9.3 Das Hohepriesterliche Gebet

Jh 17

Joh 17,1-8: Wir schließen mit diesem Kapitel ab. Es handelt sich dabei um ein Gebet, das Jesus vor seiner Verhaftung spricht. Anders als in den anderen Evangelien geht es hier nicht in erster Linie um Jesus und das was vor ihm liegt, sondern um die Jünger und das, was vor ihnen liegt, sowohl kurzfristig als auch langfristig. Das schließt auch die späteren Generationen an Jüngern mit ein. Unter diesen Gesichtspunkten ist dieses Gebet ein guter Abschluss für den Kurs.

Zunächst dreht es sich allerdings um Jesus und den Vater. Jesus betont, dass er seinem Auftrag nachgekommen ist. Dieser Auftrag besteht darin, der Welt ewiges Leben zu geben. Er erklärt auch, was er meint: Ewiges Leben besteht darin, den Vater zu kennen. Nach diesem Verständnis beginnt also das ewige Leben in dem Moment, in dem ein Mensch den Vater kennenlernt. 

Er redet aber auch über die Beziehung zwischen ihm selbst und dem Vater. Es geht darum, dass sie sich gegenseitig verherrlichen. Die Idee von Herrlichkeit wurde bereits mehrfach angesprochen. Hier soll der Leser allerdings nicht nur an das herrliche Gesicht des Mose denken, sondern an die Herrlichkeit Gottes selbst. Hier wird ein weiteres Mal deutlich gemacht, wer Jesus wirklich ist. Dass die Jünger seine (Jesu) Herrlichkeit gesehen haben wurde bereits in der Einleitung gesagt. Die Schlussfolgerung, die man daraus ziehen soll, gibt Johannes nach der Auferstehung durch Thomas weiter. Jesus ist: „Mein Herr und mein Gott“. 

Die im Abschnitt oben beschriebene Bewegung wird auch hier wieder nachvollzogen: Jesus kam vom Vater, um ihn zu offenbaren und jetzt, wo die Jünger ihn erkannt haben, kann er in den Himmel zurückkehren. Diese Idee wird in dem Gebet allerdings auf erstaunliche Weise weiterentwickelt.

Joh 17,9-19: Er geht über zum Gebet für die Jünger. Er bittet den Vater um Bewahrung für sie. Er betont wieder, dass die Jünger nicht von der Welt sind, aber sie werden in der Welt bleiben und brauchen deswegen Bewahrung. In diesem Zusammenhang bittet er nicht nur um Schutz, sondern um Heiligung durch die Wahrheit. Bei der Wahrheit handelt es sich um die Worte des Vaters. 

Erstaunlich ist, dass die Jünger in die zuvor beschriebene Dynamik mit aufgenommen werden. Zuvor sprach er von gegenseitiger Verherrlichung zwischen Vater und Sohn, jetzt spricht er davon, dass er auch in ihnen verherrlicht ist. Darüber hinaus spricht er davon, dass er sie in die Welt aussendet, genau wie der Vater ihn ausgesandt hat. 

Wenn es also Jesu Auftrag war, den Vater zu offenbaren, dann ist es jetzt auch die Aufgabe der Jünger (mit Hilfe des Geistes). Während Jesus auf der Welt war konnte man jemandem, der fragt: „Wie ist Gott?“ auf Jesus verweisen. Jetzt, da Jesus geht sollte man jemandem, der dieselbe Frage hat auf die Jünger verweisen. Ein hoher Anspruch.

Joh 17,20-26: Jesus weitet das Gebet weiter aus. Er betet nicht nur für seine aktuellen Nachfolger, sondern auch für diejenigen, die durch sie zum Glauben kommen. Zuerst betet er um Einheit. Er vergleicht die Einheit, die die Jünger untereinander haben sollen, dabei mit der Einheit zwischen ihm selbst und dem Vater. Anhand dieser Einheit soll die Welt verstehen, dass Jesus von Gott gesandt wurde und dass Gott die Gläubigen geliebt hat. Das Gebet schließt ab mit der Liebe, die zwischen Vater und Sohn herrscht. Diese Liebe soll auch bei den Gläubigen herrschen. Dann wird Jesus in ihnen und sie werden in Jesus sein.