2.6 Unbewusste Informationsverarbeitung

Während Konzepte wie kognitive Verzerrung und duale Verarbeitung in den kognitiven Wissenschaften konzipiert wurden, kommt ein anderer Blickwinkel auf Wahrnehmungsprozesse aus der klinischen Psychologie und ist besonders nützlich für das Verständnis gestörter mentaler Funktionen. Die psychoanalytische Tradition betont die Bedeutung der unbewussten/unterbewussten Teile des Geistes. Die Bewegung der Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud ins Leben gerufen, einem Psychiater, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien (Österreich) lebte. Jahrhunderts in Wien (Österreich) lebte. Er benutzte das Bild eines Eisbergs, um die Idee zu illustrieren, dass nur kleine Teile unserer Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung unserem bewussten Verstand zugänglich sind (wie der Teil, der über dem Wasser sichtbar ist). Das meiste geschieht unbewusst (der Teil des Eisbergs, der unter der Oberfläche liegt).  Warum ist das so? 

Da das Denken stark von der Sprache abhängt, ist ein Großteil der frühen Lernerfahrung eines Kindes nonverbal. Gleichzeitig ist die frühe Periode im Leben eines Menschen, insbesondere die ersten zwei Jahre, extrem wichtig. In dieser Zeit erlebt das Kind die Welt durch Bilder, Töne und Körperempfindungen. Die Welt der frühen Beziehungen eines Kindes ist ein Wandteppich aus diffusen Erinnerungen ohne Worte. Gleichzeitig ist sie voller intensiver Emotionen. In diesen Jahren wird die psychische Architektur eines Menschen geformt. Dazu gehört die Fähigkeit, sich selbst und andere als getrennte Wesen zu sehen. Dazu gehört auch die Bildung kohärenter mentaler Repräsentationen des Selbst und wichtiger anderer Personen, die flexibel genug sind, um angenehme und negative Erfahrungen zu integrieren. 

Aufbauend auf diesen wesentlichen Grundlagen beginnt der junge Mensch, soziale Regeln durch einen kontinuierlichen Versuch-und-Irrtum-Prozess mit starken Rückkopplungszyklen zu erlernen, die das Kind mit solch komplexen Gefühlen wie Scham, Vertrauen oder Zuversicht vertraut machen. Das entstehende Arbeitsmodell der grundlegenden Annahmen über das Selbst und die Welt ist von solchen unbewussten Gefühlen durchdrungen und wird von ihnen angetrieben. Viel mehr als sprachbasiertes Denken und Argumentieren sind es diese unbewussten oder unterbewussten Motive, die den Prozess des Lernens steuern, den eigenen Platz in Beziehungen auszuhandeln, angefangen bei der Familienkonstellation und später in Gemeinschaften.

In diesen frühen Lebensphasen beginnt der junge Mensch, Schutzmechanismen zu entwickeln, um mit inneren Konflikten fertig zu werden, für die er noch keine Worte hat und die deshalb auf einer unbewussten Ebene erlebt werden. Im Laufe der Entwicklung treten dann reifere Abwehrstrategien auf. Dennoch können unreifere Abwehrmechanismen fortbestehen oder wieder auftauchen, wenn eine bestimmte Angst oder ein bestimmter Konflikt ausgelöst wird. Da Abwehrmechanismen jedoch Verhaltensweisen sind, die erlernt wurden, können sie auch durch adaptivere Bewältigungsstrategien ersetzt werden.