3.1.1 Die Strategie der Ketzerbekämpfung

Die Theologen, die ihr schriftstellerisches Wirken der Ketzerbekämpfung widmen, verfolgen dabei eine einheitliche Strategie. Der Bezug auf die Heilige Schrift, die zu diesem Zeitpunkt in ihren Grundzügen bereits kanonisiert ist (siehe Kapitel II.1.2), wird als wenig hilfreich angesehen. Das ist nicht etwa deswegen der Fall, weil man der Schrift keine Autorität zuerkennen würde, im Gegenteil. Aber man hat die Erfahrung gemacht, dass Auseinandersetzungen um die Schrift wenig hilfreich sind, da sich auch die häretische Partei stets auf sie beruft und mithilfe von Auslassungen, Hinzudichtungen oder einfach fehlgeleiteter Exegese ihre eigene Irrlehre zu rechtfertigen vermag (siehe Quelle).

Das richtige Verständnis der Schrift kann also nicht einfach aus ihr selbst abgeleitet werden, es bedarf einer zusätzlichen Hilfestellung. Diese finden die Ketzerbekämpfer in der regula fidei (siehe Kapitel II.1.2). In dieser Regel erkennen sie die wesentlichen Inhalte des Glaubens, wie sie von den Aposteln bewahrt wurden. An dieser apostolischen Überlieferung hatte sich die Auslegung der Schrift zu orientieren. Stieß man auf neue Lehren, die dieser Tradition widersprechen, so hatten sie keinen Anspruch auf Gültigkeit. Es gilt der Altersbeweis: Die ältere Lehre ist der jüngeren vorzuziehen.