5.1 Einführung in das Lukasevangelium

Autor und Datierung

Auch im Lukasevangelium nennt der Text selbst keinen Autor. Nach der Tradition stammt das Evangelium von Lukas und gehört zusammen mit der Apostelgeschichte zum lukanischen Doppelwerk. Mit diesen beiden Büchern hat er mehr vom Neuen Testament geschrieben als jeder andere Autor. Lukas war Arzt und Reisebegleiter des Paulus. Außerdem ist er der einzige heidnische Autor in der Bibel. Auch beim Lukasevangelium besteht Skepsis in der historisch-kritischen Forschung.

Auch hier teilen sich die Meinungen, was das Verfassungsdatum angeht. Wieder ist das Verständnis der Endzeitrede entscheidend. Dieses Thema wird im nächsten Kapitel vertieft. Der Abfassungsort war möglicherweise Rom.

Besonderheiten und Ziel

Das Thema des Lukasevangeliums ist Jesus, der Retter der Welt. Es ist adressiert an Theophilus, über den wir aber nichts wissen. Einige Ausleger haben nahegelegt, dass es sich bei ihm nicht um eine Person, sondern um ein Konstrukt handelt. In diesem Fall würde Theophilus für die einzelnen Leser des Evangeliums stehen. Andere Ausleger vermuten, dass es sich bei Theophilus um eine Art Sponsor des Evangeliums gehandelt haben könnte, der sich um die Verbreitung des Textes gekümmert hat. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass Lukas sein Evangelium für eine größere Leserschaft geschrieben hat.

Lukas bezeichnet sein Ziel damit, dass er genau und der Reihe nach von den Ereignissen erzählen will, die sich unter ihnen zugetragen haben. Er erhofft sich, dass sein Leser dadurch die Zuverlässigkeit der Dinge erkennt, von denen er berichtet. 

Das Lukasevangelium hat im Vergleich zu den anderen Evangelien seine eigenen Schwerpunkte. Lukas zeigt ein besonderes Interesse an den Armen, aber auch an den Frauen unter den Nachfolgern Jesu und an den Heiden. Im Vergleich zu Matthäus verstreut er sein Material viel stärker in seinem Evangelium. Sein Sondergut besteht aus vielen Geschichten und Gleichnissen. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter z.B. findet sich nur in diesem Evangelium. Auch sein Interesse ist hauptsächlich bei der Lehre Jesu, man kann aber von einer Tendenz reden, dass es Lukas mehr um die öffentliche Lehre Jesu geht und Matthäus mehr um die Lehre gegenüber seinen Jüngern.