2.3 Dual-Process-Theorie und Bewusstseinsebenen

Die allgemeine Idee, dass der menschliche Geist aus zwei getrennten Bahnen zur Verarbeitung von Informationen besteht, wurde in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Formen präsentiert:

  • Jonathan Evans (2003) unterschied zwischen der Typ-I-Verarbeitung, die schnell und effizient ist, und der Typ-II-Verarbeitung, einer bewussteren und viel langsameren Art des Denkens und der Bewertung von Informationen. 
  • Brainerd und Reyna (2002) konzentrierten sich auf den Einfluss von Gedächtniseinschränkungen auf das Denken. Nach ihrer Fuzzy-Trace-Theorie verlassen sich Menschen oft auf vereinfachte Gist-Darstellungen von Fakten in ihren Erinnerungen, anstatt auf die vollständige, umfassende Darstellung zuzugreifen, was das Sammeln, Verifizieren und sorgfältige Verarbeiten von Informationen erfordern würde.
  • Allan Paivio entwickelte das Dual-Coding-Modell der Informationsverarbeitung. Nach dieser Theorie gibt es zwei komplementäre Systeme, die beide auf unterschiedliche Hirnareale angewiesen sind. Das nonverbale, visuelle System funktioniert effizienter als das verbale System. Lernen funktioniert am besten, wenn Informationen sowohl visuell als auch verbal verarbeitet werden.  
  • In ihrem Elaboration-Likelihood-Modell der Überzeugung schlugen Richard E. Petty und John Cacioppo (1986) vor, dass die erste (oder zentrale) Route der Überzeugung aktiviert wird, wenn eine Person hoch motiviert ist und die Fähigkeit hat, aktiv ein Argument durch sorgfältiges Nachdenken zu erstellen. Die zweite (oder periphere Route) ist vorhanden, wenn jemand nicht motiviert oder in der Lage ist, tiefer zu reflektieren, sondern Abkürzungen verwendet, um zu einer Entscheidung zu kommen. 
  • Im Bereich des Organisationsmanagements wird häufig Herbert Simons Modell der begrenzten Rationalität verwendet. Aufgrund von Einschränkungen in Bezug auf Zeit, Motivation und Ressourcen hören Menschen auf der Suche nach einer Lösung oft auf, nach dem bestmöglichen Ergebnis zu suchen, sobald sie eine einigermaßen zufriedenstellende Lösung gefunden haben. Er nannte dies Satisficing versus Optimizing.

Die Idee eines dualen Systems oder Prozesses in der mentalen Funktion wurde durch Erkenntnisse aus der neurologischen Forschung unterstützt, die darauf hinweisen, dass es verschiedene, parallele Ebenen der Verarbeitung derselben Informationen im Gehirn gibt – eine bewusste Ebene, die dem verbalen Denken und der Argumentation zugänglich ist, und eine unbewusste Ebene, die einen automatischen und viel schnelleren Prozess beinhaltet. Die unbewusste Verarbeitung geht dem bewussten Denken voraus und bereitet es in der Regel vor.