5.1.3 Der Kaiser-Papst-Konflikt

Bereits in den Anfängen der Kirche bildete sich die Vorstellung einer gewissen Vormachtstellung des römischen Bischofs heraus (siehe Kapitel II.1.1.) Die durch Karl den Großen geschaffene Beziehung zwischen Kaisertum und Papsttum führte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu Konflikten, da sich die römischen Bischöfe nun immer mehr auch als weltliche Herrscher verstanden. In vollem Umfang zeigte sich dieser Konflikt erstmals während der Amtszeit Gregors VII. (1073-1085). In seinem 1075 verfassten Dictatus Papae formulierte er mit atemberaubender Kühnheit einen absoluten Herrschaftsanspruch des Papstes. Unter anderem enthält das Dokument folgende Thesen:

  • Allein der römische Papst wird mit Recht universal genannt.
  • Er allein kann Bischöfe absetzen und wieder einsetzen.
  • Es ist ihm erlaubt, Kaiser abzusetzen.
  • Sein Urteilsspruch darf von niemandem widerrufen werden, er selbst kann als einziger die Urteile aller anderen widerrufen.
  • Die römische Kirche ist niemals in Irrtum verfallen und wird nach dem Zeugnis der Schrift niemals irren.

Insbesondere der Anspruch, dem weltlichen Herrscher des Reiches übergeordnet zu sein, musste unweigerlich zu Spannungen führen. Zum berühmten Zerwürfnis zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. kam es aber in erster Linie aufgrund des Rechts auf Bischofseinsetzung, das sowohl Kaiser als auch Papst für sich beanspruchten (Investiturstreit). Der Kaiser verbat sich jegliche Eingriffe des Papstes in die Amtsführung der Bischöfe. Gregor griff daraufhin zu seiner schärfsten Waffe: er exkommunizierte den deutschen Kaiser. Heinrich verlor durch diesen Schritt enorm an Rückhalt und konnte seine Herrschaft kaum noch ausüben. Er sah sich daher zum Gang nach Canossa (1077) gezwungen, der sprichwörtlich werden sollte. Im Büßergewand verharrte Heinrich mehrere Tage vor der Burg Canossa in Oberitalien, wo sich der Papst aufhielt. Gregor akzeptierte diesen Akt der Buße und hob die Exkommunikation auf.

Zu einem weiteren Höhepunkt des päpstlichen Machtanspruches kam es unter Bonifatius VIII. (1294-1303).  Seine 1302 erlassene Bulle Unam Sanctam (siehe Quelle) gilt als die berühmteste päpstliche Bulle des Mittelalters. König Philipp IV. von Frankreich (1285-1314), gegen den diese Bulle indirekt gerichtet war, reagierte auf die Machtansprüche des Papstes unter anderem mit der Verlegung des Papsttums nach Avignon (1309) und somit unter seinen Herrschaftsbereich.