4.1.2 Christliche Apologetik

Neben der Ketzerbekämpfung (siehe Kapitel III) entwickelte sich die Apologetik zum zweiten großen Genre frühchristlicher Theologie. Die Apologeten (griechisch apologein = verteidigen) versuchten, die Vorwürfe der heidnischen Umwelt gegenüber dem Christentum zu entkräften. Dabei ging man auch auf die rechtlich bedeutsamen Anschuldigungen wie Asebie und mangelnde Loyalität ein (siehe IV.1.1)

Justin (siehe Kapitel I.2) legt in seiner um 150 verfassten Apologie dar, dass die römischen Herrscher die christliche Hoffnung auf ein neues Reich missverstanden hätten, da die Christen kein irdisches Reich im Sinn hätten. Insofern seien die Christen auch keine Bedrohung für die staatliche Ordnung, im Gegenteil: „Ihr habt aber in der ganzen Welt keine besseren Helfer und Verbündeten zur Aufrechthaltung der Ordnung als uns.“ Auch Tertullian (siehe Kapitel III.2) argumentiert in seiner Apologie ähnlich: „Nur zu, ihr trefflichen Statthalter, foltert zu Tode eine Seele, die inständig zu Gott betet für das Wohl des Kaisers!“ Tertullian geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er darlegt, dass die Christen die besseren Unterstützer des Kaisers seien, da sie bei dem wahren Gott, der dem Kaiser seine Macht verliehen habe, Fürbitte für ihn halten. 

Daraus ergibt sich direkt das zweite große Thema der Apologeten: Die wahre Religion. Es geht den Autoren nicht nur um ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft, sie wollen ihr gegenüber auch von der Wahrheit ihrer Sache überzeugen. Dabei spielt die Biographie der Apologeten eine nicht unwichtige Rolle, denn die meisten von ihnen sind als Heiden erzogen worden und haben erst im Erwachsenenalter zum Christentum gefunden. Daraus erklärt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der heidnischen Philosophie, die immer auch Teil ihres eigenen Lebensweges ist. Allerdings finden sich zwei gegensätzliche Wege, mit diesem Erbe umzugehen. Während einige Apologeten versuchen, Philosophie und Christentum miteinander zu vereinen und das Christentum als die wahre Philosophie zu präsentieren, suche andere eine scharfe Abgrenzung zu heidnischem Gedankengut.