist der unregelmäßige Gottesdienstbesuch. Leider sind unendlich viele Christen gut und engagiert gestartet, doch dann hat ihr Alltag seinen Tribut gefordert. Es ist mühsam, am Sonntagmorgen in einen Gottesdienst zu gehen. Da will man ausschlafen oder einen Ausflug machen. Und Sonntagabend, das ist so mitten am Tag. Da kann ich den Sonntag ja gar nicht mehr nutzen!

Jesus liebt die Gemeinde Gottes so sehr, dass er sie als seine Braut bezeichnet. Und für diese Braut ist er ans Kreuz gegangen.

Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat! Er hat sein Leben für sie gegeben. (Epheser 5, 25)

Wenn du glaubst, du brauchst die Gemeinde Gottes nicht, dann bist du entweder arrogant oder ignorant. Wenn Jesus selbst die Gemeinde Gottes gegründet hat, wer sind wir, zu sagen, dass wir sie nicht brauchen?

Jesus sagt: „Und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Matthäus 16,18)

Dabei macht Jesus natürlich keine Aussage über den Style der Gemeinde. Hier ist egal, welche christliche Denomination du wählst, und auch, ob es sich um eine Hauskirche oder Mega-Church handelt. Wichtig ist, dass Jesus der Herr dieser Gemeinde ist.

 

4.2.1 Die Ortsgemeinde

Biblisch gesehen sind alle Christen auch Mitglieder in einer Gemeinde. Einzig die vorrübergehend Ausgestoßenen waren zeitweise ohne Gemeinde.

Das Problem unser heutigen Zeit ist der unabhängige Individualismus. Das Wandern von einer Gemeinde zur Nächsten, immer gerade so, wie es mir im Moment passt, entspricht nicht dem biblischen Gemeindebild. Diese Wanderer wollen weder eine Verpflichtung noch eine Verantwortung. D.h. sie lehnen alle Herausforderungen ab, auch in schwierigen Zeiten zu der Kirche zu stehen und sich persönlich verbindlich einzubringen, damit die Botschaft verbreitet wird.

 

4.2.2 Gründe, warum wir eine Gemeindefamilie brauchen:

  1. Die Gemeindefamilie kennzeichnet dich als echten Christen

Jesus sagt im Johannesevangelium, dass man seine Jünger daran erkennen wird, dass wir einander lieben. Wie soll das gehen ohne Gemeinde? Und ohne Probleme?

  1. Die Gemeinde hilft dir aus deiner Isolation heraus

In der Gemeinde lernst du, mit anderen Menschen zurechtzukommen. Nervige Leute im Bus oder bei der Arbeit kannst du vielleicht ignorieren, nicht aber in der Gemeinde. Dort hast du Kontakt zu ganz normalen unvollkommenen Christen. Und eigentlich sollst du für diese Leute dein Leben geben. (1. Johannes 3, 16)

  1. Die Gemeinde hilft dir, geistlich stärker zu werden

Es ist einfach, ein heiliges Leben zu führen, wenn du keine Menschen um dich herum hast, die dich herausfordern … und nerven! Die „Einander-Sätze“ gibt es über 50 mal in der Bibel: Wir sollen einander lieben, einander dienen, einander helfen, füreinander beten, einander ermahnen….

  1. Der Leib Christi braucht dich

Der Kinderdienst ist immer ein gutes Beispiel. Familien würden gerne zum Gottesdienst kommen. Aber das können sie nur, wenn ein Kinderdienst angeboten wird. Und dieser sollte möglichst auch so sein, dass die Kinder Spaß haben und Jesus kennenlernen. Wie soll das gehen, wenn es nur einen Pastor gibt? Je größer die Gemeinde, desto mehr Kinder, desto mehr Kinderdienst-Mitarbeiter. In der Gemeinde kannst du deine Gaben einbringen und damit die Gemeinde Gottes aufbauen, egal ob du Musik machen kannst, dich mit Buchführung auskennst oder das Waschbecken reparieren kannst.

  1. Die Gemeinde hilft dir, nicht von Gott abzufallen

Als Pastoren führt man unendlich viele Seelsorge-Gespräche. Dort hörst du z.B., dass ein Familienvater mit Pornographie zu kämpfen hat. Durch seine Offenheit hast du die Möglichkeit, mit ihm eine Vereinbarung zu treffen: Ruf mich an, wenn die Versuchung wiederkommt. Oder: sag mir nächsten Sonntag, wie es auf der Dienstreise gelaufen ist.

 

4.2.3 Reflexion

  1. Wie erlebe ich meine Gemeinde?
  2. Welche Verantwortung habe ich dort?
  3. Bin ich eher ein Besucher oder ein Mitglied?

 

4.2.4 Gemeinsam leben

Wir sollen unser Leben mit anderen teilen, echte Gemeinschaft haben. Das funktioniert nur, wenn die Gemeinschaft möglichst klein ist. Selbst in einer Mega-Church kann es einen Hauskreis geben.

Echte Gemeinschaft ermöglicht:

  • Authentizität
  • Gegenseitigkeit
  • Mitgefühl
  • Barmherzigkeit

An dieser echten Gemeinschaft musst du arbeiten, die entsteht nicht von selbst. Du musst Vertrauen aufbringen, sozusagen als Vorschuss, und du musst Vertrauen verdienen. Und wenn es zu Enttäuschungen, Verlusten, Verletzungen kommt, sind diese Freunde nötig, um dich vom Boden abzukratzen und wieder aufzubauen.

 

Dazu ist einiges nötig:

  1. Ehrlichkeit

Ehrlichkeit ist in zwei Richtungen wichtig: Zum einen musst du ehrlich über dich selbst sein. Eine Maske aufzuziehen ist nicht förderlich für echte Gemeinschaft. Zum zweiten ist es wichtig, anderen ehrlich zu sagen, was gesagt werden muss. Wenn jemand auf einem schlechten Weg ist, dann ist es besser, ihn darauf anzusprechen, als dass derjenige abstürzt. Viele Gemeinden sind leider an einem Mangel an Ehrlichkeit zerbrochen.

  1. Demut

Egoismus und Stolz zerstören Gemeinschaft. Demut dagegen baut Gemeinschaft auf.

  1. Freundlichkeit

Freundlichkeit bedeutet, Unterschiede zu respektieren, und die Gefühle des anderen im Blick zu haben.

  1. Vertrauen

Menschen spüren sofort, ob sie in einer Atmosphäre von Vertrauen und Annahme sind oder nicht. Eine vertrauensvolle Atmosphäre hilft Menschen sich zu öffnen, Verletzungen, Fehler und Nöte offenzulegen.

