03/2021, Script

Genesis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Genesis – בראשית

Einführung in die Genesis

1. Gen. 1: Der erste Schöpfungsbericht

1.1. Einführung

1.1.1. Zur Interpretation der Schöpfungsberichte

1.2. Reflexion: Quelle

1.3. Anwenden

2. Gen. 2: Der zweite Schöpfungsbericht

2.1. Einführung

2.2. Reflexion: Quelle

2.3. Anwendung

3. Gen. 3: Sündenfall

3.1. Einführung

3.1.1. Zur Geschichte der Interpretation des Sündenfalles

3.1.2. Gen. 4, 1 – 16: Kain und Abel

3.1.3. Gen. 4, 17-24: Die Kainitenliste

3.1.4. Gen. 4, 25 f: Die Sethitenliste

3.1.5. Gen. 5: Genealogie von Adam bis Noah

3.2. Reflexion: Quelle

4. Gen. 6 – 9: Sintflut und Noahbund

4.1. Einführung

4.1.1. Gen. 6, 1-4Vorgeschichte: die Engelehen

4.1.2. Gen. 6, 5–8: Der Prolog vor der Sintflut

4.1.3. Gen. 6 – 8: Die Flut

4.1.4. Gen. 9: Der Bund mit Noah

4.2. Reflexion: Quelle

5. Gen. 10: Die Völkertafel

5.1. Einführung

5.1.1. Gen. 11: Der Turmbau zu Babel

5.1.2. Geschlechtsregister (toledoth)

5.2. Reflexion: Quelle

Gen.12-50: Struktur und Deutung der Vätergeschichten

6. Gen. 12 – 25: Die Abrahamgeschichten

6.1. Einführung

6.1.1. Gen.12, 1 – 9: Der Abrahamssegen

6.1.2. Gen. 12,10-20: Abraham und Sara in Ägypten

#6.1.3. Gen. 13: Abraham und Lot

6.1.4. Gen. 14: Abraham rettet Lot

6.1.5. Gen. 15: Der Bundesschluss

6.1.6. Gen. 16: Hagar und Ismael

6.1.7. Gen. 17: Der ewige Bund mit Abraham

6.1.8. Gen. 18: Besuch in Mamre und Abrahams Fürbitte

6.1.9. Gen.19: Sodom und Gomorra

6.1.10. Gen. 20:Abraham und Sara bei Abimelech

6.1.11. Gen. 21: Isaaks Geburt, Hagar und Ismael, Bund mit Abimelech

6.1.12. Gen. 22: Das Opfer Abrahams

6.1.13. Gen. 23: Saras Tod

6.1.14. Gen. 24: Die Brautwerbung um Rebekka

6.1.15. Gen. 25: Abrahams Tod

6.2. Reflexion: Quelle

7. Gen. (25-) 26 – 36 (50): Die Jakob – Esau – Geschichte

7.1. Einführung

7.1.1. Gen. 26: Isaak: Verheißung, Gefährdung der Ahnfrau, Streit um Brunnen

7.1.2. Gen. 27: Die Erschleichung des Erstgeburtssegens

7.1.3. Gen. 28: Segen und Himmelsleiter

7.1.4. Gen. 29 – 31: Jakob und Laban

7.1.5. Gen. 32 -33: Die Versöhnung mit Esau

7.1.6. Gen. 32: Jakobs Kampf am Jabbok

7.1.7. Gen. 34: Das Blutbad zu Sichem

7.1.8. Gen. 35: Jakob in Bethel

7.1.9. Gen. 36: Geschlechtsregister (Toledoth) Esaus

7.2. Reflexion: Quelle

8. Gen. 37-50: Die Josefsgeschichte

8.1. Einführung

8.1.1. Gen. 37: Josefs Träume

8.1.2. Gen. 38: Juda und Tamar

8.1.3. Gen. 39 – 41: Josefs Aufstieg in Ägypten

8.1.4. Gen. 42 – 45: Josef und seine Brüder

8.1.5. Gen. 47: Jakob vor dem Pharao und Josefs Agrarpolitik

8.1.6. Gen. 48: Segen für Ephraim und Manasse

8.1.7. Gen. 49: Jakobs Testament

8.1.8. Gen. 50: Jakobs Begräbnis und Josefs Tod

8.2. Reflexion: Quelle

Schlusswort

9. Anhang

9.1. Syllabus

9.1.1. Kurzbeschreibung

9.1.2. Kursziele

9.1.3. Erworbene Fähigkeiten

9.1.4. Vorbereitende Aufgaben für den Studierenden

9.1.5. Inhalte des Kurses (40 Unterrichtsstunden)

9.1.6. Leistungsnachweis (40 Stunden

9.1.7. Pflichtlektüre

9.1.8. Weiterführende Lektüre

9.1.9. Zusammensetzung der Endnote

9.1.10. Zeitübersicht des Kurses

Vorwort

„Das Buch, an dessen Auslegung wir gehen, ist überaus wichtig wegen seiner grundlegenden Bedeutung. Die Genesis oder das Buch der Anfänge ist die Voraussetzung der Thora, die Thora ist die Voraussetzung des A.T., das A.T. ist die Voraussetzung der Religion der Erlösung, die Erlösung ist die Voraussetzung der gegenwärtigen Welt und ihrer Geschichte – auf den Säulen dieses Buches ruht sonach das in die Ewigkeit hineinragende Gebäude unseres Heiles. Was im N.T. die vier Evangelien sind, das sind im A.T. die fünf Bücher der Thora…. Anfang und Ende des alt- und neutestamentlichen Kanons schließen sich zusammen. … Der Schöpfung des gegenwärtigen Himmels und der gegenwärtigen Erde auf den ersten Blättern der Genesis entspricht die Schöpfung des neuen Himmels und der neuen Erde auf den letzten Blättern der Apokalypse… So bildet die heilige Schrift ein gerundetes geschlossenes Ganzes, zum Beweise, dass nicht blos dieses oder jenes Buch, sondern auch der Kanon ein Werk des heiligen Geistes ist…“

Aus dem Vorwort des Altmeisters der konservativen Exegese des Alten Testamentes, Franz Delitzsch, zu seinem „klassischen“ Genesis- Kommentar aus dem Jahr 1860, S.3.

Genesis – בראשית

Einführung in die Genesis

Die Genesis (lat.: Anfang, nach בראשית: bereshit: im Anfang) ist das erste der fünf Bücher Mose (Pentateuch = Fünfbuch). Die 5 Bücher Mose waren ursprünglich ein einziges Buch und sind als Tora (Gesetz) die Grundlage des Glaubens des jüdischen Volkes. Die Tora ist sozusagen das Grundgesetz des heiligen Bundes Gottes mit seinem Volk und als solche ein Geschenk Gottes an Israel (und die Welt). Durch die Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern über das Gesetz und auch durch die Paulusbriefe hat es sich bei den Christen oft mit einem recht negativen Beigeschmack verbunden. Davon sollten wir uns frei machen. Die Juden jedenfalls feiern zu Recht die „Freude am Gesetz“. Denn die Gesetze sollen keine Bevormundung oder Gängelung des Menschen durch Gott sein, sondern die Bedingungen seiner Gottesebenbildlichkeit und seiner Freiheit. Die Zehn Gebote sind der „Zaun der Freiheit“, der weit gespannt das bewohnbare Terrain umgibt und vor dem Absturz in gefährdetes Gebiet warnt. Die für das Volk Israel konstitutive Erfahrung der Errettung am Schilfmeer und die Gottesoffenbarung am Sinai sind die Höhepunkte des Pentateuchs und werden erst im Buch Exodus berichtet. Mit der Urgeschichte der gesamten Menschheit und den Geschichten der einzelnen Väter ist die Genesis sozusagen die Ouvertüre hierzu. Aber was für eine!

Verfasserfrage:

Der Pentateuch geht in seinem Kern sicherlich auf Mose selber zurück. Ob allerdings die alte jüdisch-christliche Überlieferung recht hat, dass wirklich alles von Mose selber geschrieben sei, ist doch sehr fragwürdig, wird auch in der Schrift selber nirgendwo behauptet (so schon Delitzsch, 38ff). Da dies jedenfalls keinen Anhalt in der Bibel selbst hat, erscheint die Aussage sehr gewagt, dass eine Verneinung der Gesamtautorenschaft des Moses die Glaubwürdigkeit der Bibel infrage stelle (so Ellison, S. 22).

Der Pentateuch ist vielmehr ein Beispiel für die sog. Traditionsliteratur, wie sie damals üblich war. Hier wird eine Kernschrift von anderen Schriftstellern über die Zeit hinweg angereichert. Schönstes Beispiel ist der Psalter Davids, in dem neben den als davidisch gekennzeichneten Psalmen ja auch noch Psalmen von Korach, Asaf, Salomo u.a. aufgenommen sind. Frühere Zeiten haben dies zu Recht als Bereicherung angesehen und nicht wie viele heute als „Fälschung“. Das ist eher ein Bewusstseinsproblem des modernen Menschen, das in die Bibel hineingetragen wird, als ein Problem der Bibel. Delitzsch nimmt an (S.38), dass Eleazar, der Sohn Ahrons, das Werk des Mose vollendet habe. Aber auch das ist eine reine Hypothese. Als Glaubensgrundlage verbindlich ist jedenfalls die von der Synagoge rezipierte Textfassung, die in der Gestalt, wie sie uns heute vorliegt, von der alten Kirche als kanonisch festgestellt und übernommen wurde.

Quellenscheidung

Der Reichtum der Bibel manifestiert sich nicht zuletzt darin, dass die biblischen Erzähler aus unterschiedlichsten Quellen schöpfen konnten. An manchen Stellen der Bibel ist dies mit Händen zu greifen, so z.B. bei den beiden Schöpfungsberichten und bei dem Bericht über die Sintflut. Diese Tatsache ist auch nicht strittig zwischen konservativer und liberaler Theologie. Die Quellen werden nach Verwendung des Gottesnamens Jahvist (Delitzsch nennt ihn noch „Jehovist“ nach dem Kunstwort Jehova) und Elohist genannt, sowie die Priesterschrift und in manchen Texten der sog. Deuteronomist. Vor allem die unterschiedliche Bezeichnung Gottes als יהוה (Jahve) und אלהים (Elohim) war der Textforschung aufgefallen. (Natürlich haben beide Worte nebeneinander auch eine etwas unterschiedliche Bedeutung. Elohim ist eher die Gottheit, auch heidnische Baale wurde als Elohim verehrt. Jahve ist der geoffenbarte Gott vom Sinai. So Gen. 28, 13: Ich bin יהוה Jahve, der אלהים Elohim deines Vaters Abraham.)

Ganz deutlich heben sich auch die Genealogien (תולדות: toledoth: Geschlechtsregister) von den übrigen Texten ab. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Genesis, haben sicherlich früher einmal zusammen gehört und werden der Quelle P zugerechnet.

Die Annahme verschiedener Quellen kann das Verständnis der Bibel an manchen Stellen sehr erleichtern. Eine informative Zusammenfassung über die verschiedensten Quellenhypothesen gibt Sellin – Fohrer (S. 118ff). Je konkreter jedoch die Aussagen über einzelne Textstellen erfolgen, umso hypothetischer werden diese und können dann das Verständnis der Bibel auch erschweren.

Denn manche Theologen schießen doch erheblich übers Ziel hinaus: Wenn nämlich ein alttestamentlicher Text zum Flickenteppich einer Handvoll verschiedener Quellen und Redaktionsschichten erklärt wird, dann verdunkelt ein solcher Versuch einer Quellenscheidung mehr als er erhellt. Dies gilt auch für die Annahme einer Vielzahl weiterer Quellen oder der angenommenen deuteronomistischen Überarbeitung vieler Texte des ATs. Eine puzzleartige Zuweisung einzelner Verse an hypothetische Quellen erscheint zuweilen als Glasperlenspiel. Der Wechsel der Gottesbezeichnungen kann vielmehr ein für die Auslegung ganz wichtiger Schlüssel zum Verständnis sein (z.B. Gen. 22). Trauriges Beispiel für eine verfehlte Quellenscheidung ist etwa der Versuch, aus Ps. 19 einen elohistischen und einen jahvistischen Psalm zu machen. Damit zerstört man nur seinen inneren Zusammenhang, und der Psalm verliert seinen tieferen Sinn.

Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, dass sauber unterschieden werden muss zwischen dem Glauben auf der einen Seite und wissenschaftlichen Theorien auf der anderen Seite. Wissenschaftliche Thesen, auch von Theologen, ändern sich durchaus. Das ist kein Schaden, sollte aber den Glauben nicht tangieren. So berichtigte etwa Westermann inzwischen seine anfängliche Auffassung, dass die Josephsgeschichte aus mehreren Quellen zusammengesetzt sei, und vertritt jetzt die Meinung, dass diese aus einem einzigen Guss sei. Darüber kann man durchaus kontrovers diskutieren, ohne sich gegenseitig den Glauben abzusprechen.

Die größte und häufig unterschätzte Gefahr des quellenorientierten Ansatzes ist es jedoch, dass man hier unbewusst in ein literaturwissenschaftliches Fahrwasser gerät, aus dem man nur schwer wieder heraus kommt. Ein Bibeltext wird dann fast ausschließlich unter literarhistorischem Aspekt betrachtet. Aus dem Pastor wird unter der Hand ein Schriftgelehrter und Altphilologe, der virtuos mit Textbausteinen jongliert, anstatt die Schrift auszulegen. So wird von der Universitätstheologie ein Bibeltext weithin nur noch als literarisches Produkt eingeschätzt und auf literarische Abhängigkeiten hin abgeklopft. Es handelt sich bei den in der Bibel berichteten Ereignissen jedoch um wirklich gelebtes Leben und tatsächliche Begegnungen mit Gott und nicht um literarische Abhängigkeiten. Man sollte die Quellenscheidung nicht einfach verteufeln, sie kann sehr hilfreich sein. Man sollte allerdings sehr wachsam sein, dass man sich nicht in einer Spur festfährt, aus der man nur schwer wieder heraus kommt. Näheres hierzu wird noch unten zu Gen. 6-9 ausgeführt.

Die Diskussion der universitären Theologie behandelt weithin nur noch die differenzierte Theologie der angenommenen Quellenschichten, also etwa des Jahvisten, Elohisten oder die ihrer verschiedenen Vorstufen. Dabei passiert es leicht, dass die Bibel unbemerkt wie beim Sezieren zerstückelt wird und am Ende nur noch totes Material zurückbleibt.

Auch die Rede eines Spitzenpolitikers ist natürlich nicht von ihm selber geschrieben, sondern sie stammt von einem seiner Schreiber und wurde dann noch redigiert. Kein vernünftiger Mensch aber würde die Worte des Politikers nicht ernst nehmen, sondern stattdessen darüber diskutieren, welcher seiner Schreiberlinge, welchen Satzteil der Rede verfasst habe.

1. Gen. 1: Der erste Schöpfungsbericht

1.1. Einführung

1.1.1. Zur Interpretation der Schöpfungsberichte

Gerade unter frommen Christen gibt es den Versuch, die beiden Schöpfungsgeschichten zu egalisieren und ihre Unterschiede glattzubügeln. Damit nimmt man der Bibel aber ihre Farbigkeit und ihren Reichtum weg. Der Verfasser der Genesis, ob nun Mose oder ein Späterer, wusste schon, warum er beide nacheinander aufzeichnete. Beide sind in ihrer gegenseitigen Beziehung zu lesen. Der Erste allein wäre zu leicht idealistisch misszuverstehen, der Zweite allein zu pessimistisch.

Der erste Schöpfungsbericht behandelt die eine Urfrage des Menschen: Warum ist überhaupt etwas und warum ist nicht nichts? Der Zweite behandelt die andere Urfrage: Woher kommt das Böse?

Der erste Schöpfungsbericht Gen. 1 – 2, 4a wird allgemein der Quelle P „Priesterschrift” zugerechnet.

Der Anfang der Bibel ist von den Schöpfungspsalmen (etwa Ps. 8; 104; 136 oder 148) her auszulegen. Zuerst kommt der Lobpreis des wunderbaren Schöpfers, das Staunen darüber, wie herrlich die Welt gemacht ist und die Dankbarkeit für mein eigenes Leben. Danach erst kommt die theologisch verantwortete Darstellung der Schöpfung. Der Schöpfungsbericht ist nicht zuletzt ein verkappter Lobpreis. So wie mit den beiden großen Moseliedern die Mitte und das Ende des Pentateuchs ein Lobpreis sind, ist es auch der Anfang.

Diese Erkenntnis sollte die Auslegung bestimmen. Schöpfungsglaube ist Lebensqualität! Voll Staunen über das Wunder der Schöpfung wird das Leben reicher. Durch die offenbare Herrlichkeit der Schöpfung blickt der Glaube hindurch auf die dahinter verborgene Herrlichkeit des Schöpfers.

Es ist sehr unklug, sich in der Diskussion über den Schöpfungsbericht in der Defensive zu verbarrikadieren. Der Schöpfungsbericht ist eher offensiv, er strahlt von Lebensfreude und glaubendem Optimismus. Die angstmachenden siderischen Gottheiten werden als Lampen, also Leuchtkörper beleidigt und degradiert, die anbrausende Flut, Sinnbild des bedrohlichen Chaotischen, wird gebändigt. Der Sabbat ist das große Geschenk Gottes an Israel und an die Menschheit. Und der Mensch wird groß gemacht. Die Gottesebenbildlichkeit ist eine schier unglaubliche Aussage: „Der Mensch ist elohimgestaltig erschaffen.“ (v.Rad, Theologie I,159)

Den wenigsten Deutschen ist klar, dass der Zentralwert der „Menschenwürde“ im Grundgesetz der BR Deutschland nichts anderes ist als die säkulare Übersetzung der Gottesebenbildlichkeit der Genesis. Er ist bewusst übernommen worden als ein Wert, den der Staat als ihm vorgegeben akzeptiert hat, letztlich also ein Glaubensinhalt. Wer daran rüttelt, bringt unsere gesamte Werteordnung zum Einsturz.

Die ermüdenden Diskussionen über den angeblichen Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft in der Schöpfungsgeschichte sind ein leider allzu oft befahrener Holzweg, der zu nichts führt. Glaube und Naturwissenschaft können sich nicht widersprechen. Lediglich Naturwissenschaft, die übergriffig wird und aus ihren vorliegenden Erkenntnissen Glaubenssätze macht, kann im Widerspruch zum Glauben stehen. Dasselbe gilt auch umgekehrt: Nur übergriffiger Glaube, der aus Glaubenssätzen naturwissenschaftliche Erkenntnisse ableiten will, kann in Widerspruch zur Naturwissenschaft stehen. Für diese Diskussion sind die Schöpfungsgeschichten nicht geschrieben worden.

Auch die heute gängige Abwertung der Schöpfungsgeschichten als „Mythos“ wird ihnen keineswegs gerecht. Es ist ein krasser Irrweg, die Schöpfungsgeschichten zu „entmythologisieren“. Im Gegenteil: Die Schöpfungsgeschichten sind selber die ersten Entmythologisierer, indem Gott etwa die Urflut und die Gestirne einfach „macht“ und die in ihnen verehrten Gottheiten damit entthront. Der Glaube an den Schöpfergott macht frei von allen magischen Bindungen.

Dabei redet die Bibel hier in schönsten Anthropomorphismen, also menschlich – allzu menschlich von Gott. Natürlich wusste der Verfasser längst, dass man eigentlich nicht sagen darf, dass sich Gott ausruhen müsse nach dem Schöpfungswerk. Gerade der erste Schöpfungsbericht ist alles andere als naiv! Obwohl er weiß, dass man eigentlich nicht so von Gott sprechen dürfe, tut er es dennoch. Je menschlicher er von Gott und seinem Schöpfungshandeln spricht, umso näher ist er an der Wahrheit. Wir können Gott nicht in Begriffe fassen, weil wir sonst logischerweise einen Standpunkt über ihm einnehmen müssten. Oder wir müssten im nächsten Satz gleich das Gegenteil der vorherigen Aussage über Gott behaupten (nach Nikolaus von Kues).

Es handelt sich hier vielmehr um Ausdruck einer sog. „zweiten Naivität“, mit der auch ein Astronom (wieder) sagen kann: „Die Sonne geht unter“ oder: „Der Mond ist aufgegangen“. Schönste Beispiele dieser 2. Naivität sind auch die Gleichnisse Jesu, die ja unendlich tief sind. Obwohl sie von Gott ganz menschlich reden, tasten sie seine Heiligkeit nicht an.

Die jüdische Auslegung der Genesis hat so ihre liebe Not mit den in der Urgeschichte vorhandenen Pluralen z. B.: 1, 26: Lasst uns Menschen machen…, aber auch mit dem Geist Gottes (1, 2). Für uns Christen sind das natürlich vestigia trinitatis (Spuren der Dreieinigkeit).

Nicht der Mensch ist die Krone der Schöpfung, sondern der Sabbat (2,3)!

 

1.2. Reflexion: Quelle

Gen. 1,1 -2,4
Sekundärquellen: vRad, Komm. zSt., Delitzsch zSt., Ellison, S.22 zu den Einleitungsfragen: Sellin-Fohrer, S. 115 – 131

2. Gen. 2: Der zweite Schöpfungsbericht

2.1. Einführung

Der zweite Schöpfungsbericht Gen. 2, 4a – 25 wird der Quelle J „Jahvist“ zugerechnet.

Schon sprachlich hat er einen ganz anderen Charakter als der erste. Er zeigt mehr Erzählfreude als theologische Begrifflichkeit. Während beim Ersten das Wasser eher das bedrohende Element ist, das zurückgehalten werden muss, so ist es hier das ersehnte Nass, das die dürre Erde fruchtbar macht. Vor allem aber: Der erste Schöpfungsbericht zeigt die Schönheit der Erde in ihrer gottgemäßen Schöpfungsordnung. Der Zweite erklärt jetzt, warum die Erde, allen voran die Menschheit, so ist, wie sie ist: gefallene Natur. Gestaltet ist er als Erzählung im Unterschied zum ersten, der mehr Lehre ist.

Nicht zuletzt aus der Tatsache zweier verschiedener Bäume (Baum des Lebens – Baum der Erkenntnis) schließen manche Ausleger auf zwei zugrunde liegende verschiedene Erzählstränge. Beides wird aber in 2, 22 wieder zusammengeführt. Die Rolle des Baumes des Lebens verläuft sich merkwürdigerweise dabei.

2, 10 – 14 ist deutlich als ein Einschub erkennbar. Auch hier streiten sich die Gelehrten darüber, ob man daraus auf eine andere Quelle schließen müsse. Das ist möglich, aber durchaus nicht zwingend. Wichtiger als dieser Streit ist der Hinweis, dass der Anfang der Bibel vom Seher Johannes im letzten Kapitel der Bibel (Off. 22, 1f) wieder aufgenommen und in großartiger Weise überboten wird. Der Weg der gesamten Kapitel der Heiligen Schrift führt uns damit vom Paradiesgarten zum Himmlischen Jerusalem. Eine herrliche Wanderung. Aber sie führt zwangsläufig über Golgatha. Dort finden wir dann unvermutet den wirklichen Baum des Lebens aufgerichtet wieder.

Der durchgehende Gebrauch von Jahwe-Elohim hier ist singulär im AT und dient vielleicht der Vernetzung von beiden Schöpfungsgeschichten.

Herrliche „zweite Naivität“: Jahve als Brautführer: 2, 22

In der Freude des איש über die אשה (Wortspiel: isch – ischah. Luther: Mann – Männin) kommt die positive Bewertung von Geschlechtlichkeit und Erotik im AT zum Ausdruck.

Die negative Bewertung kam erst über das Erbe der griechisch- römischen Antike ins Christentum. Die Erschaffung des Menschen in zwei Geschlechtern ist eine gute Ordnung Gottes und steht nicht zur Diskussion (Genderideologie).

Aufschlussreich ist das „Nachwort zur Paradieses- und Sündenfallgeschichte“ im Kommentar von vRad zSt. Einmal als Zusammenfassung der literarkritischen Problematik. Zum anderen aber auch als Gesamtinterpretation: „Nur in gebrochener Haltung steht der Mensch seinem Leben gegenüber…. Die mannigfachen tiefen Störungen im menschlichen Leben haben ihre Wurzel in der einen Störung des menschlichen Verhältnisses zu Gott. Noch bündiger ausgedrückt: Gen. 3 behauptet, dass alles Leid aus der Sünde kommt“ (S.73)

Also die über Jahrtausende gültig gebliebene ungeschminkte und realistische Weltsicht des Glaubens, offensiv vorgetragen zu einem tieferen Verständnis von Welt und Mensch als der Unglaube sie je haben kann. Damit gilt auch für diesen Schöpfungsbericht das bereits zum ersten Gesagten: Es ist sehr unklug, sich im Gespräch mit Kritikern in der Defensive festnageln zu lassen. Hier wird kein Mythos erzählt, sondern der klare Durchblick und die Wahrheit des Glaubens angeboten, die ihrerseits den Mythos der Selbstherrlichkeit des Menschen als Hybris enttarnt und vor ihren Folgen warnt.

V.Rad sieht übrigens in 2,24 die Zusammenfassung des bisherigen Schöpfungsberichtes: die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung des Getrennten. Der Satz kann kaum aus dem patriarchalischen orientalischen Denken kommen, weil dort die Frau ihre Familie verlässt. Er lässt sich am schönsten als Steilvorlage für Jesus (Mt. 19,5) deuten.

2.2. Reflexion: Quelle

Gen. 2,4 – 25
Sekundärquellen: vRad, Komm. zSt., Delitzsch zSt.

3. Gen. 3: Sündenfall

3.1. Einführung

Eine meisterhafte psychologische Darstellung einer Versuchungssituation. Das Generalthema heißt: „eritis sicut Deus“ (3, 5: ihr werdet sein wie Gott): die durchgehende Hauptsünde der Urgeschichte vom Sündenfall bis zum Turmbau und bis heute. Es ist die Weigerung, sich Gottes Wort zu unterstellen, stattdessen einen Standpunkt über Gott einnehmen zu wollen. Damals wie heute: die Autonomie des Menschen und die moderne Emanzipation von der Religion. Die spätere christliche Interpretation der Frucht als ein Apfel wurde wohl durch die Assoziation malus – malum nahe gelegt.

Nach vRad, Komm. zSt., sei die Schlange nicht wie in der traditionellen kirchlichen Auslegung der Satan (Apc. 12, 9), sondern eher beiläufig zur Veranschaulichung erwähnt. Die Schuld solle dem Menschen alleine zugeschrieben sein. Dem entgegen steht jedoch die prominente Rolle der Schlange in 3, 1-4. 14f und die von vRad selbst gesehene symbolische Bedeutung der Schlange im gesamten Orient sowie seine eigenen Erläuterungen zu 2,14f. Selbstverständlich wird 3, 14 seit der frühesten Christenheit messianisch gedeutet.

Scham ist hier Zeichen einer schweren Störung, Furcht und Scham sind die Stigmata des Sündenfalles. (vRad)

Man kann die Scham aber auch positiver werten: Unter den Bedingungen der Existenz, also nach dem Sündenfall, schützt sie den Menschen (wunderbar: Gott als Schneider/Kürschner bekleidet Adam und Eva: 3,21). Sie ist nicht lediglich spießbürgerlich erzwungene Konvention und Moral. Sie wahrt nämlich die Distanz zum anderen. Sie bezieht sich nicht nur auf den sexuellen Bereich. So gebietet die Scham es beispielsweise auch, den anderen nicht ungefragt mit den eigenen ungelösten Problemen zu überschütten. Das ist schamlos bzw. unverschämt.

Die folgenden Worte sollen als „Ätiologien“ erklären, weshalb manches Schlimme so ist, wie es ist: ungeschminkter Realismus der Bibel.

Nach dem Negativen dreht 3,20 ins Positive: Die Frau erhält den Ehrentitel תוה „Eva“ (3, 20: derselbe Wortstamm (leben) wie יהוה Jahve!), während der leicht pejorative Wortstamm des Menschen אדם „Adam“ aus 1,27 (mit der Konnotation אדמה: Erde) dann am Manne allein hängen bleibt.

