5.1.1 Die Konstantinische Wende

Kaiser Konstantin, der 324 die Alleinherrschaft über das Römische Reich übernahm, fühlte sich verantwortlich für die Förderung und Wahrung der korrekten Religionsausübung in seinem Reich. Darin unterschied er sich nicht von seinen Vorgängern. Zunächst nahm er diese Pflichten auch für die heidnischen Kulte wahr, wurde jedoch immer mehr zu einem Unterstützer der Kirche. Zeitgenössische Geschichtsschreiber berichten, Konstantins Hinwendung zum Christentum habe mit seinem militärischen Sieg an der Milvischen Brücke (über den römischen Tiber) im Jahre 312 begonnen, den er auf das Eingreifen (des christlichen) Gottes zurückführte. Dieser Sieg sicherte Konstantins Alleinherrschaft im Weströmischen Reich. 

Auch seinen Weg zur Alleinherrschaft im gesamten Reich deutete Konstantin als göttliche Fügung. Gott habe durch ihn die Krise des Reiches beendet, die durch die falsche Religionsausübung heraufbeschworen wurde. Daher sei es nun an ihm, „die religiöse Gesinnung aller Völker zu einer einheitlichen Gestalt [zu] vereinen“ (siehe Quelle). Diese einheitliche Gestalt war für ihn der christliche Glaube, für dessen Förderung und Bewahrung er sich zuständig sah. Wie stark er seine diesbezügliche Weisungskompetenz einschätzte, zeigt sich insbesondere in der Einberufung des Konzils von Nicäa, bei dem er wie selbstverständlich den Vorsitzt der Bischofsversammlung übernahm.

Nach Konstantins Tod (337) führten seine Nachfolger, mit Ausnahme Kaiser Julians (332-362), seine Religionspolitik fort. Unter Theodosius I. (347-395) wurde das Christentum schließlich die für alle Bürger des Reiches verbindliche Religion. 380 erließt er das Edikt Cunctos Populos, in dem es heißt:

„Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt wie auch Bischof Petrus von Alexandrien, ein Mann von apostolischer Heiligkeit; das bedeutet, dass wir gemäß apostolischer Weisung und evangelischer Lehre eine Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes in gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben.“