  1. Regelmäßigkeit

Du brauchst Regelmäßigkeit und Zeit, um gute Beziehungen aufzubauen. Echte Gemeinschaft bedeutet, sich in eine gegenseitige gesunde Abhängigkeit zu begeben.

 

4.3 Zerbrochene Beziehungen heilen

Jesus sagte: Glücklich sind die, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. (Matthäus 5, 9). Hier steht nicht: Du musst um alles in der Welt Frieden halten.

Frieden stiften bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden. Und es bedeutet auch nicht, immer nur Zugeständnisse zu machen. Jesus selbst ist in verschiedene Konflikte hineingegangen und hat klar konfrontiert. Frieden um jeden Preis ist nicht das, was wir in der Bibel sehen.

Wenn du zerbrochene Beziehungen heilen willst, solltest du als erstes zu Jesus gehen. Kläre das Problem mit ihm und sei offen für das, was er dir sagt. Dann übernimm die Initiative und geh auf den Konfliktpartner zu. Oft ist die Aussprache weniger schlimm, als die Angst zuvor. In einem Konfliktfall ist es außerdem sinnvoll, zuzuhören und auch eigene Fehler einzugestehen. Ein typischer Fehler im Konflikt ist, dass man die Person angreift und nicht das Problem. Eine Lösung ist dann immer schnell in weite Ferne gerückt. Konzentriere dich auf das Problem. Vielleicht kannst du sogar positive Sachen über die Person sagen. Schließlich solltest du dich auf Versöhnung konzentrieren. Vielleicht gibt es keine Lösung, aber Versöhnung.

 

4.3.1 Reflexion

  • Welche zerbrochenen Beziehungen muss ich in Angriff nehmen?
  • Mache dir einen Plan, wie du vorgehen willst.

 

4.4 Schütze deine Gemeinde

Der Satan hat es in erster Linie auf die Gemeinde Gottes abgesehen, sie ist die Braut Christi und sein größter Schatz. Einzelne Menschen interessieren ihn zwar auch, aber den eigentlichen Coup schafft er, wenn er eine Gemeinde zerstört. Zu viele Fälle von zerbrochenen Gemeinden gab es in den letzten Jahrzehnten. Offenbar lassen sich Christen schneller darauf ein, einander zu bekämpfen, wenn es kein großes Feindbild von außen mehr gibt.

Leute, die außerhalb stehen, sind oft wie Zuschauer, die die Spieler auf dem Feld kritisieren. Die Leute auf dem Spielfeld haben meist gar nicht die Zeit, einander zu beurteilen. Sie geben ihr Bestes, was sicher nicht immer frei von Fehlern ist. Lerne, erst zu ermutigen, bevor du etwas Negatives sagst. Bill Hybels hat einmal in seiner gemeinde ausgegeben, dass erst 10 gute Sachen gesagt werden müssen, bevor man seine Kritik äußerst. Daraufhin hat sich der Level kritischer Aussagen gegen Null gewandt, weil es gar nicht so einfach war, 10 positive Dinge zu finden. Und hatte man sie gefunden, hatte man die Kritik vergessen.

Verweigere Klatsch und Tratsch in der Gemeinde. Menschen, die dir Gerüchte „anvertrauen“, werden auch Gerüchte über dich erzählen. Eine traurige Tatsache ist, dass der Gemeinde Gottes mehr Schaden innerhalb zugefügt wird als von außen. Sei du das Ende jeden Tratsches. Hör auf, Dinge weiterzuerzählen.

Unterstütze deine Leiter. Sie sind der Kopf, den der Teufel immer als erstes abschlagen will. Außerdem stehen sie vor der unmöglichen Aufgabe, alle glücklich machen zu müssen.

 

4.5 Anwendung

 

Als Pastor wirst du viele Angriffe verarbeiten müssen. Hast du hier schon Erfahrungen gemacht?

Was kannst du tun, damit deine Gemeinde ein Ort ist, an dem jeder sofort Gottes Liebe spürt?

Wie kannst du dir als Leiter eine Gruppe aufbauen, in der du sein kann, wie du bist (Gruppe der glücklichen Wenigen – Shakespeare)

 

 

5       Drittes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, Jesus ähnlicher zu werden

 

5.1 Jesus ähnlicher werden

Du wurdest geschaffen, um Jesus ähnlicher zu werden. Das war von Anbeginn der Schöpfung das Ziel. Deswegen hat Gott den Menschen auch in seinem Ebenbild geschaffen.

Sie alle, die Gott im Voraus ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist. (Römer 8, 29)

Dies bedeutet jetzt nicht, dass wir wie Gott sein werden. Es bedeutet, dass wir nach seinem Vorbild geschaffen wurden als geistige Wesen mit moralischem Bewusstsein. Allerdings wollen wir ständig wie Gott sein, das ist die Ursünde des Satans. Jedes Mal, wenn wir die Welt um uns herum kontrollieren oder manipulieren (z.B. durch Lüge) wollen, dann wollen wir wie Gott sein.

Aber das Ziel des Menschen auf dieser Erde ist nicht, alles zu bekommen und ein bequemes Leben zu führen. Das Ziel Gottes mit dir auf dieser Erde ist deine Charakterentwicklung. Deswegen ist dieser Kurs auch so enorm wichtig.

Wenn wir den Vers in Johannes 10, 10 lesen, verstehen wir das meist falsch. Dort steht: Wir sollen „Leben in Fülle“ haben. Jedoch nicht ein Leben voller Wohlstand und Gesundheit und ohne jegliche Probleme. Das ist der Himmel, den bekommen wir, wenn wir dort sind. Wenn wir von Gott diese Dinge so erwarten, dann ist er für uns wie ein Flaschengeist, dann wollen wir, dass er unsere Wünsche erfüllt. Aber das ist er nicht, ein Flaschengeist oder ein Automat. Gott soll nicht unser Diener sein.

Du lebst, um Gottes Ziele zu verwirklichen, nicht umgekehrt. Und dabei setzt Gehorsam Gottes Kraft frei. Gerade dann, wenn wir Angst haben oder unsicher sind, sollten wir immer das Richtige tun.

Allem bin ich gewachsen durch den, der mich stark macht. (Philipper 4, 13)

Unsere Aufgabe in dem Prozess, Jesus ähnlicher zu werden, besteht aus 3 Schritten:

  1. Wir müssen unsere alten Verhaltensmuster ablegen

Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. (Epheser 4, 22)

  1. Lasst eure Denkweise von Gott verändern

Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist. (Epheser 4, 23)

  1. Zieh den neuen Menschen an, in dem du dir neue heilige Gewohnheiten aneignest

Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat und der gerecht und heilig lebt aus der Wahrheit Gottes, an der nichts trügerisch ist. (Epheser 4, 24)

 

5.1.1 Reflexion

  • In welchem Bereich meines Lebens brauche ich die Kraft des Heiligen Geistes, um Jesus ähnlicher zu werden?
  • Welche heiligen Gewohnheiten könnte ich aufbauen, die schlechte Gewohnheiten ersetzen?

