3.3 Johannes der Täufer

Mt 3,1-17; Mk 1,1-11; Lk 3,1-22

Die Evangelien beginnen mit Johannes dem Täufer. Sein Auftreten bedeutet nach neutestamentlichem Verständnis, dass nach 400 Jahren das erste Mal ein Prophet wieder auftritt. Er beginnt seinen Dienst in der Wüste mit einem Aufruf zur Buße und dem Hinweis, dass das Reich Gottes nahegekommen ist. Er wird beschrieben als ein Wilder, der in der Wüste lebt und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Sein Mantel aus Kamelhaar erinnert an Elija, der selbst eine Zeit lang in der Wüste gelebt und das Volk zur Buße aufgerufen hat.

Buße zu tun bedeutet so viel wie umkehren, einen anderen Weg einschlagen. Johannes macht deutlich, dass er von seinen Hörern nicht nur ein Umdenken, sondern auch einen veränderten Lebenswandel (Früchte) erwartet. Diese Predigt war verbunden mit der Aufforderung, sich taufen zu lassen. Die Täuflinge wurden im Jordan völlig untergetaucht. Diese Taufe diente zur Vergebung der Sünde (Mk 1,4; Lk 3,3) und dürfte einer der Hauptgründe sein, warum der Dienst des Johannes unter den jüdischen Leitern auf Widerstand gestoßen ist. Für die Vergebung der Sünde gab es nach dem Gesetz bereits einen Weg und einen Ort. Es sollten Opfer im Tempel sein, nicht Waschung im Jordan. Wie wir jedoch noch sehen werden, ist eines der Themen in den Evangelien, dass der Tempel und seine Priesterschaft als ein Ort der Versöhnung und Begegnung zwischen Menschen und Gott gescheitert ist. 

Die Herkunft der Taufe ist ein Thema, dass vielen Auslegern Kopfzerbrechen bereitet hat. Dort gab es zwar traditionelle Waschungen, diese waren aber von ihrer Natur her anders angelegt. Es scheint, dass Johannes mit den Taufen etwas Neues ins Leben gerufen hat. Evtl. soll sie an die Überquerung des Jordan denken lassen, von der das Buch Josua berichtet hat. Sie hat den Einzug des Volkes in das verheißene Land markiert. Die Implikation ist deutlich: Jetzt ist die Zeit, in der sich die Versprechen Gottes erfüllen.

Nur eine Aussage des Johannes wird in allen Evangelien wiedergegeben: Das einer nach ihm kommen wird. Johannes sagt über ihn, dass er (Johannes) nicht würdig ist, ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen (was zu den niedrigsten Sklavenarbeiten gehörte). Weiter kündigt er über Jesus an, dass er die Menschen nicht mit Wasser, sondern mit heiligem Geist taufen würde. Eine Ankündigung, dass Gottes Gegenwart wieder unter das Volk zurückkehren würde. Johannes tritt somit als eine Art königlicher Herold auf. Seine Rolle endet damit, dass er Jesus tauft. Der Heilige Geist kommt auf Jesus. Ab hier ist er der Hauptcharakter, dem der Leser folgt und hier beginnt das öffentliche Wirken Jesu.