1.3.6 Junges Erwachsenenalter (20er bis Anfang 40er): Intimität oder Isolation

Während junge Erwachsene ihre Identität konsolidieren, stehen sie vor der widersprüchlichen Herausforderung, einen Teil ihrer Autonomie aufzugeben, um intime Beziehungen einzugehen. Dazu gehört zunächst die Bereitschaft, sich zu binden und andere potenzielle Beziehungsoptionen aufzugeben. 

Die Bildung eines Paares wird in der Bibel recht treffend als “ein Fleisch werden” charakterisiert (1. Mose 2,24, Matthäus 19,5). Der Prozess des “Verbundenwerdens”, um zu dem zu werden, was vielleicht am besten als “ein Organismus – ein größeres Ganzes mit neuen eigenen äußeren Grenzen” umschrieben werden könnte, beschreibt eine wahre psychologische Metamorphose. Es bedeutet, das eigene Selbstgefühl über den kleinen “Ich-Raum” hinaus zu transzendieren, indem man Platz für die Identität eines anderen macht, während die beiden Individuen ihre neue, gemeinsame “Wir-Identität” aushandeln.

Das Aufbrechen des ursprünglichen kleinen Ich-Raums, der die früheren Jahre des Erwachsenwerdens bestimmt hatte, legt den Grundstein für eine weitere Wachstumsherausforderung in der Fähigkeit zur Intimität. Das Paar sieht sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, den gemeinsamen Wir-Raum zu erweitern, um Platz für die Kinder mit ihren intensiven Bedürfnissen nach Fürsorge und Toleranz zu schaffen.