 

5.2 Wie wir wachsen

Der Prozess, in dem wir Jesus ähnlicher werden, heißt „Jüngerschaft“. Es gibt eine Reihe von Jüngerschaftsschulen, zum Beispiel Jugend mit einer Mission. Genaugenommen ist THS ebenfalls eine Jüngerschaftsschule. Leider werden die meisten Christen zwar älter, aber nicht reifer. Das Problem hatte bereits Paulus mit den Korinthern!

Geistliches Wachstum kommt nicht einfach von Himmel gefallen. Dazu musst du es erst einmal wollen und eine Entscheidung dafür treffen. Dann musst du dich bemühen zu wachsen und schließlich – das schwierigste – durchhalten!

Diese Entscheidung musst du immer wieder treffen.

 

5.2.1 Gottes Beitrag und dein Beitrag

WWJD ist eine Bewegung unter Christen. What would Jesus do?-Armbänder am Handgelenk sollen einen daran erinnern, bei allen Entscheidungen zu überlegen, was Jesus tun würde. Wenn du es damit ernst meinst, dann wird dies Konsequenzen in deinem Leben haben. Doch du stehst nicht alleine da, der Heilige Geist wird dir dabei helfen.

Und doch ist es Gott allein, der beides in euch bewirkt: Er schenkt euch den Willen und die Kraft, ihn auch so auszuführen, wie es ihm gefällt. (Philipper 2, 13)

Gott bewirkt durch den Heiligen Geist beides in uns: das Wollen und anschließend die Umsetzung.

Dein Beitrag besteht nun darin, den Autopiloten deines Lebens neu zu programmieren. Letztlich entspringt jede Tat deinen Gedanken. Wenn du also den Autopiloten ändern willst, dann verändere dein Denken. Geistliches Wachstum fängt immer mit der Erneuerung des Denkens an. Veränderung beginnt im Kopf. Dein Denken bestimmt dein Fühlen, und dein Fühlen bestimmt dein Handeln.

Die Bibel sagt, dass selbstsüchtiges Denken die Quelle für selbstsüchtiges Verhalten ist. Wenn du also reif und erwachsen denken willst, dann höre damit auf, dich auf dich selbst zu konzentrieren.

Der zweite Schritt ist, Lügen mit Wahrheit zu ersetzen. Die Bibel ist keine Sammlung von Gesetzen, die verändert Leben. Sie bringt Veränderung hervor, setzt Kräfte frei, reinigt unsere Gedanken, besiegt Versuchung….

Akzeptiere das Wort Gottes als Autorität und mach sie zum Teil deines Lebens:

  1. Akzeptiere das Wort Gottes mit offenem Herzen
  2. Lies das Wort Gottes
  3. Studiere die Bibel
  4. Lerne Bibelstellen auswendig
  5. Denke über das Wort Gottes nach

Dwight L. Moody hat gesagt: „Die Bibel wurde uns nicht gegeben, um unser Wissen zu vermehren, sondern um unser Leben zu verändern.

 

5.3 Verändert durch Probleme

Gott nutzt jedes Problem, um seine Absichten zu verfolgen. Er gebraucht die Umstände, um unseren Charakter zu formen. Die intensivsten Erfahrungen mit Gott machst du in den dunkelsten Stunden deines Lebens. Im Schmerz ist kein Platz für oberflächliche Gebete. Und genau dann sind wir gezwungen, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht mehr auf uns selbst.

Du wirst verstehen, dass Gott alles ist, was du brauchst, wenn Gott alles ist, was du hast!

Gott filtert die Dinge, die uns zustoßen. Er ist zwar nicht der Ursprung der Probleme, aber er nutzt sie zum Guten.

Was auch geschieht, das eine wissen wir: Für die, die Gott lieben, muss alles zu ihrem Heil dienen. Es sind die Menschen, die er nach seinem freien Entschluss berufen hat. Sie alle, die Gott im Voraus ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist. (Römer 8, 28-29)

Diese Verse bedeuten nicht: Wer Gott liebt, bei dem läuft alles so, wie er es sich vorstellt. Oder: Wer Gott liebt, bei dem gibt es immer ein Happy End.

Dies bedeutet, dass Gott alles im Blick hat, deine Geschichte, deine Verletzungen, deine Fehler. So wie die einzelnen Bestandteile eines Kuchen schrecklich schmecken, der Kuchen aber ganz wunderbar, so setzt Jesus auch unser Leben zusammen aus allen möglich Einzelteilen. Und alles zusammen nutzt Gott, um etwas Gutes darauf zu machen.

Wir werden wie Edelsteine mit einem Hammer behauen, und wenn der kleine Hammer nicht ausreicht, dann muss der große Hammer her.

Außerdem müssen wir uns die Frage stellen, warum Gott uns die Dinge ersparen sollte, die er nicht einmal seinem Sohn erspart hat. Jedes Problem ist eine Gelegenheit, unseren Charakter zu formen, und das in der Weise, dass es nicht wieder verloren geht und wir dauerhaft Jesus ähnlicher werden. Die Frage ist: Wie reagierst du auf die Probleme, die deinen Charakter schulen sollen? Viele Menschen sind voll Bitterkeit, anstatt an den Schwierigkeiten zu reifen.

Josef wurde von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft. Er hätte allen Grund gehabt, bitter zu werden. Stattdessen hat er immer auf Gott geschaut, so dass er schließlich den Brüdern im Frieden gegenüber treten und damit sein ganzes Volk vor dem Hungertod retten konnte.

Ihr hattet Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet; denn er wollte auf diese Weise vielen Menschen das Leben retten. Das war sein Plan, und so ist es geschehen. (1. Mose 50, 20)

Für uns Menschen ist es lebenswichtig, unseren Blick vom Schmerz weg auf Jesus zu richten.

Corrie ten Boom, die holländische Freiheitskämpferin, die wegen des Verstecks von Juden im KZ war, sagte: „Wenn Sie auf die Welt schauen, verzweifeln Sie. Wenn Sie auf sich selbst schauen, werden Sie depressiv. Aber wenn Sie auf Jesus schauen, werden Sie Ruhe finden.“

Das Geheimnis des Durchhaltens besteht darin, dass man sich an die Schmerzen später nicht mehr erinnert, aber die Belohnung von ewiger Dauer sein wird. Oder wie es Paulus im Römerbrief ausdrückt:

Ich bin überzeugt: Was wir in der gegenwärtigen Zeit noch leiden müssen, fällt überhaupt nicht ins Gewicht im Vergleich mit der Herrlichkeit, die Gott uns zugedacht hat und die er in der Zukunft offenbar machen wird. (Römer 8, 18)

Das heißt nicht, dass wir uns über die Schmerzen und das Leid freuen sollen, und dafür müssen wir auch nicht dankbar sein. Aber wir können uns darüber freuen, dass Gott Gutes aus allem macht.

Charakterentwicklung ist ein langwieriger Prozess. Wenn wir versuchen, die Schwierigkeiten zu umgehen, dann wird die nächste Runde nur noch schwieriger.

 

5.3.1 Reflexion

  • Welche Schwierigkeiten haben ein großes Wachstum ausgelöst?
  • Wolltest du schon mal Probleme umgehen, die anschließend schwieriger waren als zuvor?

 

5.4 Wachsen durch Versuchungen

Jede Versuchung stellt eine Gelegenheit dar, das Richtige zu tun. Versuchungen an sich sind nichts Schlimmes. Jesus selbst wurde versucht. Von Gottes Perspektive ist eine Versuchung ein Stufe nach oben und nicht ein Stolperstein. Natürlich will der Teufel uns durch Versuchungen zerstören, aber wie alles Negative, benutzt es Gott, um uns wachsen zu lassen. Letztlich ist Charakterentwicklung immer eine Frage der Entscheidung, in einer Versuchung musst du eine treffen.

Wahren Frieden schenkt Gott nicht, in dem immer alles so läuft, wie es uns gefällt. Wahren Frieden finden wir in der Krise, im Chaos, in der Verzweiflung. Dabei ist wahrer Frieden von Glücksgefühlen zu unterscheiden.

Versuchungen laufen immer nach einem bestimmten Schema ab.

  1. Sehnsucht: Der Teufel entdeckt eine Sehnsucht in dir, z.B. nach Rache oder geliebt zu werden.
  2. Zweifel: Er säht Zweifel in dir. „Ist es wirklich falsch? Will Gott nicht, dass ich glücklich bin?“
  3. Täuschung: Der Vater der Lüge belügt dich. „Das wird niemand merken. Es wird dein Problem lösen. Das tut doch jeder.“
  4. Ungehorsam: Du setzt schließlich die vorherigen Gedanken in die Tat um.

 

5.4.1 Wie kannst du nun reagieren, wenn dich Versuchung trifft?

  1. Lass dich nicht einschüchtern

Du darfst nicht denken, du seist ein schlechter Christ, weil die Versuchung dich trifft. Eigentlich ist es sogar ein Ritterschlag, denn der Teufel versucht nur jene, die ihm gefährlich werden können. Es ist keine Sünde, auf die Probe gestellt zu werden, das wurde sogar Jesus. Sei nicht erschrocken darüber oder enttäuscht von dir selbst. Je stärker dein Glaube an Jesus ist, desto mehr versucht der Teufel, dich von ihm wegzubringen.

  1. Erkenne das Muster und bereite dich darauf vor

Es gibt Situationen, in denen du anfälliger bist für Versuchungen als andere. Darüber hinaus hast du Schwachstellen, wie jeder Mensch. Überlege, wann dich die Versuchungen am häufigsten treffen. Gibt es einen Tag in der Woche oder eine Uhrzeit oder ein Umfeld? Und gibt es jemanden, der dich am häufigsten in Versuchung führt? Kollegen, Familienmitglieder, Freunde? Gibt es außerdem einen speziellen Ort? Zu hause, bei der Arbeit, im Laden? Und wie fühlst du dich bei einer Versuchung? Bist du müde, genervt, erschöpft, gelangweilt (wie König David)? Mach dir diese Dinge bewusst!

  1. Bitte Gott um Hilfe

Wenn eine Versuchung daher kommt, hast du keine Zeit für lange Gebete. Schrei zu Gott! „Hilfe, ich brauch dich!“ Vielleicht schämst du dich, Gott um Hilfe zu bitten, aber das gehört zu Punkt 1. Gott nutzt Versuchungen dafür, dass wir in der Abhängigkeit zu Gott bleiben!

 

5.4.1.1 Reflexion:

  • Mit welchen Versuchungen habe ich zu kämpfen? Wann, wie, wo?
  • Welche Charaktereigenschaften will Jesus wohl in mir wachsen lassen?

 

5.4.2 Versuchung bestehen

Es gibt immer einen Ausweg, Gott lässt keine Versuchung zu, die du nicht überwinden kannst.

  1. Konzentriere dich auf etwas anderes

Nirgendwo in der Bibel wird erklärt, wie wir Versuchungen überwinden können. Wir sollen dem Teufel widerstehen, das sagt Jakobus:

Deshalb ordnet euch Gott unter! Leistet dem Teufel Widerstand, und er wird vor euch fliehen. (Jakobus 4, 7)

Der Kampf gegen die Sünde wird in deinen Gedanken gewonnen. Konzentriere dich auf etwas anderes. Hast du schon mal vor dem Fernseher gesessen und plötzlich Heißhunger auf das bekommen, was die im Fernsehen gerade essen? Oder wenn dein Gegenüber gähnt, dann wirst du das auch tun. Es sind die sogenannten Spiegelhormone, die in uns bewirken, dass wir das nachahmen, auf was wir uns konzentrieren. Versuchung beginnt damit, dass sie deine Aufmerksamkeit bekommt. Ignoriere sie. Wenn sie anruft, streite nicht mit ihr, leg einfach auf.

Mehr als alles andere, achte auf deine Gedanken! (Sprichwörter 4, 23)

  1. Erzähle einem guten Freund von deinen Problemen

Du brauchst jemanden, der dich ermutigt, der für dich betet, der dir hilft. Verheimliche nichts, lege offen. Was im Licht ist, kann dich nicht mehr zerstören. Der Teufel redet uns ein, wir seien die einzigen mit Problemen, doch das ist eine Lüge. Paulus trifft den Nagel auf den Kopf: Alle sind Sünder (Römer 3, 23). Sprich über alles, wenn du es nicht tust, überlässt du dem Problem die Kontrolle über dich.

  1. Leiste dem Teufel Widerstand

In Epheser beschreibt Paulus die Waffenrüstung Gottes. Leg sie bewusst jeden Tag neu an.

Darum greift zu den Waffen Gottes! Wenn dann der schlimme Tag kommt, könnt ihr Widerstand leisten, jeden Feind niederkämpfen und siegreich das Feld behaupten. Seid also bereit! Legt die Wahrheit als Gürtel um und die Gerechtigkeit als Panzer an. Bekleidet euch an den Füßen mit der Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden mit Gott zu verkünden. Vor allem haltet das Vertrauen auf Gott als Schild vor euch, mit dem ihr alle Brandpfeile des Satans abfangen könnt. Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt. (Epheser 6, 13-17)

Wenn du an Jesus glaubst, kann der Satan dich zu nichts zwingen. Er kann nur versuchen, dir etwas einreden.

