6.1.4 Die Franziskaner (Ordo Fratrum Minorum, OFM)

Die Franziskaner entstanden etwa zur selben Zeit wie die Dominikaner und ähnelten ihnen auch in vielerlei Hinsicht. Auch sie waren vornehmlich in den Städten aktiv, auch sie widmeten sich vorrangig Predigt und Seelsorge. Anfangs waren die Franziskaner auch mit inquisitorischen Aufgaben betraut. Ihr eigentliches Motiv war aber die konsequente Jesusnachfolge in Armut, wie sie ihr Gründer Franziskus (1181-1226) vorgelebt hatte. Ihre strengen diesbezüglichen Forderungen brachten sie nicht selten in Konflikt mit der Papstkirche, jedoch nie in solch extremer Form wie bei den Waldensern (s.o.)

Franziskus gilt in unserer heutigen Kultur außerdem als Schutzpatron der Tiere. Der 4. Oktober, der Gedenktag des Heiligen Franziskus, wurde 1931 als Welttierschutztag festgelegt und wird bis heute als solcher begangen. Franziskus hatte tatsächlich eine besondere Wertschätzung für die Tiere als Mitgeschöpfe. Er soll ihnen auch gepredigt haben. Sein Biograph Thomas von Celano berichtet von folgender Predigt:

„Meine Brüder Vögel! Gar sehr müsst ihr euren Schöpfer loben und ihn stets lieben, er hat euch Gefieder zum Gewand, Fittiche zum Flug gegeben und alles, was ihr nötig habt. Vornehm macht euch Gott unter seinen Geschöpfen und in der reinen Luft schuf er euch Wohnung. Ihr sät nicht und erntet nicht, und doch schützt und leitet er euch, ohne dass ihr euch um etwas kümmern braucht […] Bei diesen Worten jubelten jene Vögel auf ihre Art und fingen an, die Hälse zu strecken, die Flügel auszubreiten, die Schnäbel zu öffnen und auf ihn hinzublicken. Und so geschah es, dass er [Franziskus] von jenem Tag an alle Lebewesen, alle Vögel und alle kriechenden Tiere sowie auch alle unbeseelten Geschöpfe eifrig ermahnte, ihren Schöpfer zu loben und zu lieben.“