6.2 Reflexion: Quelle

Benedikt von Nursia verfasste ein umfangreiches Klosterregularium für das von ihm gegründete Gemeinschaftskloster Monte Cassino (s.o.), die sogenannte Benediktsregel. Ludwig der Fromme (778-840), Sohn und Nachfolger Karls des Großen, legte diese Regel auf der Synode von Aachen (816) für das gesamte Mönchtum in seinem Reich als verbindlich fest.

Kapitel 5: Der Gehorsam

1. Der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern.
2. Er ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht.
3. Wegen des heiligen Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen der Herrlichkeit des ewigen Lebens
4. darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er von Gott.
5. Von ihnen sagt der Herr: „Aufs erste Hören hin gehorcht er mir.“
6. Und ebenso sagt er den Lehrern: „Wer euch hört, hört mich.“
7. Daher verlassen Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf.
8. Sogleich legen sie unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren. Schnellen Fußes folgen sie gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat.
9. Mit der Schnelligkeit, die aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch wie in einem Augenblick: der ergangene Befehl des Meisters und das voll brachte Werk des Jüngers.
10. So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten.
11. Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt: „Eng ist der Weg, der zum Leben führt.“
12. Sie leben nicht nach eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und Begierden, sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und dem Befehl eines anderen. Sie bleiben im Kloster und haben das Verlangen, dass ein Abt ihnen vorstehe.
13. Ohne Zweifel folgen sie auf diesem Weg dem Herrn nach, der sagt: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“
14. Ein Gehorsam dieser Art ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen beglückend, wenn der Befehl nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder gar mit Murren und Widerrede ausgeführt wird.
15. Denn der Gehorsam, den man den Oberen leistet, wird Gott erwiesen; sagt er doch: „Wer euch hört, hört mich.“
16. Die Jünger müssen ihn mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.
17. Wenn aber der Jünger verdrossen gehorcht, also nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen murrt,
18. so findet er, selbst wenn er den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der das Murren seines Herzens wahrnimmt.
19. Für solches Tun empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt der Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.

Kapitel 6: Die Schweigsamkeit

1. Tun wir, was der Prophet sagt: „Ich sprach, ich will auf meine Wege achten, damit ich mich mit meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor meinen Mund, ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten.“
2. Hier zeigt der Prophet: Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf gute Gespräche verzichten. Umso mehr müssen wir wegen der Bestrafung der Sünde von bösen Worten lassen.
3. Mag es sich also um noch so gute, heilige und aufbauende Gespräche handeln, vollkommenen Jüngern werde nur selten das Reden erlaubt wegen der Bedeutung der Schweigsamkeit.
4. Steht doch geschrieben: „Beim vielen Reden wirst du der Sünde nicht entgehen“,
5. und an anderer Stelle: „Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge.“
6. Denn Reden und Lehren kommen dem Meister zu, Schweigen und Hören dem Jünger.
7. Muss man den Oberen um etwas bitten, soll es in aller Demut und ehrfürchtiger Unterordnung erbeten werden.
8. Albernheiten aber, müßiges und zum Gelächter reizendes Geschwätz verbannen und verbieten wir für immer und überall. Wir gestatten nicht, dass der Jünger zu solchem Gerede den Mund öffne.

