2.1 Was ist Vernunft?

Im Unterschied zur sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit das gesamte geistige Vermögen, gleichbedeutend mit Verstand, Intelligenz, Einsicht, Besonnenheit. Im Besonderen (als Übersetzung von griech. nous, lat. intellectus agens) Bezeichnung für die oberste Vollzugsweise des menschlichen Geistes, nämlich das Vermögen der Zusammenschau übergreifender Seinsordnungen und Sinnzusammenhänge, im Unterschied zum analysierenden Verstand (griech. dianoia, lat. Ratio).

Kant unterscheidet dabei die theoretische Vernunft, die unter der Leitung der Ideen alle Verstandeserkenntnisse zu einem einheitlichen Ganzen zu ordnen sucht, und die praktische Vernunft, die, vom sittlichen Willen bestimmt, die Ideen postuliert, um die Einheit des Wollens und Handelns mit dem Sittengesetz als sinnvoll zu ermöglichen. Bei Hegel ist Vernunft gegenüber dem Verstand als endlichem (Gegensätze und Einzelbestimmungen fixierenden) Geistvollzug das erst zu wahrem, weil begreifendem Erkennen gelangende (in dialektischer Bewegung jede Gegenübersetzung aufhebende) Denken.“