1.1.3 Die Verfolgung von Christen durch Juden

Die Weltgeschichte ist reich an christlichem Antijudaismus. Doch in den Anfängen der Kirchengeschichte kam es nicht selten zur Verfolgung der christlichen Gemeinden durch die Juden. Paulus, der sich selbst als früherer Christenverfolger bezeichnet, dürfte keine Ausnahme gewesen sein. Die Steinigung des Herrenbruders Jakobus in Jerusalem (62 n. Chr.) wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von den jüdischen Behörden veranlasst. Im Achtzehnbittengebet, dem Hauptgebet des jüdischen Gottesdienstes, findet sich als zwölfte Bitte: „Den Verleumdern sei keine Hoffnung, und alle Ruchlosen mögen im Augenblick verloren sein, alle Feinde deines Volkes mögen rasch ausgerissen werden, und die Trotzigen schnell entwurzle, zerschmettre und demütige. Gelobt seist du, Ewiger, der du die Feinde zerbrichst und Trotzige demütigst!“ Ob sich diese Bitte bereits von Beginn an auf die Christen bezog, ist umstritten, doch wurde sie später unweigerlich auf sie bezogen. Im bereits erwähnten Bar-Kochba-Aufstand wurden Christen ebenfalls durch Juden verfolgt. Da Simon bar Kochba, der militärische Führer des Aufstandes, von vielen Juden als der verheißende Messias betrachtet wurde, erhob sich das jüdische Volk in diesem Krieg nicht nur gegen die Römer, sondern auch gegen die ‚Verleumder‘ und ihren ‚falschen Messias‘.