Kapitel 7: Die Demut

1. Laut ruft uns, Brüder, die Heilige Schrift zu: “Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.”
2. Mit diesen Worten zeigt sie uns also, dass jede Selbsterhöhung aus dem Stolz hervorgeht.
3. Davor hütet sich der Prophet und sagt: „Herr, mein Herz ist nicht überheblich, und meine Augen schauen nicht hochmütig; ich ergehe mich nicht in Dingen, die für mich zu hoch und zu wunderbar sind.“
4. Wenn ich nicht demütig gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? „Du behandelst mich wie ein Kind, das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt.“
5. Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem Leben aufsteigen,
6. dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab- und hinaufsteigen.
7. Ganz sicher haben wir dieses Herab- und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.
8. Die so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel auf, wenn unser Herz demütig geworden ist.
9. Als Holme der Leiter bezeichnen wir unseren Leib und unsere Seele. In diese Holme hat Gottes Anruf verschiedene Sprossen der Demut und Zucht eingefügt, die wir hinaufsteigen sollen.
10. Die erste Stufe der Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und hüte sich, Gott je zu vergessen.
11. Stets denke er an alles, was Gott geboten hat, und erwäge immer bei sich, wie das Feuer der Hölle der Sünden wegen jene brennt, die Gott verachten, und wie das ewige Leben jenen bereitet ist, die Gott fürchten.
12. Zu jeder Stunde sei er auf der Hut vor Sünden und Fehlern, die im Denken, Reden, Tun und Wandel durch Eigenwillen, aber auch durch Begierden des Fleisches geschehen.
13. Der Mensch erwäge: Gott blickt vom Himmel zu jeder Stunde auf ihn und sieht an jedem Ort sein Tun; die Engel berichten ihm jederzeit davon.
14. Der Prophet weist uns darauf hin, dass Gott unserem Denken immer gegenwärtig ist, wenn er sagt: “Gott prüft auf Herz und Nieren.”
15. „Der Herr kennt die Gedanken der Menschen.“
16. Ebenso sagt er: „Von fern erkennst du meine Gedanken.
17. „Das Denken des Menschen liegt offen vor dir.“
18. Vor seinen verkehrten Gedanken auf der Hut, spreche der Bruder, der etwas taugt, ständig in seinem Herzen: „Dann bin ich makellos vor ihm, wenn ich mich vor meiner Bosheit in Acht nehme.“
19. Den Eigenwillen zu tun, verwehrt uns die Schrift, wenn sie sagt: „Von deinem Willen wende dich ab!“
20. Da aber Gottes Wille in uns geschehe, darum bitten wir ihn im Gebet.
21. Mit Recht werden wir also belehrt, nicht unseren Willen zu tun, sondern zu beachten, was die Schrift sagt: „Es gibt Wege, die den Menschen richtig scheinen, die aber am Ende in die Tiefe der Hölle hinabführen.“
22. Ebenso zittern wir vor dem Wort, das von den Nachlässigen gesagt ist: “Verdorben sind sie und abscheulich geworden in ihren Gelüsten.“
23. Selbst bei den Begierden des Fleisches ist uns Gott, so glauben wir, immer gegenwärtig. Sagt doch der Prophet zum Herrn: „All mein Begehren liegt offen vor dir.“
24. Nehmen wir uns deshalb vor jeder bösen Begierde in Acht; denn der Tod steht an der Schwelle der Lust.
25. Darum gebietet die Schrift: „Lauf deinen Begierden nicht nach!“
26. Wenn also die Augen des Herrn über Gute und Böse wachen
27. und der Herr immer vom Himmel auf die Menschenkinder blickt, um zu sehen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht,
28. und wenn die Engel, die uns zugewiesen sind, täglich bei Tag und bei Nacht dem Herrn über unsere Taten und Werke berichten,
29. dann, Brüder, müssen wir uns zu jeder Stunde in Acht nehmen, damit Gott uns nicht irgendwann einmal als abtrünnig und verdorben ansehen muss, wie der Prophet im Psalm sagt.
30. Weil er gütig ist, schont er uns in dieser Zeit und erwartet unsere Bekehrung zum Besseren, damit er uns dereinst nicht sagen muss: “Das hast du getan, und ich habe geschwiegen.”

[…]

Kapitel 33: Eigenbesitz des Mönches

1. Vor allem dieses Laster muss mit der Wurzel aus dem Kloster ausgerottet werden.
2. Keiner maße sich an, ohne Erlaubnis des Abtes etwas zu geben oder anzunehmen.
3. Keiner habe etwas als Eigentum, überhaupt nichts, kein Buch, keine Schreibtafel, keinen Griffel gar nichts.
4. Den Brüdern ist es ja nicht einmal erlaubt, nach eigener Entscheidung über ihren Leib und ihren Willen zu verfügen.
5. Alles Notwendige dürfen sie aber vom Vater des Klosters erwarten, doch ist es nicht gestattet, etwas zu haben, was der Abt nicht gegeben oder erlaubt hat.
6. „Alles sei allen gemeinsam“, wie es in der Schrift heißt, damit keiner etwas als sein Eigentum bezeichnen oder beanspruchen kann.
7. Stellt sich heraus, dass einer an diesem schlimmen Laster Gefallen findet, werde er einmal und ein zweites Mal ermahnt.
8. Wenn er sich nicht bessert, treffe ihn eine Strafe.

Kapitel 34: Die Zuteilung des Notwendigen

1. Man halte sich an das Wort der Schrift: „Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“
2. Damit sagen wir nicht, dass jemand wegen seines Ansehens bevorzugt werden soll, was ferne sei. Wohl aber nehme man Rücksicht auf Schwächen.
3. Wer weniger braucht, danke Gott und sei nicht traurig.
4. Wer mehr braucht, werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit.
5. So werden alle Glieder der Gemeinschaft im Frieden sein.
6. Vor allem darf niemals das Laster des Murrens aufkommen, in keinem Wort und keiner Andeutung, was auch immer als Anlass vorliegen mag.
7. Wird einer dabei ertappt, treffe ihn eine schärfere Strafe.