Die göttliche Selbstreflexion 3,22 dagegen ist als beißende Ironie zu verstehen, vielleicht mit mitleidsvollem Unterton (vRad).

3.1.1. Zur Geschichte der Interpretation des

Sündenfalles

Der Glaubwürdigkeit der Berichte von Schöpfung und Sündenfall hat die in der Volksfrömmigkeit banalisierte Form der Lehre von der „Erbsünde“ erheblich geschadet. Keiner möchte verantwortlich gemacht werden für das, was jemand in weiter Vorzeit einmal getan haben sollte. Schon zu Zeiten des Propheten Jeremia hat man sich gegen eine Sippenhaft-Vorstellung gewehrt, obwohl das ja zumindest teilweise doch auch wahr ist: „Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne stumpf.“ (Jer. 31,29) Man spricht besser mit der korrekten theologischen Tradition vom peccatum originale, der Ur-Sünde von Adam (also: der Menschheit). Die Sünde (Wortstamm von Sund, also Getrenntsein von Gott) setzt einen generationenübergreifenden Prozess des Bösen in Gang, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Aber diese fatale Linie kann auch durchtrennt werden: Ps. 79,8: „Rechne uns die Schuld der Väter nicht an…“ Die Brücke über den Sund der Sünde wurde erst durch den zweiten Adam errichtet: Christus (Röm. 5,12ff).

Wie aktuell Gen. 3 auch für die Gegenwart ist, kann man daraus erkennen, dass die bedeutendste philosophische Richtung des 20.Jh., der Existentialismus, im Grunde auch als Paraphrase der Sündenfall – Erfahrung aufgefasst werden kann. Die Begriffe „Essenz, Eigentlichkeit“ usw. sind säkulare Umschreibungen des paradiesischen Urstandes, der Zustand nach der Vertreibung aus dem Paradies wird u.a. als die „Uneigentlichkeit, das Geworfensein der Existenz“ o.ä. benannt.

Auch im Marxismus ist die Sündenfall-Geschichte eines der wichtigsten Strukturelemente der gesamten Ideologie: Der Sündenfall besteht hier in der Fremdbestimmung des Menschen durch die Einführung der Arbeitsteilung und des damit verbundenen Privateigentums.

Der moderne Humanismus geht von der Voraussetzung aus „ich bin ok – du bist ok“. Eine natürlich gern gehörte Fehleinschätzung, die ihrerseits dann zur Erklärung des Bösen in der Welt ihre eigenen Sündenböcke braucht.

Die von vielen Theologen vertretene Ansicht, man müsse Gen. 3 „entmythologisieren“, um für die säkulare Welt heute verständlich reden zu können, erweist sich hier als ein fataler Irrtum. Man muss umgekehrt die verborgenen religiösen Mythen der modernen Ersatz- Religionen aufdecken und von der Bibel her infrage stellen.

Schließlich noch eine Klammer zum NT: In der feierlichen Liturgie der Osternacht wird traditionell das „exsultet“ gesungen mit der theologisch gewagten, steilen Formulierung: „o felix culpa“. Der Sündenfall ist letztlich die „glückliche Schuld” Adams, die zu Jesu Opfer führte und damit uns das Reich Gottes eröffnete!

Gen. 3: Die erste Sünde: Die Hybris, die Überheblichkeit – zu sein wollen wie Gott. Es folgt
Gen. 4: Die zweite Sünde: der Neid – sich vergleichen mit anderen – mehr haben wollen.

3.1.2. Gen. 4, 1 – 16: Kain und Abel

Nach der gegenseitigen Verführung der Ehepartner zur Sünde folgt jetzt bereits der erste Bruderkonflikt, der direkt mit einem Totschlag endet. Furchtbar ist, dass diese Sünde ausgerechnet noch im Angesicht Gottes, im kultischen, religiösen Bereich geschieht!

Gott hat die Freiheit, den einen Menschen zu begünstigen, den anderen dagegen nicht (Ex. 33, 19), auch wenn es aus unserer Sicht als „ungerecht“ empfunden wird. Das große Menschheitsrätsel der Ungleichheit kann nicht gelöst werden. Die Verschiedenheit der Menschen und der Chancen in ihrem Leben wächst noch mit der Aufspaltung der Berufe, hier bereits in die beiden Agrar- Hauptrichtungen Ackerbau und Viehzucht. Die Chancenungleichheit kommt schon in der Namensgebung zum Ausdruck: Kain bedeutet übersetzt: Lanze, Abel ist eine Anspielung auf הבל (hbl): Hauch, Nichtigkeit.

Die 2. Satzhälfte von 4.1 ist völlig dunkel und gilt in ihrem wörtlichen Sinn als heute nicht mehr erklärbar. Buchstabengetreu wäre: „Ich habe einen Mann hervorgebracht: Jahve.“ Die Übersetzung „mithilfe Jahves“ (zB. Lutherbibel) ist ein offensichtlicher Notbehelf. Sehr interessant aber auch nicht ganz unproblematisch ist die messianische Deutung von Fruchtenbaum, S.17.

Gen. 4 zeigt das Bild des aus dem Paradies vertriebenen Menschen: Die Sünde ist nun angewachsen, der Mensch ist unstet und flüchtig auf der Erde. Land „Nod“ bedeutet so viel wie „flüchtig“ – das Land der Ruhelosigkeit. Dem Fluch folgt dann doch eine gewisse schützende Zuwendung. Trotz aller Bestrafung bricht auch im AT immer wieder die Barmherzigkeit Gottes durch.

3.1.3. Gen. 4, 17-24: Die Kainitenliste

Die sog. Kainitenliste hat ein auffälliges Interesse für die Entstehung der Kultur und berichtet die Anfänge der Kulturgeschichte zwischen Landbau und Nomadentum. Die Nachkommen Kains waren wohl halbsesshaft und als Schmiede, Kesselflicker und Musikanten bekannt. Der Beginn der Kunst ist aber gleichzeitig wieder Beginn einer stärkeren Differenzierung und Verrohung, wie das Lamechlied zeigt, das sicherlich zum Urgestein der Genesis gehört.

Das Lamechprinzip (4, 23) mit seiner brutalen Durchsetzung des Stärkeren zeigt in der Geschichte des Anwachsens der Sünde den „Geist einer wilden Selbstbehauptung“ (vRad zSt.). Es wird in der Tora schon sehr früh im Bundesbuch durch das Talionsprinzip (Ex. 21, 24) wieder eingefangen.

Wahrscheinlich spielt Jesus bei der Frage nach der Vergebung mit der Zahl Sieben direkt auf das Lamechlied an. (Mt. 18,22)

3.1.4. Gen. 4, 25 f: Die Sethitenliste

Die sog. Sethitenliste führt als Fragment über das Anwachsen der Sünde weiter zu Noah hin.

Die offenkundige Verwandtschaft mit der Kainitenliste ist ungeklärt.

Schwierig ist auch die Bemerkung über den Anfang des Jahve – Kultes vor Mose. Möglicherweise gab es neben dem Volk Israel schon vor der Sinai–Offenbarung eine Jahve – Verehrung bei anderen Stämmen. Dann will dieser Satz die Anbetung Jahves als die eigentliche Urreligion der ganzen Menschheit proklamieren.

3.1.5. Gen. 5: Genealogie von Adam bis Noah

Diese Genealogie תולדות (toledoth) wird der Priesterschrift P zugeschrieben und könnte der Anfang eines ganzen Buches von Genealogien gewesen sein. Bruchstücke von ihr werden uns noch in der weiteren Lektüre der Genesis begegnen.

Lebenszeit der Väter:

von Adam bis Noah 700-1000 Jahre

von Noah bis Abraham 200-600

Patriarchen 100-200

Gegenwart 70-80

 

Die hohen Lebensalter sind ungewöhnlich und unterschiedlich erklärt worden:

  • sie könnten als exakte Zahlen gemeint sein und auf die größere Lebensenergie des Anfanges hinweisen, der näher bei Gott war
  • sie könnten eine verloren gegangene symbolische Bedeutung haben, die uns heute nicht mehr erkennbar ist (s.u. zu Gen. 6, 3)
  • sie könnten insbesondere im Zusammenhang mit den Maßen der Stiftshütte oder des Tempelbaues stehen

Henoch (Nr.7) und Noah (Nr. 10) sind besonders hervorgehoben.

Außergewöhnlich ist die Bemerkung über Henochs „Wandel mit Gott“ (5, 22) und seine Entrückung zu ihm. Beides wird später in der Apokalyptik eine große Rolle spielen.

3.2. Reflexion: Quelle

Gen. 3 – 5
Sekundärquellen: vRad, Komm., zSt., Fruchtenbaum, S. 17-19

4. Gen. 6 – 9: Sintflut und Noahbund

4.1. Einführung

4.1.1. Gen. 6, 1-4 Vorgeschichte: die Engelehen

Für die Bibel ungewohnt archaische Begrifflichkeit begegnet uns hier. Eine der ganz wenigen Stellen der Bibel, die sich mit Elementen ausdrückt, die wir sonst nur von außerbiblischen Mythen kennen. Die Steigerung der Sünde betrifft jetzt auch die Kommunikation mit der himmlischen Welt: Die Geschichte nimmt vielleicht sogar vorjüdisches Gedankengut auf und verarbeitet es mit dem Jahve-Glauben, um das Überhandnehmen der Sünde drastisch darzulegen. Schon im alten Judentum wurde heiß diskutiert, ob hier wirklich eine Vermischung (gefallener) Engel mit Menschenfrauen gemeint sei. Dieses wurde weithin als Ketzerei angesehen. Wegen der Reinheit der Engel bezog man die Geschichte auf die frommen Sethiten, die Jahve-Verehrer waren (4, 26), so auch noch Luther und die anderen Reformatoren.

Westermann (Bibelkunde zSt.) nimmt eine andere alte jüdische Tradition der Auslegung auf, nach der Fürstensöhne (als „Gottessöhne“ und Träger des Geistes Gottes) gemeint seien, und sieht darin einen kritischen Rückblick auf die vergangene Zeit der Könige.

Die meisten heutigen Ausleger stimmen darin überein, dass „Gottessöhne“ auch sonst im AT Wesen der Engelwelt bezeichnen, so wie בני הנביאים (bene hanebiim: 2. Kg. 2 u.ö.) nicht Söhne, sondern Zugehörige oder Jünger der Propheten sind. Die Sünde hat also jetzt auch einen dämonischen Anteil bekommen.

Das Archaische dieser Geschichte darf uns nicht den Blick darauf verstellen, welches kritische Potenzial hier zum Ausdruck kommt: In jeder Ideologie, die in der Vorstellung vom „Übermenschen“ liegt, steckt immer auch ein dämonischer Faktor. Dies gilt für rassistische Ideologien genauso wie für moderne medizinische Abwege der Selektion von Menschen.

Die 120 Jahre (6, 3) bedeuten entweder eine „Gnadenfrist“ oder das „ideale Höchstalter“, (Mose wird 120 Jahre alt werden!). 120 ist das Produkt von 1x2x3x4x5, während die Lebenszeit normaler Menschen auf 70 Jahre (Ps. 90,10) verkürzt wird (Plaut zSt). Schön ist die zusammenfassende Formulierung von Delitzsch: Gottes „Liebe mitten im Zorn“.

4.1.2. Gen. 6, 5–8: Der Prolog vor der Sintflut

Zahlreiche außerjüdische Völker kennen die Flutgeschichte mit teilweise erstaunlichen Übereinstimmungen mit der biblischen Geschichte quer durch die Kontinente der Welt. Dieses häufige Vorkommen verwendet Delitzsch betont als Beweis der Geschichtlichkeit der Sintflut-Geschichte gegen eine Deutung als Mythos.

Die Verse 5 – 8 werden allgemein als erster zusammenhängender Text der redaktions- geschichtlichen Komposition von J verstanden. Gut möglich. Sie konstatieren ein stetiges Anwachsen der Sünde von Adam und Eva bis hin zur Generation Noahs. Mit 6, 9 werden in einer eigenen Überschrift die ʺתולדותʺ (toledoth: Genealogie) von Noah angekündigt.

4.1.3. Gen. 6 – 8: Die Flut

In der Geschichte der Sintflut ist regelrecht mit Händen zu greifen, dass hier verschiedene Überlieferungsstränge zusammengeflochten wurden. So fällt auf den ersten Blick auf, dass Noah einmal von jeder Tierart ein Paar in die Arche nehmen solle (6, 19), ein andermal aber von jedem reinen Tier 7 Stück (7, 2). Einmal dauert der Regen 40 Tage (7, 12), einmal 150 Tage (8, 3). Auffallend viele Einzelheiten werden zweimal erzählt. Selbst der konservative Theologe Delitzsch geht hier von zwei verschiedenen Quellen aus. Bei der Niederschrift sei der Schreiber von einer Hauptquelle ausgegangen, die er nach seiner vorliegenden Kenntnis von einer anderen Quelle angereichert habe, und zwar so kunstvoll, dass man erst bei genauerem Hinsehen diese Tatsache erkennen könne. Dem ist kaum ernsthaft zu widersprechen.

Der Theologie der Gegenwart ist das aber zu wenig. Sie weist jeden Vers bzw. Halbvers den Quellen J und P, evtl. zusätzlich auch noch einem deuteronomistischen Redaktor „DtrT“ zu. Damit entsteht ein Textpuzzle, das zuerst einmal auseinandergeschnitten und anschließend wieder zusammengesetzt wird. So bringt selbst der seriöse Altmeister vRad in seinem Kommentar nicht mehr den Bibeltext, sondern druckt seine Vorstellung zweier Sintflut-Geschichten von J und P hintereinander ab. Nach vielen Umstellungen kommen zwei durchaus lesbare Texte zustande. Westermann (Calwer Bibelkunde) geht noch von einer zusätzlichen deuteronomistischen Redaktion aus, der ebenfalls einzelne Verse oder Versteile zugesprochen werden.

