9.1 Die Fußwaschung

Jh 13

Heute werden wir uns mit dem letzten Abend beschäftigen, den Jesus vor seiner Kreuzigung mit den Jüngern verbracht hat. Es ist naheliegend, dass Jesus diese Gelegenheit genutzt hat, um seinen Jüngern einige der wichtigsten Punkte zu sagen, die er ihnen sagen konnte. Die Erzählung umfasst die Kapitel 13 – 17, wobei es die meiste Zeit Jesus ist, der redet (einschließlich des Gebets in Kapitel 17). 

Betrachtet man die Chronologie, dann müsste es sich hier um den Abend vor der Verhaftung gehandelt haben. Vom Passahmahl und der Einsetzung des Abendmahls lesen wir in diesem Evangelium aber nicht. Es könnte der Eindruck entstehen, dass das Johannesevangelium an dieser Stelle im Widerspruch zu den Synoptikern steht. Oder man geht, wie ich es in diesem Kurs tue, davon aus, dass es sich beim Johannesevangelium um eine bewusste Ergänzung handelt. In diesem Fall geht der Autor davon aus, dass der Leser die anderen Geschichten bereits kennt und hat kein Interesse, sie zu wiederholen, sondern er konzentriert sich darauf, Inhalte des Gesprächs und die Fußwaschung zu ergänzen.

Bevor es zum Lehrdialog zwischen Jesus und den Jüngern kommt, erzählt Johannes von der Fußwaschung. Sie war in der damaligen Zeit Alltagsgeschehen. Sandalen waren die normale Fußbekleidung, dass Wetter war meistens warm und trocken, der Boden oft staubig. Wer aus dem Haus ging, kam mit schmutzigen Füßen wieder zurück. In Haushalten, die sich Sklaven leisten konnten, war die Fußwaschung für gewöhnlich die Aufgabe des niedrigsten Sklaven. Daher auch der Schock der Jünger, als Jesus anfängt, ihnen die Füße zu waschen. Jesus betont aber, dass er hier ein Beispiel gibt, dem die Jünger nacheifern sollen. Wenn er, ihr Rabbi, sich nicht zu fein ist, sich soweit für sie zu erniedrigen, wie können sie sich dem verweigern? Es handelt sich um eine Lektion in Demut. 

Die Reaktion des Petrus wird auf diesem Hintergrund nachvollziehbar. Die Idee, dass Jesus derjenige ist, der ihm die Füße wäscht, ist für ihn unvorstellbar. Wie bereits in Johannes 6 nimmt Jesus einen praktischen Punkt und verwendet ihn, um auf bildlicher Ebene zu lehren. Die Aussage, dass Petrus keinen Anteil an ihm haben würde, wenn er sich von Jesus nicht die Füße waschen lässt, bezieht sich nicht einfach nur auf die physische Fußwaschung. Ähnlich wie im letzten Kapitel ist die Aussage: Wenn wir Jesus nicht erlauben, sich zu erniedrigen, um uns zu dienen, dann haben wir keinen Anteil an ihm. Das ist dem menschlichen Stolz zuwider. 

Der Stolz des Petrus erweist sich auch diesmal kleiner als sein Bedürfnis, bei Jesus zu bleiben. So sehr, dass ihm eine Fußwaschung nicht genug ist. Er überreagiert und fragt, ob Jesus ihm nicht auch die Hände und den Kopf waschen kann. Wieder nutzt Jesus die Gelegenheit, um eine weitere Lektion zu lehren. Er betont, dass derjenige, der rein ist, es nicht nötig hat, gewaschen zu werden, abgesehen von seinen Füßen. Auch hier ist offensichtlich, dass es sich nicht (nur) um Tipps zur Körperpflege handelt. Diese Rede liefert ein Hilfreiches Bild über die Bedeutung über Verunreinigung (z. B. durch Sünde) im Leben eines Gläubigen. Sie ändert nichts daran, dass derjenige, der einmal von Jesus reingewaschen wurde auch rein ist. Nur die Füße hat er sich schmutzig gemacht und es ist wichtig, dass er sie von Jesus waschen lässt. Eine Lektion, die grade Petrus noch an diesem Abend bitter nötig haben würde.