6.1.3 Die Dominikaner (Ordo Praedicatorum, OP)

Im 12. Jahrhundert entstanden zwei neue Bewegungen, die von der Kirche als häretisch bekämpft wurden. Die Katharer (griechisch katharoi = die Reinen), von deren Namen sich das deutsche Wort ‚Ketzer‘ ableitet, vertraten eine streng dualistische Weltsicht und knüpften somit an antike Systeme wie den Marcionismus oder die Gnosis an. Gott wird als geistiges Prinzip gedacht, das dem Prinzip der Materie entgegensteht. Die Schöpfung und auch der menschliche Körper werden als widergöttlich verworfen, einzig für die im Menschen befindliche Seele gibt es Hoffnung auf Erlösung. 

Die Waldenser, benannt nach ihrem Gründer Petrus Waldes, lehnten nicht die Schöpfung als solche ab, wohl aber die Lebensart der Kleriker und den Reichtum der Kirche. Diese Kritik führte zu ihrer Verurteilung. Waldes gilt heute als ein Vorreiter der Reformation, seine Statue befindet sich am Lutherdenkmal in Worms.

Diese neuen Bewegungen motivierten den Spanier Dominikus (1170-1221) zur Gründung eines Ordens, der sich die Bekämpfung von Häresien durch Studium und Predigt zum Ziel setzte. Anders als die Benediktiner lebten die Dominikaner nicht zurückgezogen in Klöstern, sie predigten in den Städten, meist auf öffentlichen Plätzen. Sie lebten von dem, was man ihnen dafür spendete (Bettelorden). Aufgrund des großen Erfolges und Wachstums des Ordens entstanden bald auch die ersten Dominikanerklöster.

Aufgrund der Zielsetzung des Ordens wurden die Dominikaner von Papst Gregor IX (1167-1241) offiziell mit der Inquisition (lateinisch inquisitio = Untersuchung) beauftragt. In der Bulle Ille humani generis (1231) heißt es: „Wir verfügen, dass ihr vor versammelten Prälaten, Klerus und Volk an geeignetem Ort eine Predigt haltet, euch dann zur erfolgreicheren Durchführung mit einigen zuverlässigen Leuten zusammentut und mit peinlicher Gewissenhaftigkeit nach Ketzern und Verdächtigen forscht. Falls ihr Schuldige oder Verdächtige findet, die nach dem Verhör den kirchlichen Geboten nicht bedingungslos gehorchen wollen, solltet ihr gegen diese nach den kürzlich von uns gegen Ketzer veröffentlichten Statuten verfahren und diesen Statuten entsprechend auch gegen die Beherberger, Verteidiger und Förderer von Ketzern vorgehen.“

Bei aller berechtigten Kritik an den mittelalterlichen Inquisitionsverfahren muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass viele berüchtigte Prozesse wie etwa die Hexenverfolgung in Salem (1692) in protestantischen Regionen vor weltlichen Gerichten stattfanden und somit nicht der römischen Inquisition anzulasten sind. Auch Martin Luther und Johannes Calvin hatten die Verfolgung und Hinrichtung von Hexen befürwortet.