Zum Vergleich: Die Sintflutgeschichte des Jahvisten liest sich folgendermaßen nach:

vRad

Westermann vRad

Westermann

Gen.: 7

Gen.: 8

1-5

1-2

2b

4-5

3a

7

6-12
16b

6a

 

 

8

2b

9

3a

10

6b

12 12

8-12

16b

13b

13b

17b 17b

20

20-22

22

23 23

 

Man kann schon darüber staunen, mit welcher Selbstverständlichkeit in der Theologie einzelne Geschichten und Verse oder sogar Versteile den hypothetisch angenommenen Quellen zugeteilt werden. Ausgelegt wird dabei meistens nicht mehr die Bibel, sondern es wird die Theologie der Quellen dargestellt, so wie man sie gefunden zu haben vermeint. Ohne Frage kommen hier wichtige Einzelheiten deutlicher und plastischer heraus – ähnlich wie im NT bei einem synoptischen Vergleich. Es muss jedoch immer klar sein, dass diese Quellen hypothetische Annahmen sind. Mit dieser Art von Quellenscheidung mit Lupe und Pinzette werden wieder neue Fragen aufgeworfen: Wieso wird die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren nicht P zugerechnet – das ist doch Wissen und Interesse der Priesterschaft? Gehören die Aussendung des Raben und der Taube zu J (Westermann) oder gehört nur die Taube zu J, der Rabe aber zu P (vRad)? usw.

Fazit: Die Quellenscheidung ist als Arbeitshypothese wichtig zum genaueren Verständnis der Schrift. Für die geleistete Tüftelarbeit können wir durchaus dankbar sein. Sie ist allerdings deutlicher als Arbeitshypothese zu kennzeichnen. Die theologische Bearbeitung von angenommenen Quellen darf jedenfalls keineswegs die Auslegung der Bibel ersetzen. Denn diese ist uns vorgegeben als Richtschnur unseres Glaubens, und nicht Konstrukte virtueller Quellen.

Nach dem stetigen Anwachsen und dem Überhandnehmen der Sünde ist das Gericht jetzt umso schwerer: Alles, was auf der Erde lebt, wird vernichtet bis auf das, was in der Arche gerettet wird. Wunderbar anthropomorph ausgedrückt: Noah stimmt Gott mit seinem Opfer um durch den lieblichen Geruch in seiner Nase. Er gibt eine Garantie des Jahres- und Tagesrhythmus, solange die Erde steht. Der Mensch wird auch durch schwerste Strafen nicht wirklich gebessert: Hier äußert sich wieder der ungeschminkte Realismus der Bibel. Anstelle der eingängigen Beschönigungen wie: „ich bin ok, du bist ok“! oder: „ich bin klein, mein Herz ist rein“ heißt die lapidare Feststellung: „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“. (8,21) Das wird sich zum Ende der Urgeschichte beim Turmbau zu Babel gleich wieder bewahrheiten.

So war auch die radikale Lösung einer Riesenflut letztlich keine Lösung des Problems der Freiheit des Menschen zur Sünde. Es wäre schlechterdings zum Verzweifeln, wenn man nicht mit dem Apostel Petrus die Sintflut als Typus für ein anderes Ersäufen auslegen dürfte: die Taufe (1.Ptr. 3,21). Aber erst einmal schließt Gott mit Noah einen Bund.

4.1.4. Gen. 9: Der Bund mit Noah

ברית (berit: Bund) ist einer der wichtigsten Begriffe der Genesis und wird mit dem Sinai-Bund zum Leitmotiv des gesamten ATs (s.u. zu Gen. 17). Dieser Bund hat ein Zeichen: „meinen Bogen“. קשת (käschät) ist nicht Zeichen lauer irdisch – himmlischer Harmonie, sondern eine Waffe: der Kriegsbogen. Gott will damit den Menschen zeigen, dass er seine Waffe beiseitegestellt und die Menschheit jetzt nichts mehr zu befürchten habe. Das erste Wort Gottes über diesen Äon ist ein Segen!

Die Schwere des Fluches Noahs entspricht kaum der geschilderten Tat. Hier ist wohl aus Scham etwas nicht gesagt worden, was der Hörer möglicherweise assoziierte (nämlich das, „was ihm sein jüngster Sohn angetan hatte“: 9, 24, so vRad).

4.2. Reflexion: Quelle

Gen. 6 – 9
Sekundärquellen: vRad, Komm. zSt., Delitzsch zSt., Westermann, Bibelkunde, S. 28f

5. Gen. 10: Die Völkertafel

5.1. Einführung

Die in Kap.10 enthaltene toledoth der Söhne Noahs („Völkertafel“) mag zwar für die Altorientalistik von unschätzbarem Wert sein, in unserem Zusammenhang erübrigt sich aber eine intensivere Erörterung.

Wichtig ist für uns einmal, dass sie die Erfüllung des Auftrages „seid fruchtbar und mehret euch!“ (1, 28) signalisiert und gleichzeitig der Erweis des hiermit verbundenen Segens ist. Zum anderen fällt im Vergleich zu ähnlichen Texten aus dem Umfeld Israels auf, dass hier politisch leidenschaftslos und ohne irgendwelche religiöse Überhöhung der politischen Gegebenheiten beschrieben wird. Auch dieses Kapitel ist (wie bereits Gen. 1) eine deutliche Entmythisierung der sicherlich auch schon bekannten ähnlichen Texte der heidnischen Völker der Umgebung.

Die knappe Bemerkung „denn in seinen Tagen trennte sich die Erde“ (10, 24 nach Luther) ist unklar. Jedenfalls kann ארץ(äräz) nicht nur die Erde, sondern auch: das Land bedeuten, aber auch die Stammesterritorien oder auch das Ackerland.

5.1.1. Gen. 11: Der Turmbau zu Babel

Mit dem Turmbau zu Babel kommt die Urgeschichte jetzt zu ihrem traurigen Höhepunkt und Abschluss.

Der Ausdruck, dass die Spitze des Turms bis an den Himmel reiche, ist nicht so zu verstehen, dass es das Ziel sei, (wie in heidnischen Sagen) den Himmel zu stürmen. Es solle vielmehr die besondere Höhe dieses „Wolkenkratzers“ bezeichnen. Entsprechend liegt dann in dem kräftigen Anthropomorphismus 11, 5 eine beißende Ironie: Dieser riesige Turm ist so klein, dass Jahve sich extra vom Himmel herab bemühen muss, um ihn überhaupt vor Augen zu bekommen. Es geht also nicht um das „eritis sicut Deus“ des Sündenfalles. Dennoch erinnert 11, 6 an 3, 22 (Delitzsch). Es geht hier um eitle Ruhmsucht, „heimlichen Titanismus“ (vRad). Dasselbe Motiv zieht sich dann durch die ganze weitere Geschichte sowohl der Kirche (zB: Petersdom, Ulmer Münster, Dom zu Speyer, Christuskirche Mainz) als auch der profanen Bauten (Chrysler Building u.v.a.). Das Phänomen ist also tatsächlich weltweit verbreitet. Und so verwundert es nicht, wenn auch ganz andere Völker und Volksstämme eine ähnliche Geschichte der Sprachverwirrung kennen (s. Delitzsch).

Der überraschende Plural in 11,7 wird von uns Christen natürlich trinitarisch gedeutet.

Ganz besonders schwer wiegt die Tatsache, dass am Ende der Geschichte des Turmbaues anders als in allen anderen Teile der Urgeschichte diesmal kein versöhnlicher Abschluss, kein Segen und keine Möglichkeit zur Umkehr etc. folgen. Damit endet die Urgeschichte sozusagen schwarz in schwarz. Das ist eine feine, wenn auch leicht übersehbare Absicht. Denn erst auf diesem Hintergrund kommen der Segen und die Verheißungen der Vätergeschichte richtig zum Glänzen.

Aus christlicher Sicht ist aber auch das noch zu kurz gesprungen. Wir lesen die Geschichte von der Sprachverwirrung natürlich als Prolog der Pfingstgeschichte.

5.1.2. Geschlechtsregister (toledoth)

Die beiden anschließenden Geschlechtsregister (תולדות: toledoth) stellen die Verbindung her zwischen der Urgeschichte und der nun folgenden Vätergeschichte. Da es in der Urgeschichte keinen versöhnlichen Abschluss gibt, dient die gesamte Vätergeschichte dazu, diesen Abschluss zu ersetzen.

5.2. Reflexion: Quelle

Gen. 10 – 11
Sekundärquellen: vRad, Komm. zSt., Delitzsch, zSt.

Gen.12-50: Struktur und Deutung der Vätergeschichten

Die gewohnte Struktur der Vätergeschichten mit der Aufgliederung in Abrahams- Jakobs- und Josephsgeschichte entspricht nicht der ursprünglichen Gliederung. Die Überschrift in 25,19 „Dies ist die toledoth (Genealogie) Isaaks“ lässt erkennen, dass von hier bis zum Tode Isaaks (35,28) eigentlich eine Isaak-Familiengeschichte vorliegt, die dann 27,2 mit der Überschrift „Dies ist die toledoth Jakobs“ abgelöst wird, die bis zum Tod Jakobs in Gen. 50 reicht (vRad, S. 211). Dies gilt auch dann, wenn über Isaak eigentlich nur in Gen. 26 ausführlicher berichtet wird. vRad weist (S. 286) darauf hin, dass die Sippe, solange der Geschlechtsälteste lebte, unter seinem Namen firmiert. Diese Struktur wird der bekenntnisgemäßen Vätertrias Abraham – Isaak – Jakob gerechter als die heute geläufige, die sich nach dem Inhalt der Geschichten richtet. So lautet die ursprüngliche Gliederung:

Gen. 12 toledoth Abrahams
Gen. 25 toledoth Isaaks
Gen. 27 toledoth Jakobs
Wir bleiben hier aber bei der heute geläufigen Struktur.

 

Die Vätergeschichten haben in den letzten Jahrhunderten eine teilweise abenteuerliche Geschichte ihrer Auslegung erdulden müssen. Nach dem für die konservative Auslegung „klassischen“ Genesis-Kommentar von Delitzsch, der die Vätergeschichten betont heilsgeschichtlich deutet, gab es zahlreiche andere Ansätze. Dazu einige Stichworte aus der informativen Zusammenfassung von Westermann, Genesis 12 – 50, S.2ff:

1. J. Wellhausen erklärt die Vätergeschichte als Rückprojektion aus der Königszeit in die Zeit der Patriarchen. Kommentar: Dagegen sprechen die viel älteren Teile der Vätergeschichten.

2. Mit der mythischen Deutung und der Entdeckung der babylonischen Mythologie der „Panbabylonisten“ wurde Abraham zu „einem menschlichen Abbild des Mondgottes“ erklärt. Kommentar: unglaublich, zu welchem Unsinn atl. „Wissenschaft“ führen kann.

3. Die stammesgeschichtliche Deutung sieht hinter jeder Erzählung ein Abbild einer stammesgeschichtlichen Entwicklung. Wenn z.B. Rahel bei der Geburt Benjamins stirbt, so bedeute das im Klartext, dass der Stamm Rahel aufhörte zu existieren, sobald der Stamm Benjamin als selbstständiger Stamm entstand. Kommentar: Hier wird eine im Einzelfall sicher richtige Deutungsmöglichkeit zum alleinigen Generalschlüssel der Auslegung hochgezoomt.

4. Die form- und traditionsgeschichtliche Deutung von den einzelnen Geschichten her kommt zu dem „kritischen“ Schluss, dass alle Erzählungen Fantasiegebilde seien. Kommentar: undenkbar, dass sinnfreie Fantasiegebilde ohne geschichtlichen und religiösen Bezug über Jahrhunderte treu weiter tradiert würden.

5. Die Deutung der Vätergeschichten von der Väterreligion her geht davon aus, dass der Gott Abrahams lediglich der Gott einer Sippe und erst später mit dem Gott Isaaks und dem Gott Jakobs identifiziert worden sei. Kommentar: Die hier notwendig zugrunde liegende Annahme, dass אל (el) einen Sippengott bezeichne, ist längst durch die Funde aus Ugarit widerlegt worden. Dort bezeichnet אל einen kanaanäischen Hochgott.

6. Die Deutung der Vätergeschichte mithilfe der Archäologie hat dann überraschend die Wahrheit vieler inzwischen vorschnell zu „Sagen“ oder „Mythen“ erklärter Orte und Namen der Vätergeschichten als historisch nachweisen können. Kommentar: also doch.

7. Der Focus der anschließenden Forschung liegt jetzt nicht mehr in erster Linie auf der Quellenscheidung, sondern auf der Erforschung davor liegender mündlicher Schichten. Kommentar: einerseits eine wirklich spannende Tüftelei, die das genauere Verständnis einer Vätergeschichte sehr bereichern kann; andererseits aber die Gefahr, mit Stangen blind im Nebel zu stochern und sich in altphilologischer Akribie zu verlieren, statt die Schrift als Wort Gottes an uns zur Geltung kommen zu lassen.

Tatsächlich sind die Vätergeschichten nichts anderes als die erzählerische Entfaltung des uralten Glaubensbekenntnisses: „ein umherziehender Aramäer war mein Vater, der nach Ägypten zog“ (Dt. 26, 5). Sie stellen einen ganz gewichtigen Schwerpunkt des Pentateuchs dar. Sämtliche Teile der Urgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zu Abraham füllen in der Lutherbibel 10 Druckseiten aus. Für die lediglich drei bis vier Generationen der Vätergeschichten genehmigt sich die Genesis dann opulente 44 Druckseiten. Dabei sind theologisch die Abrahamsgeschichten die wichtigsten und bedeutendsten.

Die atl. Forschung geht weithin davon aus, dass die einzelnen Geschichten ursprünglich selbstständig mündlich weitererzählt und vom Redaktor der Vätergeschichten dann in einen größeren Gesamtzusammenhang gestellt und niedergeschrieben worden seien.

Der Erzähler hat diese Einzelgeschichten unter einem Generalthema sehr eindrucksvoll verbunden. So wie die Urgeschichte als durchgehenden Roten Faden den Einbruch der Sünde und ihre Vermehrung hat, hat die Vätergeschichte den Segen und die dazu gehörige Verheißung zum Inhalt. Dabei ist immer eine doppelte Verheißung genannt: die Verheißung der zahlreichen Nachkommenschaft und die des Landes.

