2.9 Etappen der Entscheidungsfindung

Wenn der menschliche Verstand tatsächlich eher rationalisiert als rational ist, wie spielt sich das im Prozess der Entscheidungsfindung ab? In den 1980er Jahren entwickelte der deutsche Psychologe Heinz Heckhausen (1926-1988) die sogenannte Rubikon-Theorie, ein Modell, das die verschiedenen Arten der Motivation vor und nach einer Entscheidung zu einem einheitlichen Modell zusammenfasst. 

Die erste Phase, also die Zeit, bevor die Person eine Entscheidung getroffen hat, wird Deliberation genannt. In dieser Phase neigen Menschen dazu, Fakten gegenüber aufgeschlossen zu sein (z. B. das Für und Wider einer bestimmten Entscheidung) und ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. 

Heckhausen nennt den Punkt der Entscheidung den “Rubikon”. Dieser Begriff ist angelehnt an das historische Ereignis, das den römischen Bürgerkrieg auslöste, der schließlich dazu führte, dass Julius Cäsar die Republik stürzte und sich zum Kaiser ausrief. Indem er mit seiner Armee den Fluss Rubikon überquerte, überschritt Cesar die vom römischen Senat gesetzte Grenze, was ihn zum Staatsfeind machte. So ist der Rubikon zu einer Redewendung geworden, die den Punkt bezeichnet, an dem es kein Zurück mehr gibt, den Punkt, an dem sich eine Person zu einer bestimmten Handlung verpflichtet. 

Der Rubikon markiert den Punkt des Übergangs von einer deliberativen zu einer volitionalen Denkweise.  Von nun an ist die Person fest entschlossen, die getroffene Entscheidung umzusetzen. Während der Planungs- und Handlungsphase sind Menschen verschlossen. Sie neigen dazu, sich selektiv auf Informationen zu konzentrieren, die ihre Entscheidung bestätigen und ihnen helfen, das gesetzte Ziel zu erreichen. Im Gegensatz dazu ziehen sie es vor, alles zu ignorieren oder herunterzuspielen, was Zweifel an ihren geplanten Zielen oder ihrer Fähigkeit, diese zu erreichen, aufkommen lassen könnte. 

Während sie ihre Ziele verfolgen, neigen sie auch dazu, unrealistische Vorstellungen von sich selbst und ihren Fähigkeiten zu haben. Sie unterschätzen möglicherweise die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und überschätzen ihre Fähigkeit, diese zu kontrollieren.

In der Post-Aktions- oder Bewertungsphase verschiebt sich die Motivation tendenziell wieder. Während Menschen immer noch voreingenommen sein können, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen, könnten sie auch eher in der Lage sein, objektive Schlussfolgerungen zu ziehen, selbst wenn dies bedeutet, ihre Absichten und Handlungen zu hinterfragen.