[…]

Kapitel 39: Das Maß der Speise

1. Nach unserer Meinung dürften für die tägliche Hauptmahlzeit, ob zur sechsten oder neunten Stunde, für jeden Tisch mit Rücksicht auf die Schwäche einzelner zwei gekochte Speisen genügen.
2. Wer etwa von der einen Speise nicht essen kann, dem bleibt zur Stärkung die andere.
3. Zwei gekochte speisen sollen also für alle Brüder genug sein. Gibt es Obst oder frisches Gemüse, reiche man es zusätzlich.
4. Ein reichlich bemessenes Pfund Brot genüge für den Tag, ob man nur eine Mahlzeit hält oder Mittag und Abendessen einnimmt.
5. Essen die Brüder auch am Abend, hebe der Cellerar ein Drittel dieses Pfundes auf, um es ihnen beim Abendtisch zu geben.
6. War die Arbeit einmal härter, liegt es im Ermessen und in der Zuständigkeit des Abtes, etwas mehr zu geben, wenn es guttut.
7. Doch muss vor allem Unmäßigkeit vermieden werden; und nie darf sich bei den Mönchen Übersättigung einschleichen.
8. Denn nichts steht so im Gegensatz zu einem Christen wie Unmäßigkeit,
9. sagt doch unser Herr: „Nehmt euch in Acht, dass nicht Unmäßigkeit euer Herz belaste.“
10. Knaben erhalten nicht die gleiche Menge wie Erwachsene, sondern weniger. In allem achte man auf Genügsamkeit.
11. Auf das Fleisch vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die ganz schwachen Kranken.

Kapitel 40: Das Maß des Getränkes

1. Jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.
2. Deshalb bestimmen wir nur mit einigen Bedenken das Maß der Nahrung für andere.
3. Doch mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwachen meinen wir, dass für jeden täglich eine Hemina Wein genügt.
4. Wem aber Gott die Kraft zur Enthaltsamkeit gibt, der wisse, dass er einen besonderen Lohn empfangen wird.
5. Ob ungünstige Ortsverhältnisse, Arbeit oder Sommerhitze mehr erfordern, steht im Ermessen des Oberen. Doch achte er darauf, dass sich nicht Übersättigung oder Trunkenheit einschleichen.
6. Zwar lesen wir, Wein passe überhaupt nicht für Mönche. Aber weil sich die Mönche heutzutage davon nicht überzeugen lassen, sollten wir uns wenigstens darauf einigen, nicht bis zum Übermaß zu trinken, sondern weniger.
7. Denn der Wein bringt sogar die Weisen zu Fall.
8. Wo aber ungünstige Ortsverhältnisse es mit sich bringen, dass nicht einmal das oben angegebene Maß, sondern viel weniger oder überhaupt nichts zu bekommen ist, sollen Brüder, die dort wohnen Gott preisen und nicht murren.
9. Dazu mahnen wir vor allem: Man unterlasse das Murren.

Kapitel 41: Die Mahlzeiten

1. Vom heiligen Osterfest bis Pfingsten halten die Brüder zur sechsten Stunde die Hauptmahlzeit und nehmen am Abend eine Stärkung zu sich.
2. Doch von Pfingsten an sollen die Mönche während des ganzen Sommers am Mittwoch und Freitag bis zur neunten Stunde fasten, wenn sie keine Feldarbeit haben und die Sommerhitze nicht zu sehr drückt.
3. An den übrigen Tagen nehmen sie die Hauptmahlzeit zur sechsten Stunde ein.
4. Die sechste Stunde für die Hauptmahlzeit wird auch beibehalten, wenn die Brüder auf dem Feld arbeiten oder die Sommerhitze unerträglich ist; der Abt sorge dafür.
5. Überhaupt regle und ordne er alles so, dass es den Brüdern zum Heil dient und sie ohne einen berechtigten Grund zum Murren ihre Arbeit tun können.
6. Vom 13.September bis zum Beginn der Fastenzeit essen sie nur zur neunten Stunde.
7. Vom Beginn der Fastenzeit bis Ostern halten sie die Mahlzeit erst am Abend.
8. Die Vesper aber wird so angesetzt, dass man bei Tisch kein Lampenlicht braucht. Vielmehr muss alles noch bei Tageslicht fertig werden.
9. Auch zu anderen Jahreszeiten werde die Stunde für das Abendessen oder für die Hauptmahlzeit so gewählt, dass alles bei Tageslicht geschehen kann.