Der grundlegende Segen, der sich durch die gesamten Vätergeschichten zieht, ist der Abrahamssegen: „Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein“ (12, 1-3). Die weiteren Segensworte kann man als dessen Variationen betrachten:

  • 12,1-3 grundlegender Segen und Verheißungen an Abraham
  • 13,16; 15,5; 17,5ff; 18,18; 22,17 Wiederholung / Erneuerung des Segens
  • 26,4. 24 und 35,11: Weitergabe an Isaak und Jakob

Überall findet man in den Vätergeschichten den segnenden und verheißenden Gott wieder. Man kann daher durchaus zutreffend die Vätergeschichten auch als Segensgeschichten oder als Verheißungsgeschichten auffassen! Dies legt nicht zuletzt auch die Tatsache nahe, dass die Vätergeschichten mit dem grundlegenden Segen Abrahams beginnen und (abgesehen von dem „Nachspann“ in Kap. 50) mit dem schwergewichtigen Jakobsegen enden.

Exkurs: Segen – ברח

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Segen ist die göttliche Kraft des Guten.

Das deutsche Wort „segnen“ kommt vom lat. signare = das Zeichen schlagen (das Kreuz). Diese Bedeutung erlangte der Begriff natürlich erst unter christlichem Einfluss. Religionswissenschaftlich wird Segen definiert als „selbsthandelnd gedachtes Wirk-Wort“ und als „Zusprechen von heilender Kraft“ (RGG3)

Im AT ist Segen lediglich diesseitig gedacht als Vermehrung und Steigerung der Lebensqualität: Er bewirkt Fruchtbarkeit, Vermehrung und Steigerung des Lebens (Gen. 1, 28: Seid fruchtbar und mehret euch….)

Zu diesem Schöpfungssegen kommt in den Vätergeschichten noch zusätzlich die Erwählung hinzu und die Landverheißung: Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein (Gen. 12, 2 und die folgenden ähnlichen Stellen).

Dabei ist Segen ein „Machtwort“: Es kann nicht mehr zurückgenommen werden. Er bewirkt, was ausgesprochen wurde (Gen. 27,33: Jakob erschleicht den Segen): Ich habe ihn gesegnet – er wird auch gesegnet bleiben.

Ganz tiefgründig ist Gen. 32, 27 (Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn): Selbst das Gefährliche muss dem Gerechten zum Segen werden.

Der wohl schönste Segen im AT ist der liturgische Segen des Aaron (Num. 6, 24: Der Herr … lasse leuchten sein Angesicht über dir… ) im Sprachgebrauch des AT ist das uns fremd anmutende “Gott segnen“ (z.B. Ex. 18, 10) das bekennende Lob für erwiesene Heilstaten.

Im AT ist segnen die Aufgabe des Familienvaters (nicht nur der Priester und Propheten)

Die Beschränkung des Segens auf das Diesseits kann erst im NT überwunden werden. Am schönsten sicherlich im großartigen Epheser- Hymnus: Gelobt sei Gott …, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus … (Eph. 1, 3)

Neben ihrem religiösen Inhalt haben die Vätergeschichten sicherlich auch eine pädagogische Funktion und antworten auf die Fragen: Wie geht man in der Familie miteinander um, wie mit den anderen Sippen und vor allem auch mit den eigenen Geschwistern.

6. Gen. 12 – 25: Die Abrahamgeschichten

6.1. Einführung

Die Abrahamgeschichten zeigen auffallend häufige Redundanzen. So sind der Abrahamssegen Gen. 12, der Bund mit Gott Gen. 15 und der ausführliche Bundesschluss Gen. 17 eng miteinander verwandt. In Gen. 12 liegt der Akzent stark auf dem Exodus-Charakter, in Gen. 15 auf dem Glauben Abrahams und in Gen. 17 auf dem Bundeszeichen der Beschneidung. Auch dies ist ein Zeichen des Reichtums der Schrift und sollte nicht glattgebügelt werden. Dreimal werden Bund, Segen und Verheißung thematisiert. So wichtig ist das im Gesamtzusammenhang des Pentateuchs. Der Erzähler, der sie gesammelt hat, konnte also offensichtlich aus einer Vielzahl von Väterüberlieferungen schöpfen.

Die atl. Wissenschaft teilt diese Stücke in kleinen und kleinsten Häppchen säuberlich dem Jahvisten, der Priesterschrift und einer deuteronomistischen Redaktion zu. Eine aufschlussreiche tabellarische Übersicht dazu bei Westermann, Bibelkunde, S. 34ff. Ob diese Puzzlemethode sinnvoll ist und dem Bibeltext gerecht wird, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall öffnet sie die Augen für Details, die man sonst leicht überlesen hätte.

6.1.1. Gen. 12, 1 – 9: Der Abrahamssegen

Der Befehl zum Auszug wird nicht begründet und ist damit umso schwerer zu befolgen. Verlassen der Heimat bedeutete für den damaligen Menschen „eine fast unvollziehbare Zumutung“ (vRad. Allerdings war Abraham ja Halbnomade). Auf jeden Fall: eine Glaubensgeschichte (wie später auch insbesonders Gen. 18 und 22!) Als solcher wird Abraham dann im Judentum und ebenso im NT zum Vater des Glaubens (Röm. 4,1).

Der Befehl zum Auszug kann als Typos für den Exodus aus Ägypten gelten und dann weiterhin als Typus für die Nachfolge Jesu (etwa Lk. 9 und Mt. 10).

Das nachfolgende Reisetagebuch soll sicherlich nicht nur geographische Kunde bringen, sondern ganz deutlich zeigen: Der Herr braucht nur zu befehlen, und schon zieht der vorbildliche Abraham überall hin, wohin er soll.

Der Abrahamssegen: „Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein“ (12,2) ist wohl der wichtigste Satz der gesamten Vätergeschichte und beinhaltet in nuce schon alles, 23 was anschließend berichtet werden wird. Seine Fortführung „in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (12,3) weist dann schon ganz weit voraus in den Neuen Bund.

6.1.2. Gen. 12,10-20: Abraham und Sara in Ägypten

Diese befremdend anmutende Begebenheit schildert den Typ der Geschichten der „Gefährdung der Ahnfrau“, wie er später uns noch einmal ähnlich in Gen. 20,1ff und bei Isaak und Rebekka Gen. 26, 7-11 begegnen wird. Ein Hindernis für eine unvoreingenommene Deutung ist die moralische Entrüstung, die sich bei uns sofort meldet mit der Frage: ist Abraham dabei nicht auch schuldig geworden?

Warum bildet ausgerechnet diese doch recht anstößige Geschichte den Anfang der Abrahamsgeschichten? Wohl deswegen, weil mit dieser Situation die gesamte Verheißung von 12, 1 – 3 hinfällig geworden wäre. Gleichzeitig soll sie direkt zu Beginn deutlich machen, dass in Wirklichkeit Jahve die Geschichte lenkt und eben nicht der Mensch.

6.1.3. Gen. 13: Abraham und Lot

Abraham und Lot trennen sich. Dies signalisiert schon die bereits eingetretene Erfüllung zumindest eines Teils der Verheißung: Die Herden sind zu groß geworden, als dass man noch zusammen das gemeinsame Weideland nutzen könne. Im Unterschied zu den späteren Auseinandersetzungen unter Brüdern wird hier ausdrücklich der gute Familienfrieden betont. Entsprechend belohnt das Jahve durch Erneuerung des Segens und der Verheißung.

6.1.4. Gen. 14: Abraham rettet Lot

Der hervorragende Zusammenhalt innerhalb der Sippe wird noch deutlicher und bietet den positiven Hintergrund für das, was später in den Vätergeschichten zu berichten ist. Besonders auffallend ist die minutiöse Genauigkeit der geschichtlichen Zuordnung mit den Namen der verschiedenen am Krieg beteiligten Könige.

Bleibende Bedeutung hat von ihnen für uns Melchisedek, oberster Priester und König von Jerusalem, der dem Abraham in einer Zeichenhandlung Brot und Wein (!) bringt. Wahrscheinlich war die Bezeichnung אל צליון(el eljon) der Ehrenname einer vorjüdischen Gottheit, die in Jerusalem verehrt wurde. Er wurde dann wohl von dem Jahveglauben aufgesogen und in die Jerusalemer Jahve-König- Tradition mit hineingenommen, die uns nicht zuletzt in den herrlichen Königspsalmen begegnet.

Über Psalm 110,4 wird Melchisedek im Christentum bereits bei Hebr. 5-7 messianisch als Typos auf Christus hingedeutet.

6.1.5. Gen. 15: Der Bundesschluss

Eine erneute Verheißung von Nachkommen mit dem bedeutsamen Satz: „Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er im zur Gerechtigkeit“ (15, 6). Das NT nimmt Abraham als Typos des Glaubenden auf (Röm. 4, 2 und Jak 2, 23). In der Reformation wurde dieser Satz bestimmend für Martin Luther. Zum Bundesschluss gehört natürlich ein Opfer und das schildert endlich Gen. 15 ausführlich.

6.1.6. Gen. 16: Hagar und Ismael

Zum Realismus und zur Ehrlichkeit der Bibel gehört es, dass sie selbst bei ihren großen Glaubensvorbildern die Schattenseiten nicht verschweigt. In der Rivalität zwischen Sarah und Hagar fällt der erste Schatten auf die sonst so lichtvolle Geschichte Abrahams. Ähnlich wird dieses Thema noch einmal aufgenommen in der noch dramatischeren Version der Rivalität zwischen Ismael und Isaak Gen. 21.

6.1.7. Gen. 17: Der ewige Bund mit Abraham

Feierlich und ausführlich wird der Bund mit der Verheißung von Nachkommenschaft erneuert. Das Schlüsselwort ברית (berit) ist mit „Bund“ aber nur unzureichend übersetzt. Es bezeichnet nämlich ein Vertragsverhältnis, das weniger auf Augenhöhe besteht als vielmehr von einem Stärkeren, Mächtigeren zu seinen Bedingungen dem schwächeren Partner angeboten wird. Es setzt die Vertragstreue des Schwächeren voraus und wird ansonsten annulliert. So wird der völkerrechtliche Vertrag mit einem Vasallenstaat berit genannt. Beide Vertragspartner können Könige sein, doch der Frieden wird dem einen vom anderen nach seinen Bedingungen gewährt. So wird auch der Sinaibund als „einseitiges Schutzverhältnis“ gesehen, und berit kann damit sogar zum „Synonym für Gebote“ werden. (vRad, Theologie, S.145). Noch weiter geht das THAT, das berit schlichtweg mit„Verpflichtung“ übersetzt (Bd. I, S. 339, Art.: E. Kutsch). Das ist vielleicht dann doch etwas zu stark pointiert. Auf jeden Fall ist dies aber wichtig, um zu verstehen, wie Israel sein Verhältnis zu Jahve verstehen sollte. Die Propheten werden dies später mit allem Nachdruck einfordern.

Als „Vater vieler Völker“ wird der Name Abram zu dem uns geläufigen Abraham (17, 5). Als Zeichen des Bundes wird jetzt die Beschneidung eingeführt. Im Unterschied zu dem Noahbund, der der ganzen Menschheit gilt und dessen Zeichen der Regenbogen ist, gilt der Abrahambund und damit die Beschneidung als Bundeszeichen nur für das auserwählte Volk. Ursprünglich wohl eine hygienische Maßnahme, wurde sie mit der Zeit rein religiös begründet und wurde besonders während des Babylonischen Exils zusammen mit der Sabbatheiligung zum identitätsstiftenden Merkmal in einer heidnischen Umwelt.

In Gen. 17 wirkt Abraham allerdings weniger vorbildhaft als in Gen. 15: Er reagiert auf die Ankündigung des Stammhalters mit ungläubigem Lachen. Im nächsten Kapitel ist Abraham wieder gefasst, während Sara ihrerseits ungläubig lacht.

6.1.8. Gen. 18: Besuch in Mamre und

Abrahams Fürbitte

Wieder die Ankündigung eines Stammhalters. Doch diesmal lacht Sarah ungläubig, während Abraham wieder als vorbildlich gezeichnet wird: Er überschlägt sich beinahe vor lauter Gastfreundschaft den drei Männern gegenüber. Die Männer werden durch V.1 als Jahve gedeutet. Auch in 13f wird ausdrücklich Jahve genannt.

Ähnlich schillernd beginnt die folgende Geschichte der Fürbitte Abrahams für Sodom: V. 16 brechen die Männer auf, während ab V. 17 – 21 ausschließlich der Herr genannt wird. V.22 dagegen sind die drei Männer deutlich von Gott unterschieden. Der Höchste erscheint schillernd in Gestalt der Männer und umgekehrt. Diesen Gedanken kann Jesus dann in Mt. 10, 40 fortführen: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Ebenso ist an Mt. 25 zu denken: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ In anderen Texten werden aus den drei Männern Engel. Durchaus zutreffend, denn lat. angelus heißt ja übersetzt nichts anderes als Bote. Die Dreizahl macht der jüdischen Auslegung eine Menge Kopfzerbrechen. Ein Gott erscheint in drei Personen. Natürlich hat die Kirche dies von Anfang an trinitarisch interpretiert.

Die Tatsache, dass es schillernd offen bleibt, ob Gott selber, Engel oder Männer geschildert werden, kann man als Schlüssel für die Auslegung sehen. Gottes Engel kann im AT Jahve selber bedeuten, andererseits können auch Menschen zu Engeln werden.

Selbst vRad sieht Jahve in allen drei Männern erschienen. Denn wären die beiden anderen nur Begleiter, gälte ihnen nicht die Einladung zum Festessen. Dass Gott gegessen habe, hat schon die alten Ausleger gestört. Die drei Männer wissen aber von der Kinderlosigkeit und kennen den Namen Saras. Dahinter steht die Absicht des Erzählers, der Jahve mit dem Schleier des incognito umgab. Adonai wurde schon von den Juden als Anrede Gottes interpretiert.

