4.1.1 Die Rechtslage der Christen im Römischen Reich

Das Imperium Romanum verfolgte im Allgemeinen eine überaus tolerante Religionspolitik. Besiegte Völker wurden nicht ‚missioniert‘ und konnten ihre jeweilige Religion weiterhin ausüben. Toleranz bedeutete allerdings keineswegs Gleichgültigkeit. Man legte großen Wert auf die Religion als wichtigen Faktor des öffentlichen Lebens. Mindestens ebenso großen Wert legte man auf die Loyalität gegenüber dem Reich und seinem Kaiser, der als Gott verehrt wurde. Wenn eine Religion den Eindruck erweckte, sich gegen Kaiser und Reich zu stellen, konnte es mit der Toleranz sehr schnell vorbei sein.

Den Christen wurde von Seiten der römischen Behörden Asebie (Frevel, falsches Verhalten gegenüber den Göttern) sowie Majestätsbeleidigung vorgeworfen. Im Gerichtsverfahren wurden Christen entsprechend geprüft. Der Statthalter Plinius (Provinz Pontus-Bithynia) beispielsweise ließ ihm als Christen vorgeführte Angeklagte Opfer vor den Götterbildnissen sowie dem Kaiser erbringen und verlangte von ihnen außerdem eine Verfluchung Christi. Wenn sie kooperierten, ließ er sie frei. Wer sich widersetzte, wurde zum Tode verurteilt oder, wenn er römischer Bürger war, nach Rom überstellt. 

Kaiser Trajan, an den sich Plinius diesbezüglich in einem Brief gewandt hatte, ordnete außerdem Folgendes an: „Nach ihnen fahnden soll man nicht. Wenn sie angezeigt und überführt werden, müssen sie bestraft werden, jedoch so, dass, wer leugnet, Christ zu sein, und dies durch eine entsprechende Handlung beweist, nämlich durch die Anrufung unserer Götter, wegen seiner Reue Verzeihung erhält, selbst wenn er für die Vergangenheit verdächtig bleibt. Anonym vorgelegte Klageschriften dürfen bei keiner Straftat Platz haben, denn das wäre ein schlechtes Beispiel und passt nicht zu unserer Zeit.“ Beide Anweisungen belegen, dass der Kaiser kein Interesse an einer Ausweitung der Christenprozesse hatte. Im Gegenteil, bei aller Härte weiß sich das Römische Reich durchaus rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet.