1.1.2 Die jüdischen Aufstände

Mehrmals erhob sich das jüdische Volk – vergeblich – gegen die römische Besatzung. Der sogenannte Jüdische Krieg (66-70 n. Chr.) endete mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels. Mit dem niedergeschlagenen Bar-Kochba-Aufstand (132-135 n. Chr.) verschwanden die letzten Reste eines größeren geschlossenen jüdischen Siedlungsgebiets endgültig, was zur jüdischen Diaspora führte. 

Für die junge Gemeinde der Christen bedeuteten diese Aufstände einen weiteren Anlass zur Abgrenzung. Viele Christen betrachteten den Fall Jerusalems als Strafe Gottes für die jüdische Ablehnung Christi und fühlten sich so in ihrer eigenen Überzeugung bestärkt. Sie selbst sahen sich als loyale Bürger des Reiches und verurteilten jedweden Aufstand gegen die Obrigkeit. Zwar kamen auch die Christen immer wieder in Konflikt mit den römischen Behörden, weil sie sich weigerten, den römischen Göttern Opfer zu bringen, doch blieb ihr Widerstand stets passiv. Paulus formuliert es wie folgt: „Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung.“ (Röm 13,2) Diese Haltung wurde für die christliche Bewegung maßgebend und trug ebenfalls zur Förderung ihrer eigenen Identität bei.