Die Gäste ziehen weiter und Abraham zieht mit. Gott geht manchmal in alltäglicher Menschengestalt um. Er ist nicht immer der angstauslösende Heilige, insofern kann man Mamre auch messianisch deuten: Gott wird Mensch. Aber hier ist kein Erlösungswerk, sondern Verheißung. Abraham hat ihn wohl erkannt (schöne Doppeldeutigkeit von Höflichkeitsfloskel und adonai!)

Delitzsch interpretiert merkwürdigerweise die Dreiheit als Gott der Gnade, der Barmherzigkeit und des Gerichtes und hält eine ausgesprochen trinitarische Deutung für unzulässig. „Weil aber die Botschaft der Gnade über der Botschaft der Barmherzigkeit und des Gerichtes steht, sind die Zwei dem Einen untergeordnet.“

Als Spiegelbild zu Mamre könnte man Emmaus lesen. Endlich der Durchblick: der Gast wird –wenn auch spät- identifiziert. Jetzt wird die Doppeldeutigkeit eindeutig. Und der Eingeladene wird zum Einladenden, der Gastfreundliche zum unendlich Beschenkten.

Wunderbar die kleine Geschichte von Abrahams Fürbitte für Sodom, die hier angehängt ist. Wie auf einem orientalischen Basar feilscht Abraham nach allen Regeln der Kunst mit Gott, und Gott feilscht tatsächlich mit und lässt sich erweichen. Die Lizenz zum Feilschen: Gott will mitunter ganz kräftig gebeten sein.

6.1.9. Gen.19: Sodom und Gomorra

Weniger wunderbar klingt in unseren Ohren, was parallel zu Abraham jetzt von Lot berichtet wird. Der Untergang von Sodom und Gomorra mit der Rettung Lots und seiner Familie wird eingerahmt von zwei Geschichten, die erneut unser moralisches Empfinden empören. Die Bereitschaft Lots, seine Töchter anstelle der beiden Männer dem Mob preiszugeben, mag für den hohen Stellenwert seiner Gastfreundschaft stehen, kann unserem Empfinden nach aber dennoch nicht als ethisch gut bewertet werden.

Ebenso ist der Inzest der Töchter Lots ethisch undiskutabel. Verwunderlich ist vor allem, dass er innerhalb der Vätergeschichten ohne jede Bewertung berichtet wird.

6.1.10. Gen. 20: Abraham und Sara bei Abimelech

Der zweite Vorfall der „Gefährdung der Ahnfrau“, nicht so hart wie Gen. 12, sondern mit Happy End, ethisch sauber und jugendfrei. Dort der Pharao, hier der König Abimelech: Die Macht der Herrschenden, nach freiem Belieben mit ihren Untertanen umzuspringen, muss beträchtlich gewesen sein. Und die prominente Stellung des 6. Gebotes, das die Ehefrau für jeden anderen Mann zum Tabu erklärt, direkt nach dem Verbot des Tötens ist sicherlich bittere Notwendigkeit. Im Verlauf der Abrahamsgeschichte steht diese wiederholte Gefährdung der Segenszusage als Beweis für die Kraft von Gottes Verheißungen selbst unter schwierigsten Umständen.

6.1.11. Gen. 21: Isaaks Geburt, Hagar und Ismael, Bund mit Abimelech

Der erste Teil der Verheißung an Abraham ist mit Isaaks Geburt erfüllt. Es ist eigentlich der größte Teil, weil am unglaublichsten. Damit steht der weiteren Segensgeschichte des Abrahamssegens prinzipiell jetzt nichts mehr im Wege.

Dann wieder die düsteren moll – Klänge: Der Hagar-Ismael-Faden wird wieder aufgenommen. Diesmal ist es nicht die Rivalität zwischen den beiden Frauen, sondern die zwischen den beiden Jungen. Viel psychologisches Feingefühl steckt in dieser betrüblichen Erzählung, und Abraham, der hier zwar eigentlich auch nur ein Opfer des Familienstreites ist, kommt auch nicht ganz ohne Schuld aus der Sache heraus. Schließlich hat er Sara freie Hand gegeben, und so braut sich das Unheil dann auch über seinem eigenen Leihmutter-Sohn zusammen.

In dem sehr differenziert beschriebenen Bericht über den Vertrag mit König Abimelech dagegen wird Abraham als hervorragender Verhandler, umsichtig denkender und weitherziger Mitmensch geschildert.

6.1.12. Gen. 22: Das Opfer Abrahams

Eines der schwersten und dunkelsten Kapitel der gesamten Bibel. Wie kann Gott Abraham den Befehl erteilen, den eigenen Sohn abzuschlachten? Ein gefundenes Fressen für die Gegner der Bibel, aber auch für die „Entmythologisierer“, die den Wortlaut der Bibel sowieso nicht allzu ernst nehmen wollen. Die ungelösten Fragen beginnen aber schon viel früher: Wie konnte Israel, das einen beständigen Kampf führte gegen das Eindringen der Baals-Kulte mit ihren Kinderopfern, solch eine Geschichte in die Bibel aufnehmen?

Im Zusammenhang der Vätergeschichten ist diese Begebenheit durch 22, 1a deutlich als ein Teil der Glaubens- und Gehorsamsprüfungen Abrahams interpretiert und nimmt dabei den Faden von Gen. 12 und 18 wieder auf und steigert ihn ins fast Unglaubliche hinein. Der Leser bzw. Hörer weiß also wenigstens von Anfang an, dass alles „nur“ eine Prüfung von Abrahams Glauben ist. So wird dies auch im NT interpretiert: Röm. 4, 1 und Hbr. 11, 8.

vRad hält mit vielen anderen eine kanaanäische Kultsage für die Grundlage, die aber dann durch den jüdischen Glauben völlig„umgekrempelt“ wurde zu einem Bekenntnis gegen die brutale Sitte von Kinderopfern. In der heutigen Gestalt der Geschichte werden unterschiedliche Schichten vermuten, die aber nicht mehr auseinanderzudividieren sind.

Es gibt die verschiedensten Ansatzpunkte der Interpretation. Am sinnvollsten erscheint dieser: Die Geschichte soll gerade nicht besagen: Der Glaube erfordert notfalls sogar die kultische Praxis der Kinderopfer, sondern das Gegenteil: Der Gott Israels verabscheut Kinderopfer. Darauf deutet die Verwendung der Gottesnamen hin. Den Auftrag erteilt die „Gottheit“ אלהים (elohim), das Verbot des Kinderopfers dagegen יהוה (Jahve) durch seinen Engel. Auch die Götter der Kanaanäer wurden als אל el und אלהים elohim verehrt. Nur der Gott Israels hatte sich seinem Volk unter seinem Namen Jahve offenbart. (Anm.: Der Bedeutungsunterschied zwischen אל el und יהוה Jahve ist ein wichtiger Schlüssel zu dieser Auslegung. Man versperrt sich den Zugang zu ihr völlig, wenn man hier mit der Annahme zweier verschiedener Quellen arbeitet.) Damit besagt Gen. 22 ziemlich genau das Gegenteil von dem, was ihr von ihren Gegnern immer unterstellt wird, nämlich: Das Bekenntnis zu Jahve ist gleichzeitig die Ablehnung von Menschenopfern. Die einzige wirklich befriedigende Interpretation ist die messianische Deutung auf das Sühnopfer Christi.

6.1.13. Gen. 23: Saras Tod

Nachdem Abraham sich als Gehorsamsheld erwiesen hat, werden wieder seine Klugheit, seine Menschenkenntnis und sein Verhandlungsgeschick beim Erwerb einer Grabstätte für Sara dargestellt. Abraham als Sympathieträger. Danach kommt als weitere Steigerung noch die schönste aller Vätergeschichten:

6.1.14. Gen. 24: Die Brautwerbung um Rebekka

Eine Geschichte voller Sensibilität und Zartheit, glaubensvoll und weltzugewandt.

So wie Abraham dem Herrn gehorsam glaubte, so tut es jetzt auch sein Knecht (und dann die Familie Labans). Damit steht die Geschichte mitten im theologischen Zentrum der Abrahamsgeschichten. Weiterhin behandelt sie „…das allgegenwärtige Thema der Genesis…: Hinter allen menschlichen Plänen und Handlungen steht Gott“ (Plaut,229). Sozusagen die Ouvertüre zur Josefsgeschichte. Gleichzeitig stellt die Geschichte das Gegenstück zu Gen.12,10ff dar: Die Abrahamsverheißung der zahlreichen Nachkommenschaft steht und fällt mit der „Ahnfrau“.

Für Gegner der Quellenscheidung eine Steilvorlage: das Eingeständnis vRads zSt., dass trotz mancher Unebenheiten eine zweite Quelle nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen sei.

Plaut: feine Unterschiede in dem altorientalischen Stilmittel der Wiederholung (34-41) : zB.: Abrahams Anweisungen werden taktvoll ausgelassen. Fraglich ist vRads Spätdatierung gerade angesichts des archaischen Schwurritus sowie der o.g. engen Einbindung in das Zentrum der Abrahamsüberlieferung.

Übrigens: Gen. 24, 12 bringt das erste wörtlich wiedergegebene Gebet der Bibel!

6.1.15. Gen. 25: Abrahams Tod

Nach der mit orientalischer Ausführlichkeit und deutlicher Erzählfreude geschilderten Brautwerbung für Isaak ist Abrahams Auftrag jetzt erfüllt. Sehr knapp, sozusagen unter ferner liefen, werden nun nacheinander noch abgehandelt:

  • Abrahams zweite Ehe samt Stammbaum
  • Abrahams Tod und Begräbnis
  • Ismael und sein Stammbaum
  • Geburt Esaus und Jakobs und schließlich der
  • Verkauf des Erstgeburtsrechts für ein Linsengericht.In der volksetymologischen Erklärung des Namens Jakob יצקב
    Wort für Ferse צקב (‘kb) in 25,26 liegt nach vRad eine ungewöhnliche Selbstironie. יצקב bedeutet wahrscheinlich „Gott möge schützen“.

6.2. Reflexion: Quelle

Gen. 12-25

Sekundärquellen: vRad., Komm. zSt., Westermann, Genesis 12-50, S.2 – 13,
Plaut zu Gen. 18 und 22

7. Gen. (25-) 26 – 36 (50): Die Jakob – Esau – Geschichte

7.1. Einführung

Die Jakob – Esau – Geschichte ist an ihrem Anfang geschickt mit der vorhergehenden Abrahamsgeschichte verwoben und ebenso später an ihrem Ende mit der nachfolgenden Josefsgeschichte, in der sie mit dem letzten Kapitel der Genesis beinahe schon wieder das Übergewicht erhält.

Abraham wurde uns durchgehend als Vorbild geschildert. Dort, wo es in den Abrahamsgeschichten Zwist und Streit gibt, ist er eher selber das Opfer als der Täter (bes. deutlich: 21,11). Bei Jakob ist das anders: Er ist zwiegespalten. Einerseits ist auch er ein großes Vorbild (sein geduldiges Dienen um Rahel oder seine Vorleistungen bei der Versöhnung mit Esau, schließlich sein Ringen mit Gott am Jabbok, das ihm den Ehrennamen Israel einbringt), andererseits scheint ihm jedes Mittel Recht zu sein, um zu seinem Ziel zu kommen: das Ausnützen der Erschöpfung Esaus, der Betrug bei der Erschleichung des Segens, schließlich die Abfuhr Labans. Wer vom NT her kommt und die Jakob- Geschichten liest, dem sträuben sich mitunter die Haare, und man wundert sich, wieso Jahve da kommentarlos zusieht. Auch Rebekka spielt hier, anders als in der Abrahamsgeschichte, eine recht zwiespältige Rolle.

Aber man darf diese Geschichten wohl nicht unter diesem Blickwinkel lesen. Nicht Jakob und die anderen Gestalten sind die Akteure, bei denen dann Gott ab und zu mal beide Augen zudrückt. Sondern Gottes Plan mit seinem Volk, also die Erfüllung der Abraham gegebenen Verheißung, ist die Leitlinie. Dies führt Gott zu einem guten Ende auch mithilfe von problematischen Winkelzügen diverser Akteure. Was Gott vorhat, das muss geschehen, und wenn dabei List und Tücke mit im Spiel sind. Nicht die Individualethik soll hier der Maßstab sein, sondern die Heilsgeschichte. Deswegen können diese Geschichten auch so ehrlich und realistisch geschildert werden. Jahve erfüllt seine Verheißungen. Wenn möglich, mit großen Vorbildern wie Abraham. Aber es geht auch anders: Auch List und Tücke können letztlich nur seinem Plan dienstbar werden.

7.1.1. Gen. 26: Isaak: Verheißung,

Gefährdung der Ahnfrau, Streit um

Brunnen

Erneute Verheißung und erneuter Segen stehen am Anfang der Berichte über Isaak. Beides hat er bitter nötig, denn auch er ist in Gefahr wegen seiner hübschen Rebekka (wie bereits Abraham Gen. 12 und 20). Wenn dieses Motiv hier schon ein drittes Mal auftaucht, dann hat dies nichts mit literarischen Quellen und Übernahmen zu tun, sondern sicherlich damit, dass diese Gefahr doch eben real bestand. Es waren durchaus keine goldenen Zeiten, in denen die Vätergeschichten spielen. Zudem gibt es bitteren Dauerstreit um den Zugang zu frischem Wasser. Wie aktuell die Berichte der Bibel aus ältester Zeit sein können!

7.1.2. Gen. 27: Die Erschleichung des

Erstgeburtssegens

Geschichte eines raffinierten Betruges mithilfe einer unsympathisch parteilichen Mutter. Und Jahve spielt mit. Aber es gilt, das gerade Erörterte zu bedenken: Es geht hier nicht um brüderliche Gerechtigkeit (wie später in der Josefsgeschichte), sondern um Gottes Plan. Auffallend ist die Nähe dieser Segensvorstellung zu magischen Vorstellungen: Ein einmal ausgesprochener Segen kann nicht wieder zurückgenommen werden, auch wenn er auf Täuschung beruht. Anders denkt später Spr. 26, 2 vom direkten Gegenpol des Segens: „ein unverdienter Fluch trifft nicht ein“. So würden wir heute auch von einem erschlichenen Segen denken. Aber es muss alles der Abrahamsverheißung dienen. Unsere individualethischen Bedenken sind da einfach zu kurz gesprungen. Der Segen für Esau ist dann eher „nur ein gemäßigter Fluch“ (Delitzsch).