  1. Sei dir dessen bewusst, wie verwundbar du bist

Denk niemals, du stündest über der Versuchung. Sei wachsam.

 

5.5 Charakterentwicklung braucht Zeit

Aus Gottes Sicht wird unsere Charakterentwicklung im Licht der Ewigkeit betrachtet. Er hat Zeit, für Gott gibt es keine Notwendigkeit, zu hetzen. Ungeduld ist unsere Schwäche, nicht die von Gott. So wie man das Wachsen eines Kindes nicht beschleunigen kann, braucht es auch die vorgegebene Zeit für die Charakterreife, und diese Zeit hat Gott auf dein komplettes Leben angesetzt.

Die Gründe für die lange Dauer der Reifeentwicklung sind zum einen, dass wir als Menschen nur langsam nachhaltig lernen. Wir müssen etwas 40- bis 50-mal wiederholen, um es in der Tiefe zu begreifen. Wir müssen Ängste ablegen, die Bereitschaft entwickeln, Veränderungen und Verluste in Kauf zu nehmen und es müssen neue Gewohnheiten gebildet werden.

Gott arbeitet an uns, auch wenn wir es nicht merken. Es ist immer gut, für ein Wunder zu beten, doch sollte die Enttäuschung nicht zu groß sein, wenn Gott eine schrittweise Veränderung für dich bevorzugt.

Denn was ich dir jetzt offenbare, wird nicht sofort eintreffen, sondern erst zur festgesetzten Zeit. Aber es wird sich ganz bestimmt erfüllen, darauf kannst du dich verlassen. Warte geduldig, selbst wenn es noch eine Weile dauert! (Habakuk 2, 3)

 

5.5.1 Reflexion

  • In welchen Bereichen meines Lebens kämpfe ich damit, dass sich meine Charakterentwicklung nicht so schnell eingestellt, wie gewünscht.

 

5.6 Anwendung

 

Versuchungen betreffen oft die 3 großen Bereiche Geld, Macht, Sex: Diskutiere

Wie kannst du den Bereich Sex/Ehe/Pornographie etc. in deiner Gemeinde und als Pastor so vorbereiten, dass es hier nicht zum Super Gau kommt.

 

 

6       Viertes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, um Gott zu dienen

 

Du lebst in dieser Welt, um einen Beitrag zu leisten. Mit deinem Studium hast du in dieser Hinsicht schon einen großen Schritt getan. Doch ist die Gefahr des vollzeitlichen Dienstes, dass man den Dienst für Gott mit dem Beruf verwechselt. Gott zu dienen impliziert, dass du ihm gehorchst und dorthin geht, wohin er dich berufen hat.

  1. Du wurdest erschaffen, um Gott zu dienen

Du hast mit deinem Leben einen ganz speziellen Auftrag, den nur du erfüllen kannst. Deswegen ist es wichtig, diesen herauszufinden.

  1. Du wurdest errettet, um Gott zu dienen

Gott hat dich nicht gerettet wegen deines Dienstes sondern für deinen Dienst. Ansonsten könnte er dich ja auch sofort nach deiner Bekehrung in den Himmel holen. Do dann könntest du diesen Dienst nicht ausfüllen.

  1. Du bist berufen, Gott zu dienen

Als Pastor oder Missionar ist einem völlig klar, dass man zum Dienst berufen ist. Was passiert aber, wenn du nicht in den vollzeitlichen Dienst gehst? Oder wenn du nach einigen Jahren etwas anderes machen möchtest? Ist dann die Berufung weg? Nein, du solltest dir jederzeit bewusst sein, dass Gott dich berufen hat, ihm zu dienen. Vollzeitlich oder ehrenamtlich, das spielt für Gott keine Rolle.

 

Am Ende unseres Lebens wird Gott auf dem Thron sitzen und fragen, wie du dein Leben verbracht hast. Und das höchste Ziel ist es, wenn dann sagt: „Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Größeres anvertrauen. Komm zum Freudenfest deines Herrn! (Matthäus 25, 21) Dein Dienst in dieser Welt ist keine Option!

 

6.1 Dein persönliches Profil

Für deinen Dienst hast du eine ganz spezielle DNA bekommen, bestehend aus den GABEN:

  • Gaben
  • Andersartigkeit/Persönlichkeit
  • Besonderen Fähigkeiten
  • Erfahrung
  • Neigung

In Englisch: SHAPE (Spritual gifts, Heart, Abilities, Personality, Experience)

 

6.1.1 Gaben

Jedem einzelnen Menschen hat Gott ganz bestimmte Gaben geschenkt, wir können uns unser Gabenportfolio nicht aussuchen. (Epheser 4, 7) In der Bibel gibt es verschiedene Gaben-Listen, z.B. in Epheser 4, 11 oder in 1. Korinther 12, 28. Darunter sind die Gabe der Heilung, der Wundertaten, der Leitung, der Lehre, der Prophetie, des Aposteldienstes, des Dienens, des Helfens etc.

Niemand bekommt alle Gaben und niemand sollte neidisch sein auf andere, die andere Gaben haben. Insbesondere bei der Gabe der Heilung, der Wundertaten oder der Prophetie ist der „Gaben-Neid“ besonders ausgeprägt. Aber deine geistlichen Gaben sind nur ein Teil deiner ganzen Persönlichkeitsprofils.

 

6.1.2 Andersartigkeit/Persönlichkeit

Du bist einzigartig. Die Chance darauf, dass deine DNA ein zweites Mal genauso in einer Person auftritt, ist faktisch unmöglich. Die Kombinationsmöglichkeiten unserer DNA sind größer als es Partikel im gesamten Universum gibt. Es hat niemals jemanden gegeben, der genauso ist wie du, und es wird auch niemals jemanden geben.

Biblisch gesehen scheint Gott absolut alle Persönlichkeitstypen gebrauchen zu können. Petrus z.B. war Sanguiniker. Er war leichtsinnig, aber optimistisch. Es war sprunghaft, wollte Menschen gefallen und hat Jesus in dessen schlimmster Krise allein gelassen. Paulus war Choleriker, Jeremia war melancholisch. Es gibt kein richtiges oder falsches Temperament für den Dienst. Es gibt Millionen Aufgaben und Millionen verschiedene Charaktere, die dafür nötig sind.

