8.4 Erfahrungswerte und Optimierung

Wir sind am Ende angelangt. Unsere Kirche ist neu strukturiert und designt. Jetzt können die tausende von neuen Menschen kommen. Der Weg ist gebahnt. Es kann losgehen. Jetzt braucht es nur noch einen letzten Punkt, ohne den geht es nicht:

Dokumentation, Erfahrungswerte und Optimierungen.

Kommen wir noch mal auf unsere Kuh-Geschichte:
Wenn der Experte dem Farmer nicht erklärt hätte, dass er verschieden Futtertröge im Wald ausprobieren muss, um zu sehen, welches Futter und welcher Ort der Beste ist, hätte der Farmer vielleicht nur den Heutrog an der Verkehrsstraße aufgestellt, weil er da so gut hinkommt. Der Farmer wäre frustriert gewesen und hätte sich doch wieder auf seine zwei Kühe zu Hause konzentriert. Aber er hatte den Experten. Und zwar braucht es nicht nur einiges an Recherche, sondern folgende, dauerhafte Strategie:

Alle Angebote und alle CtA müssen regelmäßig ausgewertet werden. Welche Anzeigen sind wie oft angeklickt worden? Wie viele Besucher waren an dem Sonntag da und wie viele von denen waren Nichtchristen? Wie viele Besucher hatten den Essengutschein dabei? Wie sind die Besucher auf die Webseite gekommen (hierfür braucht es Fragebögen, die regelmäßig verteilt werden).

Dafür bietet sich am besten eine Matrixliste an, die von den Mitarbeitern jeden Monat ausgefüllt wird. Erst auf eine längere Sicht hin kann man dann sehen, welches Angebot war wie erfolgreich. Man stellt vielleicht fest, das im Frühjahr weniger Besucher im Gottesdienst waren als im Herbst. Dann muss man herausfinden: Warum? Waren es die Themen? Oder lag es daran, dass wir im Frühjahr keine Facebookanzeigen geschaltet haben? Man sieht auch auf Dauer, ob der LifeCycle funktioniert, bzw. an welcher Stelle ein Stopfen liegt. 

Zwei Begriffe sind dafür wichtig:

  1. Conversionrate
    Diese Rate bedeutet: Wie viele von den Gottesdienstbesuchern, die zum ersten Mal dabei waren, haben sich bekehrt und haben eine Willkommenskarte ausgefüllt? Also wie viel Prozent von den Besuchern haben den CtA genutzt und sind eine Stufe weitergegangen?

    Hat man einen erfolgreichen CtA, kann man normalerweise die Conversionrate (Diese Rate sagt, wie viele Prozent von Menschen in einem bestimmten Zeitraum von einem Bereich des Vertriebstrichters in den nächsten Bereich übertritt. Wenn im Monat insgesamt 40 neue Besucher in deinen Gottesdienst kommen, und von diesen 40 Besuchern insgesamt 10 Besucher eine Teilnahmekarte zum Glaubenskurs ausfüllen und abgeben, dann beträgt die Conversionrate von dieser Aktion 25%. Das Ziel ist es, die Conversionsrate möglichst zu steigern. D.h. statt das nur 10 Leute die Karte ausfüllen, sollte angestrebt werden, dass 20 Leute von 40 Besuchern die Karte ausfüllen. Man erreicht das normalerweise, in dem man das Angebot, in diesem Fall den Glaubenskurs attraktiver darstellt oder auch den CtA, in diesem Fall die Aufforderung, die Karte auszufüllen und abzugeben, verbessert.) so erhöhen, in dem man mehr Besucher in das Angebot hineinbringt.

    Das heißt in unserer Kuhgeschichte: Wenn der Bauer merkt, dass bei 10 Futtertrogaktionen wirklich im Durchschnitt 10 Kühe kommen und zwei von der Kuh mit dem Karren angelockt werden und zur Farm geführt werden. Dann ist das eine Conversionsrate von 20%. Jetzt kann man überlegen, wie man diese Rate erhöht.