Immerhin besteht die Strafe für Jakobs Betrug darin, dass er jetzt Hals über Kopf auswandern muss. Und er wird ganze 20 Jahre seines Lebens in der Fremde führen und diese Lebenszeit quasi abschreiben müssen.

In dem nun folgendem Jakobsegen 27, 46ff sieht vRad eine Doublette aus der Priesterschrift von 27, 1ff, das vom Jahvisten stamme. Sie harmonisiere, um die Erzväter nicht so negativ darzustellen. Denkbar ist aber auch die Annahme Delitzschs, dass Rebekka Jakob nicht ohne väterlichen Segen ziehen lassen wollte und daher Isaak auf die Fremdehen ansprach.

Damit beginnt die ausführlich behandelte Episode mit Laban.

7.1.3. Gen. 28: Segen und Himmelsleiter

Nun bekommt Jakob noch quasi als Flüchtling einen diesmal nicht unverdienten Segen von Isaak. Noch bedeutsamer aber ist der Segen, den er in der Vision von der Himmelsleiter erhält. In Bethel wird Jakob damit eine ganz besondere Gotteserfahrung geschenkt. Daraufhin errichtet er dort einen Altar. Diese Vision hat in der Kunstgeschichte, aber auch in der christlichen Mystik eine hervorgehobene Stellung eingenommen. Der Entschluss zum Bau eines Altars am Ort der Vision setzt übrigens eine Vorstellung voraus, die im Protestantismus weithin abhandengekommen ist: Dass es Orte gibt, an denen die Nähe Gottes in besonderer Weise zu spüren sei und die deswegen als „heilig“ –also vom Profanen abgesondert- gelten: „Hier ist die Pforte des Himmels“ (28, 17). Daher gelobt Jakob den Bau eines Gotteshauses an dieser Stelle. Es ist hier wie bei vielen anderen namensbegründenden Ortssagen („Ätiologien“) wahrscheinlich, dass die „Stätte“ bereits ein heidnisches Heiligtum war. Auch an anderen heidnischen Kultstädten haben die Israeliten ja ihre Jahve-Verehrung angesiedelt, weil sie davon ausgingen, dass hier ein besonderer Zugang zur Gottheit geschehen könne. Dies trifft sogar für das ursprünglich heidnische Zentralheiligtum in Siloh zu, an dem ja später das Allerheiligste Israels, die Lade, stationiert wurde. Natürlich ist das alles auch nicht ganz unproblematisch gewesen. Das von den Propheten so heftig bekämpfte Eindringen kanaanäischer Baalskulte in Israel ist sicherlich nicht zuletzt hierdurch begünstigt worden.

Ganz schön mutig von Jakob, von der Kultstätte einen Stein abzutragen! Er erntet dafür aber nicht den Ärger mit den Baalspriestern, sondern Gottes Selbstoffenbarung: „Ich bin יהוה (Jahve), der אלהים (Gott) deines Vaters Abraham“, und die Erneuerung des Segens für Abraham sowie den persönlichen Segen: „Siehe, ich bin mit dir…“ (28, 15)

Die drei הנה (hinne: siehe, V.12f., die Lutherbibel lässt das dritte weg) „sind Fingerzeige kindlichen Staunens auf die dreifache dreimal heilige Erscheinung“ (Delitzsch z.St.)

7.1.4. Gen. 29 – 31: Jakob und Laban

Pralles Leben mit seinen Höhen und Tiefen, das sich nicht unbedingt deckt mit unserer Vorstellung von Ethik, die wir in der Bibel eigentlich finden möchten. Der Hader der Frauen untereinander wegen schöner Formen, sanfter Augen und Kindersegen hält auch die Männerwelt gehörig auf Trab. Ganz nebenbei werden die Ahnherren der zwölf Stämme Israels geboren und vorgestellt.

Wieder muss Jakob fliehen. Er plant seinen Abgang mit Gerissenheit und übertölpelt Laban als Rache für das nicht eingehaltene Brautversprechen. Aber Jahve steht zu ihm (genauer: zum Abrahamsbund!) und warnt Laban seinerseits vor Rache. (31,24) Kommentarlos wird berichtet, dass Rahel auch noch „ihres Vaters Hausgott“ (31,19) mitgehen ließ. Es muss eine recht kleine Statue gewesen sein, da sie unter einem Kamelsattel versteckt werden konnte.

7.1.5. Gen. 32 -33: Die Versöhnung mit Esau

Jakob von seiner sympathischen Seite aus gesehen: eine sensible Geschichte der Beendigung eines Bruderstreites. Jakob als der Hauptschuldige bringt eine erhebliche Vorleistung und unterwirft sich seinem Bruder, der das Versöhnungsangebot hochherzig annimmt. Die Zahlen des riesigen Versöhnungsgeschenkes (32,15ff) sind nach Plaut und anderen wahrscheinlich symbolisch zu verstehen.

7.1.6. Gen. 32: Jakobs Kampf am Jabbok

Eine schwierige Geschichte mit vielen Möglichkeiten der Auslegung. Auf den ersten Blick berichtet sie einen Meilenstein der Vätergeschichte und erklärt das Verbot, das Muskelstück auf dem Gelenk der Hüfte zu essen. Es liegt aber noch viel mehr in ihr verborgen:

Tiefgläubige Menschen wie Hildegard von Bingen erleben, dass Gottesbegegnungen sie auch körperlich so mitnehmen können, dass diese mit Schmerzen oder Verletzungen verbunden sind. Hildegards Arzt hatte ihr schließlich dringend geraten, weiteren Visionen wegen ihres angegriffenen Gesundheitszustandes durch Ablenkungsmanöver auszuweichen. Jakobs Kampf am Jabbok wurde in der Mystik zum Präzedenzfall für körperliche Phänomene bei besonders intensiven Gotteserfahrungen.

Trotz der großen Sippe geschieht eine solche Gottesbegegnung in der völligen Einsamkeit des Menschen vor Gott (32,25). Jakob sucht die Begegnung mit dem übermächtigen Heiligen nicht von sich aus, aber er weicht ihr auch nicht aus und stellt sich ihr.

Dieser übermächtige „einer“ (32,25) bleibt merkwürdig unbestimmt und in der Schwebe. Ist es etwa Jahve selber? (wegen 32,29 und 31) oder ein Engel? (so die Mischna) oder ein Dämon (wegen 27a)? Die Karte, auf die Jakob allein setzen kann, ist die Furcht des Übermächtigen vor dem Morgenlicht. Das lässt darauf schließen, dass möglicherweise an dieser Furt ursprünglich ein heidnischer Dämon verehrt wurde, der wie die nordischen Gnome nur nachts gefährlich war. Darauf lässt auch die Erwähnung der aufgehenden Sonne schließen, die sicherlich mehr aussagen sollte, als heute erkennbar ist. Ob Jakob diese alten Wurzeln bekannt waren, kann man dahingestellt sein lassen. Das Übermächtige, mit dem er rang, war aber in seinem Erleben Jahve selber oder ein Bote Jahves.

Jakobs Antwort „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (32,27): selbstbewusst, knackig und frech. Und erfolgreich. Ganz anders als die weithin weichgespülten, halb keltischen Irischen Segenssprüche, die zur Zeit in Mode sind. Sicherlich auch ein Vorbild für unser Segnen in der Gemeinde.

Eindrucksvoll die dichterische Interpretation „der Schauende“ von Rainer Maria Rilke:

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,

der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.

Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.

7.1.7. Gen. 34: Das Blutbad zu Sichem

Die Geschichte wirft ein wenig gutes Licht auf das Verhältnis zwischen kanaanäischer Bevölkerung und Jakobs Sippe. Weder der Kanaanäer Sichem noch Jakobs Söhne bedenken, was sie hier anrichten. Der Teufelskreis von Rechtsbruch und Rache beginnt sich zu drehen. Lediglich Hamor sieht über seinen Tellerrand hinaus, ebenso Jakob. Doch Jakob bleibt hier auffallend unbeteiligt und gehört nicht zu den handelnden Personen, er befindet sich vielmehr in der Opferrolle (34,30). Die einzigen beiden Vernünftigen schaffen es nicht, den Teufelskreis von Rechtsbruch und Rache zu stoppen. Wie aktuell das AT wiederum ist.

7.1.8. Gen. 35: Jakob in Bethel

Ausleger, die wie vRad in Sichem ein großes, jährlich gefeiertes Bundeserneuerungsfest lokalisieren, betrachten diese Geschichte als Hinweis auf eine wichtige traditionelle Wallfahrt von Sichem nach Bethel. Undenkbar ist das nicht, aber es steht davon eben im Text nichts drin, ferner müssten von so einer gewichtigen Tradition auch andere Zeugnisse (etwa Psalmen) erhalten geblieben sein. Und Jakobs Abgang aus Sichem dürfte aus gutem Grund wieder einmal mehr einer Flucht geglichen haben als einer feierlichen Wallfahrt.

Eine Geschichte, die manches aus den vorherigen Kapiteln wiederholt: der erneuerte Segen für Jakob (32, 30), die Gottesbegegnung und den Altarbau in Bethel (28, 18) sowie die Verleihung des Ehrennamens Israel (32, 29). Gegenüber den fremden Götterstatuen dagegen ist Jakob hier eindeutig ablehnend, eine Haltung, die in Gen. 31 noch nicht zu spüren war. Mit den Berichten von Benjamins Geburt, Rahels Tod, seiner Heimkehr zu Isaak, dessen Tod und dem

7.1.9. Gen. 36: Geschlechtsregister

(Toledoth) Esaus

schließt die Jakobgeschichte, allerdings nur vorerst. Denn die folgende Josefsgeschichte ist wieder recht kunstvoll mit der Jakobsgeschichte verwoben, indem sie Gen. 44 wieder aufgenommen und zusammen mit der Josefsgeschichte schließlich zu einem guten Ende geführt wird.

7.2. Reflexion: Quelle

Gen. 25 ff
Sekundärquellen: vRad, Kommentar zSt., Delitzsch zSt., Plaut zu Gen. 22 und 32

8. Gen. 37-50: Die Josefsgeschichte

8.1. Einführung

Die Josefsgeschichte ist die literarisch schönste der drei Vätergeschichten. Sie ist Literatur von Weltklasse. Das Drama, das Josef inszeniert, bis er sich zu erkennen gibt, ist erzählerisch höchst kunstvoll ausgestaltet. Auf weite Strecken kann diese lange Geschichte allein schon von der Dramaturgie der in ihr angesprochen Konfliktlagen leben. Erst in den letzten Versen der Geschichte deckt dann der Erzähler den alles bestimmenden theologischen Sinn auf mit dem schönen Wort:

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen“ (50, 20)

Eigentlich befinden wir uns immer noch in der Jakobsgeschichte. Denn diese endet in ihrem weiten erzählerischen Spannungsbogen ja erst mit dem Tod Jakobs; der letzte Abschnitt ist eher ein Abspann (50, 15ff). Unbemerkt aber wird sie zur Josefsgeschichte, der längsten aller Vätergeschichten, in sich selber geschickt durchkomponiert und nicht aus verschiedenen Einzelgeschichten zusammengesetzt. Während Westermann in seiner Bibelkunde noch 1984 die Josefsgeschichte als eine Einheit sieht, die keine Quelle zugeordnet werden könne, weil sie einen ganz anderen Erzählstil hätte als J, weist er sie jetzt mit anderen dem Jahvisten zu mit einigen Ergänzungen von E und Bruchstücken von P. In der Josephsgeschichte tritt auf weite Strecken das Interesse an den Vätern im Glauben zurück zugunsten der lebensnahen Schilderung von Familienzwist (z.B. die Bevorzugung des Nachkömmlings gegenüber den älteren Geschwistern) oder des kometenhaften Aufstiegs des Josefs vom Sklaven zum Großwesir. Sie ist daher auch deutlich leichter und genussvoller zu lesen und zu erzählen.

8.1.1. Gen. 37: Josefs Träume

Auch die Träume habe nicht die Tiefe wie die Träume in Gen. 20 und 28. Kunstvoll werden die Spannung aufgebaut und ein „Kraftfeld seelischer Affekte“ beschrieben (vRad). Bemerkenswert: So wie schon zu Anfang der Genesis ein Brudermord berichtet wird, steht kurz vor ihrem Ende ein versuchter Brudermord.

8.1.2. Gen. 38: Juda und Tamar

Die Begebenheit um Tamar ist ein Kabinettstückchen ohne direkte innere Beziehung zur Josefsgeschichte und die einzige Einzelgeschichte im Verbund der Josefsgeschichte. Voraussetzung zum Verständnis dieses Kapitels ist die Pflicht zur Schwagerehe Dt. 25, 5ff. Auffallend ist, dass die für Juden empörende Unsitte der Tempelprostitution als völlig selbstverständlich durchgeht. Tamar löst die verwickelte Rechtslage durch Rechtsbruch. Ihr Mut macht sie schließlich zur Sympathieträgerin und Heldin des Geschehens. Auffallend im patriarchalisch geprägten Orient: eine Frau als Heldin der Geschichte, während die Männer eher schlecht wegkommen.

8.1.3. Gen. 39 – 41: Josefs Aufstieg in Ägypten

Großartig und drehbuchreif geschrieben mit hohem Unterhaltungsfaktor. Josef erweist sich nicht nur als moralisch integer, sondern eben auch als klüger und zielstrebiger als seine Umwelt und seine Feinde.

