2.1.4 Montanismus und Donatismus

Montanismus und Donatismus waren häretische Bewegungen (siehe Kapitel III) innerhalb der frühen Kirche, deren Irrlehre sich aber ausschließlich auf die Ekklesiologie beschränkte; daher sollen sie in diesem Kapitel behandelt werden.

Der Montanismus, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts in Phrygien (Region in der heutigen Türkei) entstand, kann als erste charismatische Bewegung der Kirchengeschichte bezeichnet werden. Montanus und seine Anhänger betonten die unmittelbare Eingabe durch den Heiligen Geist und betrachteten ihre Bewegung als Neue Prophetie – so lautete vermutlich die Selbstbezeichnung. Der Montanismus stellt eine Gegenbewegung zur immer weiteren Institutionalisierung der Kirche und dem neu entwickelten Amtsverständnis dar (siehe oben). Auch dem zunehmenden Ausschluss von Frauen aus den kirchlichen Ämtern stellt sich der Montanismus entgegen, Prophetinnen spielten in vielen montanistischen Gemeinden eine wichtige Rolle. Typisch für den Montanismus waren außerdem eine ausgeprägte Endzeiterwartung sowie eine strenge Askese. Die sich bildende Großkirche verurteilte den Montanismus als häretisch und bekämpfte ihn stark. Ab dem vierten Jahrhundert ist er so gut wie ausgestorben.

Der Donatismus kam erst im vierten Jahrhundert in Nordafrika auf und entstand im Streit um den Umgang mit ‚gefallenen‘ Amtsträgern. Im Zuge der großen Christenverfolgungen (siehe Kapitel IV) kam es immer wieder vor, dass kirchliche Vertreter mit den römischen Behörden kollaborierten und/oder ihren christlichen Glauben verleugneten. Nach dem Ende der Verfolgung kam es dann zum Streit darüber, ob diese Traditoren (= Verräter) ihr Amt weiterhin ausüben können. Einige Theologen vertraten die Auffassung, dass solch schwere Sünden zum Verlust der geistlichen Vollmacht führten, weshalb die Betroffenen aus den entsprechenden Ämtern ausgeschlossen werden müssen. Dabei stand insbesondere die Frage im Raum, ob die von solchen Klerikern verwalteten Sakramente noch wirksam sind.

Donatus und seine Anhänger vertraten eine puristische Ekklesiologie, der zufolge die Reinheit der Kirche und somit ihrer Amtsträger bewahrte werden müsse, um wahre Kirche sein zu können. Dementsprechend lehnten sie den ‚gefallenen‘ Bischof von Karthago ab und weihten Donatus zum Gegenbischof. Dieses Donatistische Schisma bestand noch bis ins fünfte Jahrhundert weiter, beschränkte sich aber auf Nordafrika. Die Großkirche verurteilte diese Abspaltung mit dem Argument, dass die christliche Kirche nicht Kirche von Heiligen für Heilige, sondern von Sündern für Sünder sei. Im Laufe der Kirchengeschichte sollte dieser Streit immer wieder auftauchen. Bis heute ist das Abwägen zwischen Verständnis und Vergebung einerseits und von Kirchenzucht andererseits ein Problem vieler Gemeinden.