4.1.1 Hebräisches Verständnis: Geist – Seele – Leib

Als Gesellschaft, die ihre Wurzeln im griechisch-antiken Denken hat, fällt es auch den Christen oft schwer, den drei Komponenten – GEIST, SEELE und LEIB – eine gleiche Wichtigkeit zu geben. Die griechische Philosophie, auf der die Lehren des Rationalismus aufbauen, der unsere westlichen Erziehungswissenschaften prägt, sieht das Geistige und die Vernunft als wichtiger an als das Körperliche und Praktische.

Das hebräische Verständnis nach Gottes Wort ist allerdings ein anderes: Es betrachtet Geist, Seele und Leib als eine Einheit. Gott hat die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen (vgl. 1.Mo 1,27), und dies beinhaltet auch die verschiedenen Aspekte der Menschlichkeit. „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“ (1.Thes 5,23).

Peter Scazzero fasst die menschliche Persönlichkeit in fünf Komponenten zusammen und warnt, dass es zerstörerische Auswirkungen auf unsere Beziehung zu Gott, zu anderen und uns selbst hat, wenn wir auch nur einen Aspekt unseres Mann- oder Frauseins in Gottes Ebenbild ignorieren (Glaubensriesen – Seelenzwerge: Geistliches Wachstum und emotionale Reife von Peter Scazzero).

In unserer westlich geprägten Theologie ist die Versuchung groß, geistliche Reife anhand von dem „geistlichem Auftreten“ einer Person abhängig zu machen. Auch der intellektuelle Aspekt wird hoch geschätzt. Aber ein Christ kann geistlich stabil sein und dennoch immer wieder an seine Grenzen kommen. Er kann ein nach außen hin „geistlicher Überflieger“ sein und trotzdem den Dauerlauf des Lebens nicht halten, weil er die anderen Aspekte missachtet. Scazzero nennt einige Wege zu einer emotional heilsamen Spiritualität:

  1. Erkenne dich selbst, damit du Gott erkennst (Wahrhaftig werden)
  • Sich den eigenen Gefühlen stellen
  • Falsche Denkmuster ablegen (z.B. Ich bin, was ich tue. Ich bin, was andere von mir denken)
  • sich der eigenen Identität in Jesus bewusst werden
  1. Den Schritt zurück, der uns den Weg nach vorne freimacht (Die Macht der Vergangenheit brechen)
  • Vergangenheit aufarbeiten
  • Muster der Vergangenheit im eigenen Leben entdecken und gestalten
  1. Der Weg durch die Mauer (Macht und Kontrolle loslassen)
  • Reise zum Innerem, um geistlich reif zu werden
  • Ablegen von Stolz, Habgier, Luxus, Zorn, geistliche Genusssucht, geistlicher Neid, Trägheit
  • Hineinwachsen in wahre Demut, geistliches Nichtwissen, Warten auf Gott, Unabhängigkeit von irdischen Bedürfnissen
  1. Die Seele weiten lassen – Trauer und Verlust (Lernen, mit Grenzen zu leben)
  • Verwirrende Wartezeit aushalten
  • Geschenk der Begrenzung annehmen
  • Vergeben lernen
  1. Wege zu einer vertieften Spiritualität (Innehalten, um den Herzschlag der Ewigkeit zu spüren)
  • Eigenes Tun unterbrechen und innehalten
  • Sabbat halten und geistlich gestalten
  • Stress nicht mit Aktivismus, sondern mit Gebet entgegentreten
  1. Emotional erwachsen werden (Lieben lernen)
  • Nicht ich, sondern Gott und andere sind Mittelpunkt meines Lebens
  • Mit Konfliktsituationen reif umgehen: Konflikte nicht leugnen; Konflikte in Liebe austragen; lernen, Frieden zu stiften

(Weiterführende Gedanken für das Leben als emotional gesunder Leiter in „Emotional gesund leiten“ von Peter Scazzero.)