7.1.1 Der Auslöser

Nach dem Tode Mohammeds (632) begann die Zeit der Islamischen Expansion. Von der Arabischen Halbinsel aus eroberte der Islam mit rasender Geschwindigkeit ein riesiges Territorium. Bereits 637 fiel Jerusalem unter islamische Herrschaft, kurz darauf Ägypten. Hundert Jahre später beherrschte der Islam den gesamten Norden Afrikas sowie den Großteil des heutigen Spaniens. Der Weg ins Heilige Land war für christliche Wallfahrer jedoch stets frei, wenngleich nicht ungefährlich und mit erheblichen Kosten verbunden. Karl der Große hatte mit Kalif Harun al-Raschid sogar ein entsprechendes Abkommen geschlossen, der den Pilgern den ungehinderten Zugang zu den heiligen Stätten ermöglichte.

Im 11. Jahrhundert änderte sich die Lage auf dramatische Weise. Der ägyptische Kalif Al-Hakim (985-1021) ließ im Jahre 1009 die Jerusalemer Grabeskirche zerstören, christliche Pilger waren im Heiligen Land ihres Lebens nicht mehr sicher. Zugleich eroberten muslimische Heere eroberten große Teile der heutigen Türkei, die bis dahin zum Byzantinischen Kaiserreich gehört hatte. Für die christliche Kirche hatte dieses Gebiet seit jeher eine große Bedeutung. Die Gemeinde von Ephesus, zu der Paulus ein enges Verhältnis hatte, gehörte zu den ältesten Gemeinden der Christenheit. Die großen Konzile der Alten Kirche (Nicäa, Konstantinopel, Chalcedon etc.) fanden auf diesem Gebiet statt. Sein Verlust an die Armeen des Islam war eine herbe Niederlage für den Byzantinischen Kaiser, sowohl politisch als auch religiös. Aus diesem Grunds suchte Alexios I. (byzantinischer Kaiser von 1081 bis 1118) Hilfe bei Papst Urban II. (1088-1099). Der Papst erkannte die Not und rief 1095 auf dem Konzil von Clermont öffentlich zur Unterstützung des Kaisers auf:

„Aus Jerusalem und Konstantinopel kam schlimme Nachricht und drang schon oft an unser Ohr: Das Volk im Perserreich, ein fremdes Volk, eine Brut von ziellosem Gemüt und ohne Vertrauen auf Gott, hat die Länder der dortigen Christenheit besetzt, durch Mord, Raub und Brand entvölkert und die Gefangenen teils in sein Land abgeführt, teils elend umgebracht; es hat die Kirche Gottes gründlich zerstört oder für seinen Kult beschlagnahmt […] Wem anders obliegt nun die Aufgabe, diese Schmach zu rächen, dieses Land zu befreien, als euch? […] Wenn euch zärtliche Liebe zu Kindern, Verwandten und Gattinnen festhält, dann bedenkt, was der Herr im Evangelium sagt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert; jeder der sein Haus, Vater, Mutter Gemahlin, Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlässt, wird Hundertfaches erhalten und ewiges Leben haben.“