3.2.1 Induktive Erkenntnis

Bleiben wir beim Eis. Du gehst also und findest tatsächlich Eiscreme im Kühlschrank. Jemand hat eingekauft. Dies wiederholst du immer donnerstags und tatsächlich: Es liegt immer ein leckeres Eis im Kühlschrank. Auch bei deinen 3 besten Freunden ist es so, dass donnerstags Eiscreme im Kühlschrank liegt. Du wirst nun annehmen, dass an diesem Donnerstag auch Eis mitgebracht wurde und gehst erwartungsvoll zum Kühlschrank. Du wirst belohnt. Das geschieht nun viele Wochen lang. Du stellst die These auf: Donnerstags ist immer Eiscreme im Kühlschrank. Und weil du nun auch bei allen deinen Freunden gefragt hast, nimmst du an, dass in der ganzen Stadt immer der Kühlschrank am Donnerstag aufgefüllt wird. Nun hast du Freunde in anderen Städten und hörst auch von der Auffüllung am Donnerstag. Nach einem Jahr beschließt du für dich anzunehmen, dass weltweit Donnerstag der Eiscreme-Tag ist. Du hast eine Theorie aufgestellt, weil du Einzelfälle beobachtest und daraus auf das große Ganze schließt. Du weißt schon, worauf es hinausläuft. Es kommt der Donnerstag wo du zum Kühlschrank gehst und es ist KEIN Eis drin. 

Die Wissenschaft macht nichts anderes. Sie beobachtet Einzelfälle. Das nennt man auch Empirie. Die gängige Geschichte geht nicht mit Eiscreme im Kühlschrank, sondern mit Schwänen. So konnten Wissenschaftler über viele Jahre nur weiße Schwäne finden. Schließlich wurde verkündet: Alle Schwäne sind weiß. Das war so lange richtig, bis man in Australien einen schwarzen Schwan fand. Das Problem der induktiven Beweisführung ist, dass sie unsicher ist, weil man nie weiß, ob man alle Fälle abgedeckt hat. 

Das Problem der Induktion: Sie sieht das große Ganze nicht und gilt nur, bis man eine Ausnahme gefunden hat.

Es ist dir vielleicht nicht gleich aufgefallen, aber nirgendwo in der Eisgeschichte wurde deutlich, warum da Eiscreme im Kühlschrank ist. Gibt es vielleicht irgendwo Heinzelmännchen, die immer donnerstags durch die Welt fahren und die Kühlschränke auffüllen, oder haben sich die Supermärkte der Welt verschworen und liefern nur donnerstags? Die induktive Erkenntnis kann vielleicht herausfinden, dass es irgendjemand dort reinlegt, weil sich Eiscreme nicht von selbst herstellt. Nehmen wir aber an das die Personen immer dann den Kühlschrank auffüllen, wenn du gerade nicht da bist, kannst du nie herausfinden, wer das ist. 

Eine induktive Betrachtung der Welt kann maximal herausfinden, dass es einen Schöpfer geben könnte, der alles erschaffen hat, weil sich Dinge nun mal nicht von alleine einstellen. Es gäbe aber keine Möglichkeit etwas über Jesus und seine Auferstehung herauszufinden, wenn du es nicht irgendwo gehört hättest. Es fehlt das Gesamtbild.

Eine Folge davon ist, dass man unsicher ist, weil man die Zusammenhänge nicht versteht. Eine einzige Ausnahme und das Modell wankt, mehrere Ausnahmen und es bricht zusammen. Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper waren deshalb dafür die induktive Erkenntnismethode im Ganzen abzulehnen. Darüber später mehr.

Für den Glauben könnte es so aussehen: Ich bete heute und höre Gottes Stimme. Morgen geschieht das gleiche. Es geht die ganze Woche. Schließlich treffe ich die Annahme: Immer, wenn ich bete spricht Gott zu mir. Du triffst deine Freundin am Nachmittag und erzählst es ihr. Sie ist ganz zerknirscht: „Gott spricht gar nicht mit mir“. Auch hier erlebt dein Gottesbild einen Schubs. Vielleicht wirst du der Freundin genau erklären, wie sie es machen muss, aber die Annahme wird sich wahrscheinlich nicht bestätigen, denn Gott spricht nicht immer zu jedem Menschen in seiner Gebetszeit am Morgen – er kann es auch anders machen, nämlich durch andere Menschen.