4.1.4 Die großen Verfolgungen

Von Beginn an waren Christen Anfeindungen, Verurteilungen und vereinzelt auch Verfolgungen auf Provinzebene ausgesetzt. Mitte des dritten Jahrhunderts kam es dann erstmals zu reichsweiten Verfolgungen auf kaiserlichen Befehl. Mit dem Ziel einer Rückbesinnung auf alte römische Traditionen ordnete Kaiser Decius im Jahre 250 ein allgemeines Bittopfer für das gesamte Reich an. Dieses Opfer war verpflichtend und wurde streng überwacht. Die Opfer mussten von offizieller Stelle bescheinigt werden. Wer sich weigerte, den römischen Göttern und dem Kaiser zu opfern, wurde mit Gefängnis oder mit Tod bestraft. Insbesondere christliche Amtsträger waren zu dieser Zeit bereits öffentlich agierende Personen, die von den Behörden bei ihren Prüfungen nicht übergangen werden konnten. Ihre Entscheidung für oder gegen den Kaiser wurde von ihren Gemeinden mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen, weshalb es gerade bei den Klerikern zu großen Streitigkeiten kam, wie mit ihnen im Falle ihres Abfalls umzugehen sei (siehe II.1.4). 

Kaiser Valerian, der von 257-259 die Politik des Decius fortsetzte, zielte sogar in erster Linie auf die Kleriker. Er nahm bewusst die Führungsschicht der Christen ins Visier, um sich so ihrer Loyalität zu versichern. Zugleich verschärfte Valerian die Maßnahmen seines Vorgängers insofern, als er die Todesstrafe bei Opferverweigerung explizit vorschrieb. Das Imperium hatte aber weder unter Decius noch unter Valerian das vorrangige Ziel, massenweise Bürger umzubringen. Vielmehr ermutigte man die Christen stets, einem Urteil durch Opfer zu entgegen. Man suchte nicht den Untergang der Kirche, sondern das Wohlergehen des Staates.

Zur größten und wohl auch brutalsten Verfolgung kam es schließlich unter Kaiser Diokletian und seinen Mitkaisern (305-311). Spätestens hier zeigte sich jedoch, dass die Kirche eine zu bedeutende Größe geworden war, die sich nicht mehr gewaltsam aus der Gesellschaft verdrängen ließ. Nach dem Ende der letzten großen Verfolgung dauerte es nicht mehr lange, bis Kaiser Konstatin dem Christentum den Weg zur offiziellen Religion des Römischen Reiche ebnete (siehe Kapitel V).