 

6.1.3 Besondere Fähigkeiten

All unsere Fähigkeiten kommen von Gott, auch jene, die wir zum Sündigen nutzen, sie werden bloß missbraucht. Häufig sagen wir: „Ich kann doch nichts!“ Aber wissenschaftlich bewiesen ist, dass jeder Mensch zwischen 500 und 700 verschiedene Fähigkeiten besitzt.

Dein Gehirn kann 15.000 Entscheidungen in der Sekunde treffen und deine Nase 10.000 verschiedene Gerüche wahrnehmen. Dein Tastsinn ist dazu in der Lage, ein 10.000stel Zentimeter zu spüren und deine Zunge kann einen Teil Chinin aus 2 Millionen Teilen Wasser herausschmecken. Du bist ein Wunderwerk Gottes, in dir stecken ungeahnte Fähigkeiten!

Egal, ob du gut im Gärtnern bist, eine Sinfonie aus dem Kopf spielen kannst, Kinder zum Lachen bringst oder ein genialer Lehrer bist. Gott kann alle Fähigkeiten gebrauchen. Niemand sonst kann deine Rolle übernehmen. Wenn du dich weigerst, den Dienst an dem Ort zu übernehmen, den Gott für dich vorgesehen hat, dann wird dieser Dienst nicht ausgeführt: Menschen werden die Botschaft nicht hören, Kinder nicht gerettet, Alte nicht getröstet…

 

6.1.4 Erfahrungen

Deine persönlichen Erfahrungen haben dich geprägt. Wenn du über deinen Dienst nachdenkst, dann schaue dir erst einmal die verschiedenen Erfahrungsbereiche an:

  • Familiäre Erfahrung: Was hast du in deiner Kindheit und Jugend gelernt?
  • Lernerfahrung: Was waren deine Lieblingsfächer in der Schule?
  • Berufliche Erfahrung: Bei welchen Tätigkeiten bist du am effektivsten und was macht dir am meisten Spaß?
  • Geistliche Erfahrung: Was waren deine bedeutendsten Erfahrungen mit Gott?
  • Erfahrung in der Gemeinde: Wie hast du Gott bereits in der Gemeinde gedient?
  • Schmerzliche Erfahrungen: Von welchen Problemen und Verletzungen hast du gelernt? Gott lässt keine Verletzungen ungenutzt.

 

6.1.5 Neigungen

In der Bibel wird das Wort Herz benutzt, um alle möglichen Elemente unseres inneren Menschen zu definieren: Neigungen, Ambitionen, Wünsche, Hoffnungen, Träume. Du hast einen ganz speziellen Herzschlag. Gott möchte, dass du leidenschaftlich dienst, nicht aus Pflichtgefühl.

 

6.1.6 Reflexion

  • Welche Erfahrungen habe ich bereits in meinem Leben gemacht?
  • Wofür schlägt mein Herz, wie kann ich mit Begeisterung dienen?

 

6.2 Gott verdient dein Bestes

Gott hat seinen Sohn für dich gegeben. Er hat unser Bestes verdient. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns mit aller Leidenschaft für ihn einsetzen. Nur wenn du mit deinem ganzen Herzen dabei bist, wirst du Gott dein Bestes geben. Hinterfrage dich selbst, wofür du im Moment dein Bestes einsetzt? Für dein Hobby? Für deine Freizeit? Deine Freunde? Natürlich sollen wir grundsätzlich immer unser Herz investieren, aber unser Bestes sollte Jesus gehören.

Dazu sind 3 Dinge wichtig:

  • Akzeptiere deine Grenzen: Tue, was du kannst und nicht, was andere können.
  • Vergleiche dich nicht: Schau nicht auf den, der neben dir läuft, sei nicht neidisch auf seine Gaben und Erfolge. Konzentriere dich auf deinen Lauf!
  • Lass dich durch Kritik nicht von deinem Dienst ablenken: Paulus war hierin ein Meister. Schau dir an, ob dein Dienst Frucht bringt, wenn ja, vergiss die Kritik.

 

Wenn wir anderen dienen, dienen wir Gott. Jesus definiert deine Größe daran, wie vielen Menschen du dienst, und nicht, wie viele Menschen dir dienen! Wir wollen immer vorne stehen, auf der Bühne. Vor einem möglichst großen Publikum. Daher ist es auch einfacher, Mitarbeiter für den Lobpreisdienst zu bekommen als Mitarbeiter im Kinderdienst. Bei Gott zählt aber vielmehr dein Herz. Wenn jemand vor dir in den Graben fällt, dann solltest du nicht sagen: „Ich habe nicht die Gabe der Barmherzigkeit und des Helfens. Da muss wohl jemand anderes ran!“ Wir müssen differenzieren zwischen primärem und sekundärem Dienst.

Der primäre Dienst umfasst unsere Gaben und unsere Fähigkeiten. Wenn wir die Gabe des Predigens haben, dann ist das unser primärer Dienst.

Der sekundäre Dienst betrifft alles, was anliegt. Wo du gerade gebraucht wirst, da solltest du auch dienen. Wenn in deiner Gemeinde jemand gebraucht wird, um im Kinderdienst oder bei der Gartenarbeit zu helfen, dann ist das deine Aufgabe, auch wenn du dich nicht unbedingt dazu berufen fühlst. Dazu braucht es Charakter. Ein dienendes Herz zu entwickeln, gehört für Gott zu einer seiner ersten Aufgaben mit dir.

  • Echte Diener sind stellen sich selbst zur Verfügung. Unterstelle deinen Terminkalender Gott.
  • Echte Diener achten auf die Bedürfnisse der anderen. John Wesley sagte: „Tu alles Gute, was du kannst, mit allen Mitteln, auf alle Arten, an allen Orten, zu allen Zeiten, für alle Menschen, solange du nur kannst!“ (Wesley)
  • Echte Diener machen das Beste aus dem, was sie haben. Manche leben nach dem Prinzip: Was du nicht wirklich gut kannst, sollst du lieber bleiben lassen. So etwas hat Jesus nie gesagt.
  • Echte Diener erledigen jede Aufgabe mit der gleichen Hingabe. Ob du eine Predigt vor der ganzen Gemeinde halten sollst oder die Klos putzen musst.
  • Echte Diener sind zuverlässig. Zuverlässigkeit wird zunehmend seltener. Mach einen Unterschied!
  • Echte Diener sind zurückhaltend. Diene nicht wegen des Beifalls! Ansonsten könntest du der Aufmerksamkeit von Menschen mehr Bedeutung zumessen als der Anerkennung Gottes.

 

6.2.1 Reflexion

  • Welches der Merkmale eines Dieners ist die größte Herausforderung für mich?

 

 

6.3 Der Dienst beginnt im Kopf

Gottes erstes Anliegen ist immer, warum wir etwas tun und nicht was wir tun. Die Opfer des Volkes Israel waren ihm gleichgültig, weil sie nicht mit der richtigen Herzenshaltung gebracht wurden. Wahre Diener sollten 5 verschiedene Elemente widerspiegeln.

