1.3.2 Erstes bis drittes Lebensjahr: Autonomie oder Zweifel/Scham

Die anfängliche Beziehung zwischen Mutter und Kind ist symbiotisch. Im Mutterleib ist das Kind im Wesentlichen ein Teil des Organismus der Mutter. Die symbiotische Bindung setzt sich nach der Geburt fort. Wenn das Baby sich seiner selbst bewusst wird, beginnt es zu erkennen, dass er/sie und die Mutter verschiedenen Personen sind. Margret Mahler (1897-1985) beschrieb dies als die psychologische Geburt des Kindes. Dies ist der Ausgangspunkt eines herausfordernden Prozesses, der als Trennung und Individuation bezeichnet wird und der sich in den ersten 2-3 Jahren mit unterschiedlicher Intensität fortsetzt. 

Zu dieser Zeit gehören die sogenannten “schrecklichen Zwei”. “Kleinkinder lernen, ihren Willen durchzusetzen und ihre Umgebung zu erkunden. Eltern können diesen Drang unterdrücken, indem sie übermäßig beschützend sind oder ein Kind hart bestrafen, wenn es trotzig und stur ist. Beides sind grundlegende Erfahrungen, die das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit des Kindes, für sich selbst einzustehen, untergraben können.

In dieser turbulenten Zeit können Eltern ihrem Kind helfen, indem sie ihm seinen eigenen Willen lassen, dabei klare Grenzen setzen und einen kühlen Kopf und ein weiches Herz bewahren. Kinder lernen, dass ihre Eltern ein Eigenleben haben und auch mal Nein sagen werden. Sie erleben auch, dass die Liebe und Zuneigung der Eltern ihre Wut und Aufmüpfigkeit überlebt.