8.3 Den postmodernen Verstand/ das Herz erreichen/konfrontieren

Die Kommunikation mit der postmodernen Kultur erfordert ein heikles Gleichgewicht, das sich an das Gruppendenken anlehnt, das auch in der kommunitären Hermeneutik der Pfingstbewegung zu finden ist, ohne die robuste Grundlage der lehrmäßigen Exklusivität zu verraten. Die hier vorgeschlagene Lösung ist eine radikale Abkehr von Marketingstrategien und eine Hinwendung zum frontalen Dialog. Die Kirche muss den Verstand konfrontieren, um das Herz zu erreichen.

Wie eingangs festgestellt wurde, hat sich der gesellschaftliche Wandel von der Moderne zur Postmoderne nun zur Post- oder Metamoderne verschoben. In diesem Fall hat eine Verschmelzung von zwei sich sonst gegenseitig ausschließenden Weltanschauungen stattgefunden. Die Weltanschauungen des freien individuellen Ausdrucks und des Kollektivismus. Diese Vermischung führt dazu, dass Individuen einerseits nach subjektiven persönlichen Präferenzen handeln und andererseits die Agenda des Kollektivs (in diesem Fall der Gruppe, der sie angehören) an die Stelle dieser Präferenzen treten lassen. Das Zeitalter der sozialen Medien hat diese Tendenz nur noch verstärkt; Individuen halten an persönlichen Werten und Normen fest, sind aber bereit, diese zu ignorieren, um öffentlich der Vision und Agenda ihrer jeweiligen Gruppe oder Gruppen zu dienen. Sowohl online als auch in ihren eigenen Köpfen leben die Menschen also in einer Art virtueller Realität, die von der objektiven Wahrheit und Wirklichkeit abgekoppelt ist.

Dies erfordert eine Kirche, die die Botschaft (Wort) und die Erfahrung (Tat) des Evangeliums vollständig verkörpert. Es bedeutet, dass evangelikale und reformierte Kirchen nicht länger nur an den Intellekt appellieren können; pfingstliche und charismatische Kirchen können sich nicht allein auf phänomenologische Erfahrungen im Geist verlassen. Beide Aspekte müssen nach dem Modell verheiratet werden, das in der Apostelgeschichte am deutlichsten dargestellt wird. Der religiöse Glaube wird von zwei gegensätzlichen epistemischen Philosophien angegriffen. Die eine, vertreten durch den militanten Neuen Atheismus, greift Glaubenssätze an, indem sie Beweise innerhalb des Paradigmas des wissenschaftlichen Evidentialismus fordert; die andere, vertreten durch den postmodernen Relativismus, untergräbt Glaubenssätze, indem sie das Wasser mit politischen, identitätsbezogenen und sozialen dekonstruktiven Agenden trübt. Was es braucht, damit die transformierende Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi zu den Verfechtern dieser gegensätzlichen Weltanschauungen durchbricht, ist eine Umwidmung zu einer robusten und gesunden Lehre und das Ausleben dieser Lehre bis hin zu Zeichen und Wundern. Das ist das volle Evangelium. Es ist die einfachste und doch notwendigste Position, die eingenommen werden muss. Die Kirche muss den eigentlichen Inhalt und die Botschaft der Schrift wiederentdecken, um im Kampf um das, was wahr, rein und gut ist, sowohl informiert als auch standhaft zu sein. Und die Kirche muss mit der Liebe und Kühnheit durchdrungen sein, die notwendig ist (und immer notwendig war), um die Kraft des Evangeliums mutig in die Welt zu tragen. Es ist Pneuma und Logos. Der Geist und das Wort.

“Denn wir wissen, liebe Brüder, dass Gott euch erwählt hat, weil unser Evangelium nicht nur im Wort, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und mit voller Überzeugung zu euch gekommen ist. Ihr wisst, als was für Männer wir uns unter euch erwiesen haben, um euretwillen. ” (1. Thess. 1,4-5)

RÜCKBLICK:
Sehen Sie sich die folgenden Ausschnitte aus dem PragerU-Interview mit Jordan Peterson an:

youtube.com/watch?v=L47oJxwp6yg
(10:10-21:38) und (34:08-42:22).

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