2.7 Verteidigungsmechanismen

Die Idee der Abwehrmechanismen stammt aus der Arbeit von Sigmund Freud und seiner Tochter Anna Freud. Abwehrmechanismen können als Bewältigungsstrategien verstanden werden, die der menschliche Geist einsetzt, um innere Konflikte zu lösen, die ihn sonst destabilisieren und große Angst verursachen würden. Sie funktionieren weitgehend auf einer unbewussten Ebene. 

Primitiv/

Unreif

 

Verweigerung Weigerung, Tatsachen oder Umstände anzuerkennen, die als zutiefst beunruhigend empfunden werden würden (z. B. nachdem bei einer Person Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde, lebt sie weiter und schmiedet Pläne für die Zukunft, als ob sich nichts geändert hätte). 
Projektion In anderen das zu sehen und anzugreifen, was man an sich selbst nicht mag (z.B. wirft ein Mann seiner Ehefrau wütend vor, “kokett” zu sein, weil sie auf einer Geburtstagsfeier ein kurzes Gespräch mit einem Mann hatte, obwohl er selbst regelmäßig mit weiblichen Geschäftspartnern flirtet).
Dissoziation Nach beunruhigenden Erlebnissen nichts mehr fühlen zu können. Menschen können berichten, dass sie sich unwirklich fühlen, wie in einem Traum, oder dass sie sich selbst in einem Film sehen (z.B. nachdem Sie Zeuge eines schweren Unfalls wurden, bei dem Ihr bester Freund starb, haben Sie irgendwie ausgecheckt und gehen in Ihrem Alltag einfach nur noch zur Tagesordnung über).
Splitten Eine Unfähigkeit, Ambiguität in anderen zu tolerieren, was zu einer Tendenz führt, sie entweder zu idealisieren oder zu verunglimpfen (z. B. sieht eine junge Frau ihren Verlobten als makellosen Helden, bis er sie enttäuscht. Dann verwandelt sich ihre Bewunderung in bösartige Verbitterung).
Kompartimentierung Deutlich unterschiedliche Werte und Verhaltensweisen in einem Lebensbereich im Vergleich zu anderen Bereichen (z.B. ein Gemeindeältester in einer sehr konservativen, traditionellen Gemeinde besucht gerne Motorradtreffen mit Heavy-Metal-Musik und exzessivem Alkoholkonsum).
Reaktionsbildung Unerwünschte Gefühle und Wünsche in ihr Gegenteil umwandeln, ohne sie anzuerkennen (z.B. obwohl er insgeheim einen Groll gegen seinen Seniorpastor hegt, lässt es sich ein Mitglied des Leitungsteams nicht nehmen, ihn im Sonntagsgottesdienst vor der Gemeinde zu loben).
Repression Selektives Blockieren von störenden Gedanken oder Erinnerungen (z. B. können Sie sich an keine Details eines schweren Unfalls erinnern, den Sie erlebt haben, oder an die Zeit, als sich Ihre Eltern scheiden ließen).
Verdrängung Ein Gefühl oder Motiv wird in der Umgebung, in der es entstanden ist, sorgfältig verborgen. Stattdessen wird es in einem anderen Setting ausgedrückt (z. B. ein Mitarbeiter wird von seinem Chef harsch kritisiert. Bei der Arbeit hält er seinen Ärger zurück, um seine Fassung zu bewahren. Nachdem er nach Hause gekommen ist, schimpft er abends bösartig über seine Kinder, weil sie ihre Hausarbeit nicht erledigt haben).

Ausgereift/

Adaptiv

Rationalisierung Das Finden falscher Gründe, um ein Verhalten zu rechtfertigen, die akzeptabler sind als die wahren Gründe (z. B. wenn Sie sich schlecht fühlen, weil Sie sich von einem Autoverkäufer zum Kauf eines teureren Autos überreden ließen, als Sie ursprünglich wollten, reden Sie sich ein, dass es wichtig ist, ein schickes Auto zu fahren, wenn Sie in Ihrem neuen Job respektiert werden wollen).
Intellektualisierung Reagieren auf einer rein intellektuellen Ebene, ohne die Gefühle zu erkennen, die für den Kontext angemessen wären (z.B. schwört ein junger Mann, nachdem seine Freundin ihm vorwirft, ihr nicht mit dem Herzen zuzuhören, ein Buch über Kommunikation zu lesen).
Sublimation Umlenkung der Energie von inakzeptablen oder unerwünschten Impulsen auf wünschenswertere (z.B. beschließt eine junge Frau, die nach einem Streit mit ihrer Mitbewohnerin wütend ist, eine Stunde lang laufen zu gehen. )
Kompensation Ausgleich einer wahrgenommenen Schwäche oder eines Fehlers durch eine Stärke oder eine Leistung in einem anderen Bereich (z. B. ein Schüler, der sich in Mathematik schwer tut, arbeitet besonders hart, um in den anderen Fächern gute Noten zu haben).