6.3 Das Argument der präkognitiven Weltanschauung

Bei allen Bemühungen und Behauptungen wie David Humes Auffassung von natürlicher Religion oder dem rationalen Supernaturalismus von John Locke ist der Kern des Problems zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen Glaube und Vernunft die Weltanschauung. Beide Ideen und all die Argumente und Beweise, die jeweils vorgebracht werden, verlangen eines: Weltanschauungszugehörigkeit. Deutlich wird dies an den Vorstößen von Naturwissenschaftlern in das Feld der Metaphysik. Richard Dawkins leitet den Schwerpunkt seines Buches The Blind Watchmaker mit diesen Worten ein: 

“Die natürliche Selektion, der blinde, unbewusste automatische Prozess, den Darwin entdeckte und von dem wir heute wissen, dass er die Erklärung für die Existenz und die scheinbar zweckmäßige Form allen Lebens ist, hat keinen Zweck im Sinn. Sie hat keinen Verstand und kein geistiges Auge. Es plant nicht für die Zukunft. Es hat keine Vision, keine Voraussicht, überhaupt keine Sicht. Wenn man sagen kann, dass es die Rolle des Uhrmachers in der Natur spielt, dann ist es der blinde Uhrmacher. ” 

Dawkins’ Beschreibung ist nicht nur eine eklatante Parodie auf Paleys Die Uhr und der Uhrmacher, sondern auch eine Anleihe göttlicher Eigenschaften, die einem unbewussten, ungesteuerten System der Natur zugeschrieben werden. Der Konflikt besteht, wie John Lennox es ausdrückt, nicht zwischen Wissenschaft und Religion, auch wenn es so erscheinen mag. Der wahre Konflikt besteht zwischen zwei gegensätzlichen Weltanschauungen: Naturalismus und Theismus. Lennox, ein Mathematiker, fährt fort, dass jeder Mensch, auch Wissenschaftler jeder Couleur, mit bestimmten Ideen und Überzeugungen ausgestattet ist. Daher könnten zwei Wissenschaftler, einer ein Naturalist und einer ein Theist, mit denselben wissenschaftlichen Beweisen konfrontiert werden und entsprechend ihrer jeweiligen Weltanschauung zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen über die Implikationen dieser Beweise kommen. 

Lennox’ Argument gleicht nicht nur das sprichwörtliche rationale Spielfeld aus, sondern legt auch eine inhärente Religiosität nahe, die in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Weltanschauung zu finden ist, unabhängig davon, ob diese Weltanschauung naturalistisch, theistisch oder sogar agnostisch ist. Wie der christliche Philosoph James K.A. Smith es ausdrückt: 

“So etwas wie eine “säkulare” Perspektive gibt es nicht, wenn man mit “säkular” neutral und objektiv meint – als ob man ohne irgendwelche Glaubensverpflichtungen operiert (…) eine Weltanschauung spricht unsere grundlegendste Orientierung zur Welt an; ein Rahmen, der sogar vor dem Denken funktioniert. 

RÜCKBLICK:
Lesen Sie “The Naturalist and the Supernaturalist” von C.S. Lewis. Fassen Sie den Inhalt sowie besondere Punkte von Interesse zusammen.

ANWENDUNG:
Teilen Sie der Klasse während der Diskussion Ihre Interessenpunkte und oder Fragen mit.