4.1.3 Märtyrerverehrung

Das griechische Wort martys bedeutet zunächst einfach nur Zeuge, wurde innerhalb der Kirche jedoch schon recht früh als spezifische Bezeichnung für Blutzeugen des Glaubens fixiert. Das Leiden und Sterben um Christi willen wurde als besondere Form der Nachfolge Jesu gedeutet, der als ursprünglicher Zeuge der Wahrheit gesehen wurde. Märtyrer wurden zu Objekten religiöser Verehrung, Märtyrerberichte (siehe Quelle) bildeten sich als eigenen Literaturgattung heraus, die in Gottesdiensten zu Ehren der Märtyrer verlesen wurde.

Dass Menschen bereits waren, ihr Leben um ihres Glaubens willen zu opfern, war in der Antike eine absolute Neuheit. Zwar gab es Vorbilder in der jüdischen Apokalyptik (z. B. Daniel), doch zu größerer Bekanntheit fand dieser Akt erst durch die Christen. Verhandlungen und Verurteilungen fanden nicht selten öffentlich statt, und die Menge konnte sich persönlich von der Tapferkeit der Verurteilten überzeugen. Tertullian (siehe III.2) nannte das Blut der Märtyrer gar den „Samen der Kirche“, weil ihr aus diesem Blut ständig neue Anhänge erwachsen. Weiter schreibt er: „Schmerz und Tod geduldig zu ertragen, dazu fordern viele der Eurigen auf, Cicero in den Gesprächen in Tusculum, Seneca in der Schrift ‚Über die Zufälligkeiten‘, Diogenes, Pyrrho, Callinicus; aber ihre Worte finden nicht so viele Schüler wie die Christen, die durch Taten lehren. Gerade jener hartnäckige Trotz, den ihr uns zum Vorwurf macht, ist ein Lehrer. Denn welcher Mensch fühlt sich nicht, wenn er ihn betrachtet, mit Gewalt angetrieben, zu untersuchen, was innerlich der Sache zugrunde liegt. Wer tritt, wenn er untersucht hat, uns nicht bei?“