4.7 Ist NOMA eine mögliche Lösung?

Nonoverlapping Magisteria (NOMA) (deutsch etwa: „sich nicht überschneidende Lehrgebiete“) bezeichnet die Auffassung, wonach Religion und Wissenschaft einander nicht widerstreiten, weil die Gebiete ihrer professionellen Expertise sich nicht überschneiden.

Der Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould prägte diesen Begriff in einem 1997 veröffentlichten gleichnamigen Aufsatz.[1] Der zugrundeliegende Gedanke wurde jedoch schon wesentlich früher geäußert, so 1925 von Alfred North Whitehead in seinem Artikel Religion and Science für The Atlantic.[2]

Demnach umfasst Wissenschaft das empirische Universum und beantwortet die Fragen, woraus es gemacht ist (Fakten) und warum es so funktioniert (Theorie); Religion sei dagegen auf Fragen moralischer Bedeutung und Werte gerichtet. Sowohl unter Religionsanhängern als auch unter den westlichen Wissenschaftlern sei diese Auffassung vom Verhältnis von Wissenschaft und Religion zueinander am weitesten verbreitet. Der Kreationismus sei dagegen eine Randerscheinung und beruhe auf einem Missverständnis der Bibel als einem unfehlbaren Dokument, das „buchstäblich bis auf jedes Jota und jedes i-Tüpfelchen wahr ist“, wie es lediglich in fundamentalistischen Teilen des amerikanischen Protestantismus vorherrsche. Diese streng wörtliche Interpretation sei weder im Katholizismus noch im Judentum und auch nicht in den meisten protestantischen Strömungen gängig, da in diesen Religionen keine verbreitete Tradition bestehe, die Bibel als buchstäbliche Wahrheit anzusehen. Vielmehr wird die Bibel als erhellende Literatur verstanden, die zum Teil auf Metaphern und Allegorien basiert und für ein angemessenes Verständnis interpretationsbedürftig ist.

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Ich möchte hier widersprechen:

a. Glaube berührt nicht nur Werte und Moral. Hier zieht sich der Glaube auf verlorenes Terrain zurück. Glaube beansprucht für sich eine gesamtheitliche Erklärung der Schöpfung. (diese darf sich dann auch mit Aussagen der Wissenschaft überschneiden, muss es aber nicht)
b. Die Wissenschaft selbst würde solch eine Aussage auch nicht mittragen. Gerade Werte und Ethik sind Ausflüsse eines Menschenbildes. Wenn man für Abtreibung ist, dann ist man es gerade deswegen, weil ein Baby kein Ebenbild Gottes ist, sondern ein Zellklumpen, der alleine nicht lebensfähig ist. 

Stephen Gould trifft trotzdem mit seinem NOMA Modell einen wunden Punkt der Wissenschaft. Diese ist nämlich schlechterdings nicht in der Lage Aussagen über nicht beobachtbare Ereignisse zu treffen. Hören wir hier noch einmal Kant:

Erkenntnis Kategorien:
1. a priori (von vorneherein)
2. a posteriori (im Nachhinein) 

Ein Beispiel für eine Erkenntnis a priori ist:
Alle Junggesellen sind ledig.

Die Erkenntnis ergibt sich automatisch, wenn man die Begriffe „Junggeselle“ und „ledig“ versteht. Es ist sozusagen keine Frage und eine andere Antwort wäre unbedingt falsch.

zwei weitere Beispiele:
Alle Körper sind ausgedehnt. Analytisch; durch Begriffsanalyse a priori erkennbar.
Alle Körper sind schwer. Synthetisch; durch phys. Forschung. a posteriori. erkennbar. 

Eine Analytische Betrachtung fasst nur in Worte, was aus den Begriffen selbst ableitbar ist. Wenn Köper keine Ausdehnung hätten, könnten wir sie nicht wahrnehmen. Die zweite Behauptung, dass alle Körper schwer sind also etwas wiegen ist nicht aus dem Begriff selbst ableitbar. Wir wissen es nur durch Empirie, also Erfahrung und Forschung. Das Bauernhaus -Beispiel war somit eine synthetische Folgerung.

Somit ergibt sich folgende Matrix:

Analytisches Urteilsynthetisches Urteil
Erkenntnis a prioriAnsatz der Scholastik Relevanter Bereich 
Erkenntnis a posterioriNicht existent/nicht hilfreichNaturwissenschaften

Welche Kategorie ist für die Erkenntnis Gottes ausschlaggebend? Seine Frage lautet also: Kann man eine Erkenntnis über etwas haben, dass man nicht sinnlich untersuchen kann und das sich nicht aus Begriffen ableitet? Eine typische Frage würde lauten: Gibt es einen Himmel? Verboten wäre anzunehmen, dass der Begriff „Himmel“ als Wortbegriff (semantisch) an sich eine Antwort enthalten könnte, wie „Oben, Wolke, Blau, Luftig“, weil z.b. Jesus ja gar nicht im aramäischen den deutschen Himmelsbegriff erwähnte und dieser deshalb irreführen wäre. Die Scholastik (Lehre des ausgehenden Mittelalters) hatte von der Güte Gottes ausgehend argumentiert, dass der Himmel natürlich gut und rein wäre, weil Gott selber gut und rein ist. 

Ähnlich wie der Begriff „Gott“ ist der Begriff „Freiheit“ oder „Liebe“. Sie sind nicht sinnlich zu beobachten. Kant muss erkennen, dass es eigentlich unmöglich ist über diese Begriffe a priori und synthetisch etwas Vernünftiges zu sagen. (Christen nennen das übrigens Prophetie) Die Vernunft kann verlässliche Aussagen nur über die Auswirkungen dieser Begriffe treffen (a posteriori) , damit aber begibt sie sich auf rutschigen Boden, weil es natürlich nicht nachweisbar ist, dass du Gott in deiner Gebetszeit erlebst und dich geborgen fühlst, oder ob es nur eine Hormonausschüttung ist, die die von deinen Hirnsynapsen ausgeschüttet wurde aufgrund einer inneren Vorstellung (wie beim Bauernhaus) die du dir selbst gebildet hast.