7.3 Die Auferstehung

Mt 28; Mk 16; Lk 24

Zu guter Letzt werden wir uns die Auferstehungsberichte ansehen und ein Blick darauf werfen, wie die einzelnen Evangelien enden. Bevor wir einen Blick auf die individuellen Berichte werfen, hier ein Überblick über die Punkte, die sie gemeinsam haben.

Alle Evangelien sind sich einig, dass es die Frauen unter den Nachfolgern Jesu waren, die ans Grab kommen wollten, um den Körper Jesu einzubalsamieren. Wegen des Festtags war dafür keine Zeit nach der Kreuzigung. Sie kommen am ersten Tag der Woche (Sonntag). Da dies der Tag der Auferstehung war begannen die Christen bereits sehr früh, an diesem Tag anzubeten. 

Es war damals Sitte, dass Tote ins Grab gelegt und gegen den Gestank einbalsamiert wurde. Das Grab wurde verschlossen bis vom Toten nur noch die Knochen übriggeblieben waren, die dann, in Hoffnung auf den Tag der Auferstehung aufgehoben wurden. Anstelle des geschlossenen Grabes begegnen sie aber einem (oder zwei) Engeln, die ihnen sagen, dass Jesus nicht vor Ort ist. Er ist auferstanden. Sie erhalten den Auftrag, dass den Jüngern zu erzählen.

Der Markusschluss: Über den Schluss von Markus ist leider wenig bekannt. Der ursprüngliche Schluss ging wahrscheinlich verloren. Die besten überlieferten Dokumente enden mit Vers 8. Dieses Problem war auch in der alten Kirche bekannt. Es wurden dann ein kürzerer und ein längerer Schluss für das Evangelium geschrieben, wobei bis heute in den meisten Bibeln der längere Schluss abgedruckt ist. Zum Vergleich habe ich hier den Text vom kürzeren Schluss eingefügt: 

„Alles, was ihnen aufgetragen war, verkündeten sie kurz den Männern um Petrus. Danach aber entsandte auch Jesus selbst vom Aufgang bis zum Untergang durch sie die heilige und unvergängliche Verkündigung der ewigen Rettung.“

Einige Ausleger haben nahegelegt, dass das Evangelium tatsächlich mit 16,8 geendet hat. Es scheint aber wenig Sinn zu machen, damit zu enden, dass die Frauen niemandem davon erzählen. Der Gedanke, dass dieses Ende den Leser dazu herausfordern soll, die Botschaft selbst weiterzuerzählen wirkt zwar interessant, passt aber besser in die Postmoderne als die Antike. Damit bleibt die Frage nach dem ursprünglichen Markusschluss offen. Der längere Markusschluss kann nicht als ein Teil des Markusevangeliums gelten, gibt aber interessante Einblicke in die Theologie der ersten Christen.

Der Matthäusschluss: Sowohl Lukas als auch Matthäus konzentrieren sich bei ihren Schlusserzählungen auf die Glaubwürdigkeit der Auferstehung. Das sollte auch nicht zur Verwunderung führen, da eine Auferstehung auch damals schon als unglaublich angesehen wurde. Lukas konzentriert sich dabei mehr auf die Erlebnisse im Jüngerkreis, während Matthäus sich auch auf öffentliche Ereignisse bezieht. Unter anderem wird die Auferstehung durch dramatische Szenen wie ein Erdbeben begleitet. Matthäus sprach auch schon vorher davon, dass Heilige auferweckt wurden und vielen Erschienen sind (27,52-53).

Hier wird auch die Reaktion der Hohepriester gezeigt: Sie setzen das Gerücht in die Welt, dass die Jünger den Leichnam Christi gestohlen haben. Für Matthäus macht es nur Sinn, diese Geschichte mit einzubauen, wenn dieses Gerücht bereits im Umlauf war. Ansonsten würde er diese Gerüchte evtl. selbst starten. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass bereits früh in der Urkirche von der Auferstehung die Rede war. 

Jesus lässt den Jüngern ausrichten, dass er sie in Galiläa treffen wird. Die Worte Jesu: „Mir ist alle Macht gegeben…“ weisen ihn nicht nur als Messias aus, sondern noch als viel mehr. Die Auferstehung ist der ultimative Triumph Jesu und zeigt, dass Gott sich auf seine Seite gestellt hat: Nur Gott kann Leben geben. Er gibt dann den Auftrag, dass die Jünger seine Botschaft weitergeben sollen und andere zu Jüngern machen sollen. Der Auftrag, im Namen (singular!) des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen wird den Jüngern weiteren Stoff gegeben haben, um darüber nachzudenken, wer Jesus wirklich ist. Diese Formulierung stellt einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Dreieinigkeitslehre dar. Das Versprechen Jesu: „Ich bin bei euch…“ gilt als eine Verheißung, nicht nur für diese Jünger, sondern für alle Jünger, auch die Leser dieses Evangeliums.

Der Lukasschluss: Lukas konzentriert sich stärker auf die Erfahrungen und die Zweifel der Jünger. Sie hören die Botschaft, können sie aber kaum glauben. Den größten Rahmen nimmt die Geschichte um die beiden Emmaus Jünger ein. Auf ihrem Weg begegnen sie Jesus, erkennen ihn aber nicht. Sie erzählen ihm, was passiert ist, obwohl es nicht ungefährlich war, sich als Anhänger eines gescheiterten Messiaskandidaten zu bekennen. Sie erzählen die Geschichte, die von Hoffnung in Verzweiflung umschlägt.

Jesus erklärt ihnen, dass es so geschehen musste. Alles war nach dem Plan verlaufen, der von Anfang an gegolten hatte. Erst, als er mit ihnen isst und das Brot bricht, erkennen sie ihn. Sie eilen beide zurück nach Jerusalem. Als sie dort ankommen und erzählen, was ihnen passiert ist, erscheint auch Jesus. Erst sein Auftreten ist genug, um die Zweifel der Jünger zu auszuräumen. Auch dieses Evangelium beinhaltet den Auftrag, die Botschaft weiter zu verkündigen. Das Evangelium endet mit einem sehr kurzen Bericht von der Himmelfahrt. Diese Stelle dienst als Übergang zur Apostelgeschichte, wo die Himmelfahrt wesentlich detaillierter beschrieben wird.