    Entweder mit besserem Futter in dem Karren? Oder mit zwei Kühen von der Farm, die jeweils einen Karren hinter sich haben? Kommen dann vielleicht 4 von 10 Kühen mit? Dann hätte man eine Rate von 40 %.

    Ich weiß, es hört sich nach viel Arbeit an. ABER die Arbeit lohnt sich, das kann ich aus eigenen Erfahrungen sagen und es macht unglaublich Freude zu sehen, wie Kirche oder ein christliches Werk ganz gesund wachsen kann.

  2. Retentionrate
    Die Retentionrate (Diese Rate sagt, wie viele Menschen in einem Bereich mehrmals wiederkommen. Wenn zum Beispiel von 10 neuen Gottesdienstbesuchern 5 Besucher die nächsten Gottesdienste wiederkommen, dann ist die Rententionrate 50%. Auch hier versucht man natürlich die Rate zu erhöhen. Oder wenn 40 Gemeindemitglieder, die 1000  Euro im Jahr gespendet haben, im nächsten Jahr nur 10 von ihnen 1000 Euro spenden, die restlichen 40 aber nichts, dann ist es eine geringe Rententionrate von 25%.) bedeutet, dass ein Mensch nicht nur einmal von einen CtA benutzt und in den nächsten Bereich weitergeht, sondern immer und immer wieder. D.h. ein regelmäßiger Gottesdienstbesucher wird. Oder ein paar Mal auf die Webseite zurückkommt und sich immer wieder eine Predigt anhört. Denn je öfter ein Mensch wieder und wieder ein Angebot wahrnimmt, desto stärker wird die Beziehung zu dir und deiner Kirche – und – GANZ WICHTIG – zu Jesus. Es gibt einige Menschen, die sagen, dass es nicht so wichtig ist, dass Menschen in die Gemeinde kommen, sondern dass sie zu Jesus kommen. Das stimmt auf der einen Seite: Es geht um JESUS! ABER: Die Kirche ist der SICHTBARE Teil Jesu auf dieser Erde (1. Korinther 12). Gerade kirchenferne Menschen brauchen erste einmal eine Hand aus Fleisch und Blut, eine Stimme aus einem sichtbaren Mund und ein Gesicht, was sie wirklich sehen können, um dann später auch eine tiefe Beziehung zu Jesus zu bekommen, der nicht über seine Kirche geht. Deshalb ist es meines Erachtens nach unumgänglich, d.h. von großer Wichtigkeit, dass Menschen in einer Kirche eingeladen werden, um dort Jesus zu begegnen und vor allem dann auch im Glauben stark zu werden.
    Zurück zur Rotationrate: Diese Rate können wir auch beeinflussen. Wenn wir zum Beispiel merken, dass Gottesdienstbesucher nur einmal in einen Hauskreis kommen, aber nicht wiederkommen, dann müssen wir herausfinden, warum das so ist. Wie? Indem wir diese Personen fragen. Und am besten nicht nur eine Person, sondern alle, die nur einmal kommen, also keine Rotationrate vorweisen. Vielleicht ist sogar das Angebot von einem Hauskreis nicht relevant oder nicht mehr so notwendig. Auch diese Frage müssen wir uns immer wieder stellen, wenn wir auf Grund der Erfahrungswerte merken, eine Angebot ist nicht effektiv.

Ihr seht, es liegt eine langer, aber wunderschöner Weg vor uns, um unsere Kirchen zu Orten zu machen, an denen regelmäßig so viele Menschen wie nur möglich von kirchenfernen Menschen zu Nachfolgern Jesu werden.  Es geht um Leben und Tod, um Himmel und Hölle und um die Ewigkeit! Jesus hat sich nicht gescheut, für uns auf diese Welt zu kommen und den Himmel hinter sich zu lassen. Noch mehr: Er hat sich nicht gescheut, einen grausamen Tod zu durchleben, um unsere Sünde zu tilgen. Wie viel mehr sollte es uns eine Freude sein, keine Arbeit und keine Mühe zu scheuen, um diese wunderbare Botschaft zu dem Menschen zu bringen. Und zwar so, dass sie es verstehen und davon genauso gepackt werden, wie du und ich davon ergriffen sind. Gemeinsam für Jesus – eure Inga