  1. Diener denken mehr an andere als sich selbst
  2. Diener denken wie Verwalter, nicht wie Besitzer
  3. Diener denken an ihre Arbeit, nicht daran, was andere tun
  4. Diener beziehen ihre Identität von Jesus
  5. Diener sehen ihren Dienst als Chance, nicht als Zwang

 

Wenn du denkst, du seist zu schwach und unfähig, dann bist du als Diener Gottes genau richtig. Du solltest deine Schwächen nicht verteidigen, entschuldigen oder leugnen. Sonst kann Gott deine Schwächen nicht gebrauchen. Gibt deine Schwäche zu und hör auf so zu tun, als sei alles bei dir perfekt.

Schwäche meint nicht Sünde oder Charakterfehler. Schwäche meint eine Begrenzung, die du nicht ändern kannst. Eventuell ist sie angeboren. Dies kann:

  • Körperliche Einschränkung (Behinderung, chronische Energiearmut …)
  • Emotionale Einschränkung (Trauma, persönliche Eigenheit oder Veranlagung …)
  • Begrenzung im Rahmen der Begabungen oder des Intellekts

Sei außerdem mit deiner Schwäche zufrieden. So wie Paulus: „Jetzt trage ich meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf, weil dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann. Darum freue ich mich über meine Schwächen, über Misshandlungen, Notlagen, Verfolgungen und Schwierigkeiten.“ (2. Korinther 12, 9-10). Und er schließt mit dem Satz: Denn gerade wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Gott möchte seine Stärke in unserer Schwäche erweisen. Das ist auch der Grund, warum Gideon mit nur 300 Mann gegen das weit mehr als 100.000 Mann zählende Heer der Midianiter kämpfen sollte. Andernfalls hätte die Israeliten später doch wieder sich selbst auf die Schulter geklopft.

In der Bibel hatten alle großen Menschen Schwächen, entweder waren sie zu temperamentvoll wie Mose oder Petrus, oder hatten kein Selbstbewusstsein wie Gideon, oder sie hatten Angst wie Abraham.

Gib deine Schwächen offen zu, sprich sie einfach an. Nur wenn du in dieser Hinsicht offen bist, können die Menschen um dich herum dich verstehen. Und ja, Verletzlichkeit ist riskant, du riskierst, abgelehnt zu werden. Demut bedeutet nicht, sich selbst runter zu machen. Es bedeutet, offen und ehrlich über seine Fehler zu sprechen.

 

6.4 Anwendung

 

Thema: Dienst ist Job. Diskutiere

Wie kann der Dienst eine Berufung bleiben? Was könntest du im Vorfeld schon dafür tun?

 

7       Fünftes Lebensziel: Du wurdest erschaffen, um einen Auftrag zu erfüllen

 

Zwar hört sich dieses Lebensziel ähnlich an wie das 4. Lebensziel. Aber zwischen Dienst und Mission ist ein Unterschied. Beim Dienen geht es darum, deine Berufung im Rahmen der Gemeindearbeit zu finden. Beim 5. Lebensziel, dem Auftrag geht es um deine Mission in der Welt. Mission stammt von dem lateinischen Wort „entsenden“. Du bist als Christ von Jesus in diese Welt entsandt, um sein Repräsentant in dieser Welt zu sein. Jesus selbst hat gesagt: Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch. (Johannes 20, 21).

Nach dem wichtigsten Gebot gibt es auch den wichtigsten Auftrag. In Englisch herausgehoben durch die Begriffe Great Commandment und Great Commission. Der große Missionsbefehl steht in Matthäus 28, 20:

Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen! Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28, 19-20)

 

Der Missionsbefehl bedeutet:

  1. Deine Aufgabe ist es, Jesu Mission in dieser Welt fortzusetzen
  2. Deine Mission ist ein absolutes Privileg
  3. Anderen Menschen von Jesus zu erzählen, ist das wichtigste, was du jemals für sie tun kannst!
  4. Deine Mission ist für die gesamte Ewigkeit von Bedeutung
  5. Deine Mission gibt deinem Leben Sinn

 

Der Preis des Missionsauftrages ist es, dass du deinen eigenen Zeitplan loslassen musst. Gib deine Pläne, Träume, Ambitionen an Gott ab. Händige ihm einen Blankoscheck aus: „Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.“ (Matthäus 6,33).

Rick Warren erzählt in seinem Buch die Geschichte seines Vaters. Dieser war über 50 Jahre Pastor. Kurz bevor er starb, er war bereits nicht mehr wirklich ansprechbar, wurde er plötzlich aktiv. Er wollte unbedingt aufstehen. Als seine Frau ihn fragte, was er denn nur tun will, antwortete er: „Ich muss noch einen für Jesus retten!“

Das größte, was du in deinem Leben tun kannst, ist, einen Menschen für Jesus zu retten.

 

7.1 Wie lautet die Botschaft deines Lebens?

Vielleicht bist du dir gar nicht dessen bewusst, welche Botschaft du für die Welt hast. Eine Lebensbotschaft hat 4 Bestandteile:

  1. Dein Zeugnis: Wie hat deine Geschichte mit Jesus begonnen?

Die persönliche Geschichte, die du zu erzählen hast, ist einzigartig. Vor Gericht müssen Zeugen auch einfach nur erzählen, was ihnen passiert ist. Gott möchte, dass du mit anderen über eure gemeinsame Geschichte sprichst. Damit wirst du auch gegen Kritik unangreifbar, denn diese Geschichte ist ja deine tatsächlich passierte Geschichte.

  1. Die Lektionen deines Lebens: Welches waren die wichtigsten Lektionen, die Gott dich gelehrt hat?

Reflektiere über folgende Fragen:

Was hat Gott mich durch Versagen gelet?

Was hat Gott mich durch Geldmangel gelehrt?

Was durch Schmerz, Verzweiflung, Depression?

Was hat Gott mich durch Warten gelehrt?

Was durch Krankheit?

Was durch Enttäuschungen?

Was habe ich von meiner Familie, meiner Gemeinde, meinen Freunden, meiner Kleingruppe, meinen Kritikern gelernt?

  1. Deine von Gott gegebenen Neigungen: Welches sind deine Themen oder Menschen, die Gott dir ans Herz gelegt hat?

Von was das Herz voll ist, davon läuft der Mund über. Nutze die Dinge, die dir wichtig sind.

  1. Die Gute Nachricht: Erzähle die Botschaft der Errettung.

Dabei ist das Wichtigste, dass du die Menschen so liebst, wie Jesus sie liebt. Die Errettung einer einzigen Seele ist wichtiger als alles andere, was du in deinem Leben erreichen wirst. Nur der Mensch lebt ewig, alles andere vergeht.