Kapitel 42: Das Schweigen nach der Komplet

1. Immer müssen sich die Mönche mit Eifer um das Schweigen bemühen, ganz besonders aber während der Stunden der Nacht.
2. Daher treffen wir eine Regelung für das ganze Jahr, sowohl für Fasttage wie für Tage ohne Fasten.
3. An Tagen mit Mittag und Abendessen gilt: Sobald man vom Abendessen aufgestanden ist, setzen sich alle zusammen. Dann lese einer die “Unterredungen”, die “Lebensbeschreibungen der Väter” oder sonst etwas vor, das die Hörer erbaut,
4. nicht aber den Heptateuch oder die Bücher der Könige, denn für weniger gefestigte Brüder ist es nicht gut, wenn sie zur Abendstunde diese Schriften hören; zu anderer Zeit aber soll man sie lesen.
5. An Fastagen dagegen gilt: Nach der Feier der Vesper und einer kurzen Pause begibt man sich, wie schon gesagt, zur Lesung der “Unterredungen”.
6. Man lese vier oder fünf Blätter, soviel die Zeit eben erlaubt.
7. So können während dieser Lesung alle zusammenkommen, auch wenn sie noch mit den zugewiesenen Arbeiten beschäftigt waren.
8. sind alle versammelt, halten sie die Komplet. Wenn sie dann aus der Komplet kommen, gebe es für keinen mehr die Erlaubnis, irgend etwas zu reden.
9. Findet sich einer, der diese Regel des Schweigens übertritt, werde er schwer bestraft,
10. ausgenommen, das Reden sei wegen der Gäste nötig, oder der Abt gebe jemandem einen Auftrag.
11. Aber auch dann geschehe es mit großem Ernst und vornehmer Zurückhaltung.

Kapitel 43: Die Bußen für Unpünktlichkeit

1. Hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei,
2. allerdings mit Ernst, um nicht Anlass zu Albernheiten zu geben.
3. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.
4. Kommt einer zu den Vigilien erst nach dem „Ehre sei dem Vater“ des Psalms 94, der deswegen sehr langsam und gedehnt zu singen ist, darf er nicht an seinem Platz im Chor stehen.
5. Vielmehr stehe er als letzter von allen oder auf dem Platz, den der Abt für so Nachlässige abseits bestimmt hat, damit sie von ihm und von allen gesehen werden.
6. Dort bleibe er, bis er am Schluss des Gottesdienstes öffentlich Buße getan hat.
7. Wir lassen die unpünktlichen Brüder bewusst auf dem letzten Platz oder abseitsstehen, damit sie von allen gesehen werden, sich schämen und deshalb sich bessern.
8. Bleiben sie nämlich außerhalb des Oratoriums, könnte sich vielleicht einer wieder schlafen legen oder sogar sich draußen hinsetzen und sich Zeit nehmen für Geschwätz; so gibt er dem Bösen Gelegenheit zur Versuchung.
9. Sie sollen vielmehr hereinkommen, damit sie nicht alles versäumen und sich in Zukunft bessern.
10. Kommt einer zum Gottesdienst der Gebetszeiten am Tage erst nach dem Vers und nach dem “Ehre sei dem Vater” des anschließenden ersten Psalms, stehe er nach der obigen Vorschrift auf dem letzten Platz.
11. Er nehme sich nicht heraus, sich vor seiner Buße dem Chor der psalmensingenden Brüder anzuschließen, außer der Abt ist nachsichtig und erlaubt es;
12. selbst dann muss der Schuldige Buße tun.
13. Kommt einer zu Tisch nicht vor dem Vers denn alle sollen gemeinsam den Vers singen und beten und sich zusammen zu Tisch setzen,
14. werde er dafür bis zu zweimal gerügt, wenn er aus Nachlässigkeit oder eigener Schuld nicht pünktlich kommt.
15. Bessert er sich nicht, versage man ihm die Teilnahme am gemeinsamen Tisch.
16. Getrennt von der Gemeinschaft aller Brüder, esse er allein. Auch sein Anteil an Wein werde ihm genommen, bis er Buße tut und sich bessert.
17. Ebenso werde auch der bestraft, der beim Vers nach dem Essen nicht da ist.
18. Keiner darf sich herausnehmen, vor oder nach der festgesetzten Zeit eigenmächtig etwas zu essen oder zu trinken.
19. Weigert sich einer anzunehmen, was der Obere ihm angeboten hat, dann soll er überhaupt nichts erhalten, wenn er zu einer anderen Zeit verlangt, was er vorher ausgeschlagen hat, oder wenn er sonst etwas haben will. Das gilt, bis er sich entsprechend gebessert hat.

Quelleangabe:

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