8.1.4. Gen. 42 – 45: Josef und seine Brüder

Es ist nun von unerhörter Schönheit, wie das Gespräch zwischen dem Wesir und den Jakobssöhnen langsam auf den nicht mehr vorhandenen- gegenwärtigen Joseph zukommt und wie der dunkle Schatten des unvergessenen Joseph über die Seele der Brüder fällt, während der Totgeglaubte erschüttert vor ihnen steht.“ (vRad, 314) Das ist Literatur von Weltklasse. Besonders berührt, wie der zu höchster Macht aufgestiegene Josef sich abwendet, weil er weinen muss (42, 24, ähnlich 43, 30). Die sich beinahe wie ein Krimi fortspinnende Versteckspiel-Geschichte ist sauber in verschiedene Szenen gegliedert, die geradezu „Auftritte“ im Sinne von Schauspielen sind (vRad, 18).

Auffallend ist allerdings, dass Josef inzwischen die heidnische Sitte angenommen hat, aus dem Becher zu weissagen (44, 5), und dass auch der Erzähler offensichtlich nichts daran auszusetzen findet (ähnlich wie bei der kultischen Prostitution in Gen. 38).

Die Dramatik steigert sich immer weiter. Am Höhepunkt der Handlung, dort, wo sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gibt, weint er schließlich so laut, dass alle es mithören. Hier kommt dann doch die theologische Deutung durch: „Denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt.“ (45, 5)

Mit der Übersiedlung des alten Jakobs nach Ägypten wird wieder klar, dass hier eigentlich noch die toledoth (Genealogie) Jakobs vorliegt und nicht primär die Josefsgeschichte. Beide werden jetzt ineinander verwoben. 46, 6-27 sind deutlich als Genealogie erkennbar und werden allgemein P zugeschrieben.

Rührend auch das Wiedersehen zwischen Vater und Sohn: 64, 28ff.

8.1.5. Gen. 47: Jakob vor dem Pharao und Josefs Agrarpolitik

Die Agrarpolitik Josefs lässt zwar unverhüllten Feudalismus durchblicken, in der damaligen Situation aber rettete sie das Leben des Volkes und stieß dort auf weite Zustimmung statt auf Kritik. Das Kapitel verrät recht genaue Kenntnis der Zustände im damaligen Ägypten.

8.1.6. Gen. 48: Segen für Ephraim und Manasse

Wie in Gen. 27 wird hier der Erstgeborene benachteiligt, hier allerdings mit voller Absicht. Die mächtige triadische Segensformel Jakobs nötigt uns tiefen Respekt ab. Mit dem Engel ist Jahve selber gemeint, der hier das erste Mal in der Schrift der „Löser/ Erlöser“ genannt wird.

Angesichts der gekreuzten Arme und der folgenden „Handgreiflichkeit“ Josefs müssen wir dann eher schmunzeln. Hintergrund ist die Auffassung, dass der Segen der rechten Hand mehr gelte als der der linken. Der historische Aufstieg des Stammes Ephraim ging so weit, dass etwa bei Hosea Ephraim als Synonym für das gesamte Nordreich stehen kann.

8.1.7. Gen. 49: Jakobs Testament

Der Segen Jakobs über seine 12 Söhne und damit über die 12 Stämme Israels ist ein Höhepunkt und ein Schwergewicht in der sonst doch eher leichtfüßig dahin laufenden Josefsgeschichte. Es ist kein Segen im üblichen Sinn, sondern nicht minder Weissagung der zukünftigen Geschichte und teilweise sogar auch ein Fluch. Korrekter ist daher die jüdische Sprachregelung: Jakobs „Testament“. Inhaltlich sind weniger die Söhne selber gemeint als ihre Stämme, „die so verschieden voneinander sind, wie zwölf Söhne es sein können.“ (Plaut zSt.) Nach Delitzsch, anders vRad, ist אחרית הימים (acharith hajamim: in künftigen Zeiten) eindeutig eschatologischer terminus technicus.

Nachdem die ersten drei Söhne mehr Fluch als Segen hören müssen, ergießt sich die reiche Fülle des Segens jetzt über Juda. Das kraftvolle Bild des jungen Löwens ist ausschließlich positiv gemeint, der Raub sind lediglich Beutetiere und keine Menschen. Dies sind eindeutig messianische Weissagungen (so versteht es auch Apc. 5, 5), gleichgültig, wie man das dunkle Wort שילה (shilo) zu erklären versucht. Die meisten vermuten darin einen messianischen oder königlichen Titel, Delitzsch den Ort Siloh als früheres Zentralheiligtum. Die Lutherausgabe übersetzt nach LXX „bis dass der komme, dem es gehört“. Auch eine solche absichtliche Dunkelheit der Sprache würde gut zu einer eschatologischen Auslegung passen. Einen Esel an einen Weinstock anzubinden wäre in dieser Welt purer Schwachsinn, da er in kurzer Zeit den ganzen Weinstock leergefressen hätte. Gemeint sein kann also nur der messianische Frieden in der Natur, wie er etwa in Jes. 11, 6ff ausgesprochen ist. Dazu passt die Ansicht Plauts, dass die Mitte des Testamentes „Ich warte auf deine Erlösung, o Gott“ (49, 8), früher einmal sein Schlusssatz und seine Zusammenfassung gewesen sein könnte.

Gegenüber diesen gewaltigen Segensworten fallen die Segensworte für die folgenden Brüder doch merklich ab. Lediglich der Segen für Josef kommt an den für Juda heran. Hirte und Fels (49,24) sind aber keine messianischen Weissagungen, sondern Gottesprädikate. In 49, 25 ist offensichtlich ein vorisraelitischer Fruchtbarkeitssegen zitiert, der mit den Anspielungen auf die mythische Urflut und die mütterlichen Fruchtbarkeitskulte nicht unproblematische Entlehnungen aus der heidnischen Umwelt enthält.

8.1.8. Gen.50:JakobsBegräbnisund Josefs Tod

Nach dem Höhepunkt des Jakobsegens kommt hier eigentlich nur noch der standesgemäße Abgesang mit Begräbnis und Tod. Doch am Ende stehen noch einmal die ausgesprochene Vergebung Josefs und die Ankündigung des Auszuges aus Ägypten als Bestandteil der Erfüllung der Abrahamsverheißung. Damit leitet das Ende der Genesis zum Anfang des Buches Exodus über. Das letzte Wort der Genesis lautet: Ägypten!

So kommt nach vielen Irrungen und Wirrungen schließlich fürs Erste ein gutes Ende, an dem Jahve trotz aller menschlichen Fehlleistungen seinen Segen wahr macht und seine Verheißungen an die Väter erfüllt.

8.2. Reflexion: Quelle

Gen. 37 – 50

Sekundärquellen: vRad, Komm. zSt., Delitzsch zSt., Fruchtenbaum, S.24 – 27, Plaut zSt.

Schlusswort

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob das Buch Genesis aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen bestünde, die wenig miteinander zu tun hätten:

einmal der Urgeschichte (1 – 11),
die die Geschichte der gesamten Menschheit zum Thema hat, dann den Vätergeschichten (12 – 59),
die die Anfänge der Geschichte des Volkes Israel zum Inhalt hat.

Erst bei näherer Betrachtung erkennt man, wie eng beide Teile aufeinander bezogen sind: Während die Urgeschichte das immer stärkere Anwachsen der Entfremdung zwischen Gott und den Menschen aufzeigt, berichten die Vätergeschichten von dem reichen Segen für Abraham, der sich im Laufe der Geschichte immer weiter entfaltet mit seinen Verheißungen von Nachkommenschaft und Sesshaftigkeit. Der große Komplex der Vätergeschichten ist eigentlich nichts anderes als der nach der Sprachverwirrung singulär ausgebliebene Segen Jahves. So ist das gesamte Buch Genesis zwar auch bestimmt von dem Anwachsen der Sünde, aber dann auch von dem Anwachsen des Segens.

Eingestreut sind die תולדות (toledoth: Genealogien) beginnend mit Gen. 4 und 5 und dann weiterhin in den uns erhaltenen Fragmenten in den Kapiteln 10; 11; 22; 25; 36 und 46. Delitzsch gestattet sich die schöne Sprachregelung, dass er die toledoth schon mit Gen. 1 beginnen lässt, indem er die Schöpfungsgeschichten als die „toledoth des Himmels und der Erde” bezeichnet.

Mit dem letzten Wort der Genesis, „Ägypten“, ist gleichzeitig die Klammer zum Exodus und zur Sinai-Offenbarung gegeben.

Ganz andere offensichtliche, manchmal aber auch verborgene Klammern gibt es zum Neuen Testament. Die messianisch zu deutenden Weissagungen wurden jeweils an ihrer Stelle erörtert. Die vielleicht schönste Klammer zwischen Genesis und NT: Der Beginn des

Johannesevangeliums zitiert mit dem griechischen εν αρχη (dt.: im Anfang) ja nichts anderes als das erste Wort der hebräischen Bibel הראשית (bereshit). Damit bringt der Evangelist Johannes für den aufmerksamen Leser sozusagen die dritte Version der Schöpfungsgeschichte. Dort geht es dann aber nicht mehr um das Licht der „Lampen“ (1, 14), sondern um das „wahre Licht“ (Jh. 1, 9). So werden schließlich die Verheißungen des Abrahamssegens letztlich erfüllt in Jesus Christus.

9. Anhang

9.1. Syllabus

9.1.1. Kurzbeschreibung

Genesis ist das Buch der Anfänge. Die zentralen Themen der Erschaffung der Welt sowie die Anfänge des Volkes Israel finden sich hier. Genesis macht deutlich, dass die „Urgeschichte“ (Gen 1-11) und „Vätergeschichte“ (Gen 12-50) voneinander zu unterscheiden, aber doch ineinander verwoben sind und eine Kontinuität in der Heilsgeschichte Gottes bilden. Die Themen umfassen die Schöpfung der Welt, den Einzug der Sünde und des Bösen und die Erlösung davon, die Offenbarung des persönlichen Gottes Jahwe, sowie die Ursprünge des Gottesvolkes. Alle zentralen Themen der Bibel finden hier ihren Ursprung. Der Unterricht besteht aus Vorlesung, Referaten der Studenten sowie Diskussionsrunden.

9.1.2. Kursziele

Die Studierenden sollen

Inhalte, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Schöpfungsberichte kennenlernen.

Die Urgeschichte kennen und wiedergeben können. Anthropologisches Grundverständnis entwickeln.
Die Vätergeschichte kennen und wiedergeben können. Grundlagen der Heilsgeschichte verstehen.

9.1.3. Erworbene Fähigkeiten

Die Studierenden sollen in der Lage sein,

  • Die Schöpfungsberichte in Inhalt und Bedeutung wiederzugeben.
  • Die Grundzüge der Urgeschichte wiederzugeben.
  • Die Bünde Gottes mit den Menschen zu nennen und zu erklären.
  • Die Grundzüge der Vätergeschichte wiederzugeben.

Die Anfänge der Heilsgeschichte zu benennen.

9.1.4. Vorbereitende Aufgaben für den Studierenden
Das Buch Genesis, Bibel, lesen (Aufwand 5 Stunden)

9.1.5. Inhalte des Kurses (40 Unterrichtsstunden)

  • Einleitende Informationen zum Buch Genesis
  • Die zwei Schöpfungsberichte
  • Sündenfall, Flut, Fluch und Bünde
  • Völkertafeln und Turmbau zu Babel
  • Der Heilsplan Gottes
  • Gottes Bund mit Abraham
  • Die Segenslinie: ausgewählte Stellen

9.1.6. Leistungsnachweis (40 Stunden) Facharbeit

  • Umfang: ca. 9-12 Seiten
  • Vortrag Gruppenarbeit s. Pos. 4 – Themen in Absprache mit dem Dozenten

9.1.7. Pflichtlektüre

  1. Das Buch Genesis, Die Bibel (Aufwand 5 Stunden)
  2. Rad, Gerhard von, Das erste Buch Mose. Genesis (ATD Band 2/4),ISBN 3-525-51111-6 (Kartoniert) oder ISBN 3-525-51112-4 (Leinen) oder als e-book. 364 S.

9.1.8. Weiterführende Lektüre Kommentare (Auswahl)

Brueggemann, Walter. Genesis. Interpretation 1. Atlanta: John Knox Press, 1982.

Delitzsch, Franz. Neuer Kommentar über die Genesis. 5. Aufl. Gießen: Brunnen Verlag, 1887, ND 1999.

Hamilton, Victor P. The Book of Genesis. NICOT 1.1+2, 2 Bd. Grand Rapids: Eerdmans, 1990-1995.

Mathews, Kenneth A. Genesis. NAC 1A+B, 2 Bd. Nashville: Broadman & Holman, 1996-2005.

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Egelkraut, Helmut / William S. LaSor u.a. Das Alte Testament: Entstehung – Geschichte – Bot-schaft. 5. Aufl. Gießen: Brunnen Verlag, 2012,

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Kitchen, Kenneth A. Das Alte Testament und der Vordere Orient: Zur historischen Zuverlässigkeit biblischer Geschichte, 2. Aufl. Gießen: Brunnen Verlag, 2012

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Einleitungen / Umwelt / Übersichten (Auswahl)

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Longman, Tremper III / Raymond B. Dillard. An Introduction to the Old Testament. 2. Aufl. Grand Rapids: Zondervan, 2006.

Pehlke, Helmuth (Hg.). Zur Umwelt des Alten Testaments. EdCAT Ergänzungsband 1. Holzgerlin-gen: Hänssler Verlag, 2002.

Zenger, Erich / Georg Braulik. „Die Bücher der Tora/des Pentateuch“. In Einleitung in das Alte Testament. Erich Zenger u.a. (Hg.) 7. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer, 2008. 60-187.

Zu Genesis (Auswahl)

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Halton, Charles (Hg.). Genesis: History, Fiction, or Neither? Three Views on the Bible’s Earliest Chapters. Grand Rapids: Zondervan, 2015.

Schüle, Andreas. Der Prolog der hebräischen Bibel: Der literar- und theologiegeschichtliche Diskurs der Urgeschichte (Gen 1- 11). AThANT 86. Zürich: Theologischer Verlag, 2006.

9.1.9. Zusammensetzung der Endnote

Facharbeit (100%)

9.1.10. Zeitübersicht des Kurses

  • Teilnahme am Unterricht 40 Stunden
  • Pflichtlektüre 45 Stunden
  • Leistungsnachweise 5 Stunden
  • Gesamtzeit 90 Stunden

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