 

Christen sollten ein Bewusstsein für die Welt haben, ohne dabei ein Teil dieser Welt zu sein. Sei ein Weltklasse Christ, aber nicht ein weltlicher Christ.

Weltliche Christen suchen nach der Erfüllung ihrer persönlichen Wünsche, sie sind zwar gerettet, aber selbstbezogen. Weltliche Christen besuchen christliche Konzerte und bereichernde Seminare, aber nie eine Missionskonferenz. Ein Weltklasse- oder „weltbewusster“ Christ haben ein Bewusstsein dafür, dass sie zwar gerettet sind, aber nicht zum Selbstzweck sondern, um einen Auftrag zu erfüllen.

Es gibt keine Ausrede, warum wir das Evangelium nicht verbreiten. Unsere Welt ist ein „Dorf“, wenn wir nicht persönlich überall hinkommen, dann doch das Internet. Wenn du ein Weltklasse-Christ werden willst, ändere dein Denken.

  • Werde erwachsen und denke weniger an dich und mehr an andere.
  • Denke global statt lokal. Bete für Missionare und suche dir selbst einen Missionseinsatz.
  • Denke aus der Perspektive der Ewigkeit und nicht dem Hier und Jetzt.
  • Werde kreativ. Hör auf mit den Entschuldigungen wie „Ich kann keine Fremdsprache!“, „Kein Geld!“, „Zu alt/jung!“

 

7.1.1 Reflexion

Gehe die Botschaft deines Lebens durch und beantworte die Fragen.

 

7.2 Anwendung

 

Wie siehst du als Pastor den Auftrag zur Mission?

Hast du einen lokalen und einen globalen Handlungsplan? Entwickle ihn.

 

 

8 Leben mit Vision

 

Hier nochmals eine Zusammenfassung der 5 Lebensziele Gottes für dich:

Anbetung, Gemeinschaft, Nachfolge, Dienst, Mission

  1. Liebe Gott von ganzem Herzen: Du wurdest erschaffen, um Gott Freude zu machen. Dein Lebensziel ist es, Gott anzubeten!
  2. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: Du wurdest für den Dienst erschaffen. Dein Lebensziel ist es, anderen deine Liebe durch deinen Dienst zu zeigen.
  3. Geht hin und macht zu Jüngern: Du wurdest erschaffen, um einen Auftrag zu erfüllen. Dein Lebensziel ist es, Gottes Botschaft weiterzugeben.
  4. Tauft sie im Namen des Vaters: Du wurdest als Teil von Gottes Familie erschaffen. Dein Lebensziel ist es, dich mit der Gemeinde Jesu zu identifizieren.
  5. Lehrt sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe: Du wurdest erschaffen, um Jesus ähnlich zu werden. Dein Lebensziel ist es, durch die Nachfolge geistlich zu reifen.

 

Lege in deinem Terminplan geistliche Check-Ups fest. Reflektiere deine Entwicklung und prüfe, wo du ein Arbeitsfeld hast.

 

8.1 Reflexion

Stelle dir die 5 wichtigsten Frage des Lebens:

  1. Was ist der Mittelpunkt meines Lebens?

Wofür lebst du? Wenn Gott in deinem Zentrum steht, sollte Sorge nicht zu viel Raum haben. Sorgen sind ein Indikator, dass dir andere Sachen viel wichtiger geworden sind.

  1. Was soll mein Leben kennzeichnen?

Welche Art Person willst du sein? Für was möchtest du bekannt sein? Schreib mal eine Grabrede, hier findest du das heraus.

  1. Welchen Beitrag leiste ich mit meinem Leben?

Welchen Dienst füllst du aus?

  1. Was ist die Aussage meines Lebens?

Ist der Missionsauftrag Teil deines Lebens?

  1. Was ist der Gemeinschaftsaspekt meines Lebens?

Wie stehst du zur Gemeinde Gottes? Wie sieht die Gemeinschaft aus?

 

8.2 Anwendung

 

Leben mit Vision/Purpose Driven Life ist eine Kampagne. 40 Tage lesen alle Gemeindemitglieder jeden Tag das Buch, die Kleingruppen tauschen sich über die jeweiligen Wochen aus, die Predigten sind auf die Kampagne abgestimmt. „Wozu um alles in der Welt lebe ich?“ ist der Aufhänger für Werbung, um möglichst viele gemeindeferne Menschen anzusprechen. Mission ganz praktisch.

Wie kannst du diese Kampagne durchführen?

Wen musst du überzeugen?

Wann wäre es sinnvoll?

 

8.3 Weiterführende Literatur

 

Hybels, Bill/Wilkins, Rob: Mut zur Demut. Willow Creek Edition.

Hybels, Bill: Einfach. Zehn Schritte zu einem aufgeräumten Leben. Gerth-Medien.

Wesely, Michaela: Lifelong. 7 Wege zu einer glücklichen Partnerschaft. Amazon.

Orthberg, John: Weltbeweger. Gerth-Medien.

Eldredge, John: Der ungezähmte Christ. Brunnen-Verlag.

Bevere, John: Die Ewigkeit im Herzen. Adullam-Verlag.

Knoblauch, Jörg/Hüger, Johannes/Mockler, Markus: Dem Leben Richtung geben. Campus-Verlag.

MacDonald, Gordon: Ordne dein Leben. Gerth-Medien.

 

 

 

Literatur

 

Hybels, Bill (2002): Mutig führen. Gerth Medien, Asslar.

Dorsch Lexikon der Psychologie (2022). (URL: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/charakter [letzter Zugriff: 30.08.2022]).

Gute Nachricht Bibel (1997). Revidierte Fassung 1997. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Hoffnung für alle (2015). Brunnen-Verlag, Basel und Gießen.

Karrierebibel (2022). (URL: https://karrierebibel.de/charakter/#:~:text=Nach%20psychologischem%20Verst%C3%A4ndnis%20bezeichnet%20der,Person%20macht%2C%20die%20er%20ist. [letzter Zugriff: 30.08.2022]).

Warren, Rick (2004): Better Together – What on earth I am here for? Workbook. Purpose-Driven, Lake Forest/CA.

Warren, Rick (2014): Leben mit Vision. Gerth Medien, Asslar.

Mutter Theresa (2007): Komm, sei mein Licht. Pattloch-Verlag, München.

Schwarz, Christian A. (2021): Die 3 Farben der Spiritualität. C&P-Verlag und Gerth-Medien.

Wesley, John: Zitat bekannt als John Wesleys Rule.

Wilson, Bill (1998): Verlorene Kinder. One Way Verlag, Wuppertal.

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